Kompliment
dreasan (01.03.2007)
Viele Vorurteile über den Wedding stimmen. So prollig, schäbbig und laut wie die Leute sagen, ist es dort an vielen Stellen auch, und die wachsende Zahl von neuansiedelden Medien- und Kunstinteressierten mit Mittefrisur macht es nicht wirklich nicht besser. Zumal man sich in den meisten Lokalen da (wo die Unter- und gar nicht Beschäftigten aus der Nachbarschaft tagein tagaus ihre Biere kippen) über die Pseudo-Boheme-Blagen, die einen Milchkaffee bestellen und dann stundenlang bedeutungsvoll in ihre Notebooks starren, halb schlapp lachen würde.
Aber eigentlich wollte ich ja was zu den angenehmeren Orten im Wedding sagen, die es ja auch gibt, das Nordufer zum Beispiel und den Lindengarten. Denn dort ist es weder prollig noch prätenziös, und man die Auswahl zwischen zwei (drei im Sommer, wenn der Biergarten mit Blick auf die Industrieanlagen des Westhafens in Betrieb ist) völlig unterschiedlichen Umgebungen: Eine geräumige, dunkelgebeizte Kneipe im vorderen Teil und einen hellen Speisesaal mit hohen Fenstern, unaufdringlicher Beleuchtung und klassisch eingedeckten Tischen.
Die Speisenauswahl reicht von hessischen, berlinerischen und mediterranen Kleinigkeiten bis hin zu sehr ordentlichen Fisch- und Fleischgerichten, Tendenz gutbürgerlich, bei prächtigem Preis/Leistungsverhältnis. Die Portionen sind großzügig (z.B würde der kleine gemischte Salat andernorts glatt als Hauptgang durchgehen) bemessen und schmecken lecker. Die Bedienungen sind (Berlin-untypisch) freundlich zu Allen und so finden sich im Lindengarten Leute aller möglichen Nationen, Bildungshintergründe und Geldbeuteldicke ein. Ein weiteres Sternchen verdient die Anordnung der Tische. Die stehen nämlich weit genug auseinander, um sich unterhalten zu können, ohne von den Konversationen der Nachbarn abgelenkt/genervt zu werden.
Stichworte
lecker, freundlich, angenehm, auswahl, viel, preisgünstig
Kommentare (1)
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