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Benutzerfoto: pingu37

pingu37

Kompliment pingu37 (22.04.2008) 5

Dieses wunderbare Restaurant habe ich ganz besonders genossen.
Die Empfehlung, die ich bekam, beinhaltete auch den Lebenslauf des Kochs/Inhabers, wie der Vorredner schon beschrieb, und die Titulierung “experimentelle Küche” mit flüssigem Stickstoff, was mich sehr neugierig machte.
Die hohen Kosten für ein extravagantes Menü nahm ich in Erwartung an experimentellen Gaumenfreuden in Kauf.

Lage:
Das Restaurant ist nicht leicht zu finden, und sehr leicht zu übersehen. Selbst als ich direkt vor der Tür stand, sah es nicht wie ein Restaurant-Eingang aus. Das Schildchen war einfach nicht hervorstechend als Restaurant-Reklame zu erkennen.
Die nächstgelegene Metrostation ist “universidad” und man läuft dann ca. 10 - 15 Minuten dahin.

Ausstattung:
Das Restaurant ist in einem sehr lang gezogenen Raum, der am Eingang mit tropisch-asiatischen Pflanzen und Steinen und laufendem Wasser dekoriert ist und im restlichen Saal in tiefen roten Farben und mit beleuchteten Vorhängen (Tüchern an der Wand) in eine sanfte Farbgebung getaucht wird.
Die Möbel und Lampen und Dekorationen sind hingegen sehr eckig, geometrisch als Kontrast in Schwarz oder Weiß zum Rot.
Man hat viel Platz zu anderen Tischen und stört mit seiner Unterhaltung niemanden.
Das Ambiente ist gediegen und luxuriös. Entsprechende Kleidung wäre passend.

Service:
Die Bedienung ist sehr freundlich und sehr hilfsbereit und geht auf jeden Wunsch ein und berät hervorragend zu den Speisen und Getränken. So erhält man bei der Bestellung Hilfestellung zu Geschmacksrichtungen und Zubereitungsart und Inhaltsstoffe.
So konnte mit Nachfrage in der Küche für mich spezielle Empfehlungen zu bestimmten Gerichten gemacht werden, die ohne Laktose sind. Für den Nachtisch wurde mir ein Fruchtsalat als Ersatz zu anderen milchhaltigen Nachtischen angeboten.
Die Karte gab es auf Catalán und auch Englisch. Ich versuchte die Catalanische zu verstehen während mein Freund sich die Englische vornahm. Und im Zusammenschluß verstanden wir schon mehr, als einzeln, aber trotzdem noch nicht ganz 50%. Also fragten wir die freundliche Bedienung und wurden ausführlich über jedes Gericht informiert. Absolut kompetent und sympathische Bedienung, wir waren begeistert.

Es gab besonders erfreulich beim Servieren die Auskunft der Herkunft, die Besonderheiten des Herstellers und die Geschmacksrichtung des Weines und des Olivenöls. Auch zum Mineralwasser gab es eine kleine Story….die ich allerdings schnell wieder vergaß. Zum Wein und zum Sekt wurden auch ausführliche Informationen gegeben.

Als Aperitiv gab es vorne weg ein Spezialgetränk. Für mich wurde extra die Sahne weggelassen. Siehe Fotos.
Es war ein mehrstufiges Geschmackserlebnis!
Oben auf war soetwas wie Eierschaum, die nächste Schicht war das braune flüssige und war süß und evtl. mit Alkohol, dann am Boden lagen die Salzkristalle. Wir sollten das Getränk auf Ex trinken und wirklich so lange das Glas ansetzen bis der Bodensatz Salzkristalle in den Mund rutscht und damit die verschiedenen Geschmacksstufen im Mund zergehen lassen.
Absolut köstlich und wunderbar! So eine tolle Idee mit den Salzkristallen. Die Geschmacksrichtungen harmonieren super miteinander.

Als Wartezeitüberbrücker gab es Weissbrot in sehr dekorativen und schönen Tandem-Schälchen, dazu wurde das erwähnte regionale hochqualitative Olivenöl und ganz besondere Salzkristalle gereicht. Dieser Anfang war schon sehr genial und bereitete große Gaumenfreude, so daß wir mehrmals Brotnachschub bekamen, weil wir nicht genug von dem leckeren Olivenöl bekamen.

Das Lunch-Business-Quick-Menü oder auf Catalàn “Fórmula mediodía”:
Es kostete 29Euro und bestand aus 3 Gängen und hatte folgende Auswahlmöglichkeiten:

Die Vorspeisenauswahl:
1. Salat Waldorf: Apfel, Hühnchen, Mayonnaise, Mandeln, Kirschen
2. Huevo de Corral (Geflügelei): Kichererbse aus dem hohen Gebiet des Anoia (Fluß), Chorizo-sauce, Krümel/Croutons
3. crema fría de guisantes (kalte Erbsencreme): knusprige Cannelloni/Knäckebrot (laut http://dict.Leo.org), Zwiebeln, Speck, Minzpürree

Nr 2 und 3 siehe Fotos.
Nr 2 ist ein Feuerwerk aus Geschmacksrichtungen und jeder kleine Bissen war ein Erlebnis! Ich weiß bis heute nicht was die kleinen Würfelchen waren, schmeckten nach einer Frucht. Das Ei war hervorragend, Ich liebe Eier genau so, daß das Eigelb noch flüssig ist. Kichererbsen sind eigentlich nicht mein Fall, aber hier waren sie sehr passend zu den Geschmacksrichtungen und wirkte nur leicht gesalzen neutralisierend.
Die Chorizo-krümel waren sehr sehr sehr sehr sehr lecker und schön würzig.

Nr3 sieht farbig explosionsmäßig aus, hatte aber wenig Geschmack. Die Minze war leider nicht prägend, schmeckte man kaum heraus.

Die Hauptgerichte
1. Fisch des Tages: gut geräucherter Fisch im Sud mit Pilzen
2. Rabo de buey (Ochsenschwanz???): Selleriepürree, Reduktion der Karotte
3.Arroz de galeras (Reis-galeere): Tintenfischnudeln (dünne Tintenfischstreifen), Bohnen und zarte Zwiebeln

Nr 3 ist ab mindestens 2 Personen bestellbar. Wir nahmen es und hatten die absolut richtige Wahl gefällt. Siehe Fotos.
Die Tintenfischstreifen waren sehr dünn geschnitten, wie Nudeln, und mit viel Knoblauch und Kräutern kurz angebraten, und auf dem Reis platziert. Der Reis ist in brauner Marinade getränkt, und für mich war es etwas zu salzig. Diesen Geschmack kannte ich bisher auch noch nicht. Wieder ein besonderes sehr gutes Geschmackserlebnis!

Nachtische:
1.Textura deLimón: Eis, Sahne, Zitronenschaum, borracho=Trunkenbold laut dict.leo.org ;-) , Wodkasorbet,
2.quesada de arce (... Ahornsirup): Maria-Kekse, kristallisierte Ingwer, Sahne
3.mel i mató: Biskuit aus Feigen und Nüssen, Honig-eis, cremige Mató

Nr. 1 und den Obstsalat siehe Fotos.
Der Obstsalat war sehr schön angerichtet, hatte allerdings einen faden Kühlschrank-Nachgeschmack. Somit war das Obst zuvor geschnitten für längere Zeit im Kühlschrank gewesen, und das schmecke ich, leider.

Das Zitronenerlebnis war laut meinem Freund sehr lecker und ebenfalls ein Gaumenerlebnis.

Im Ganzen war der Besuch in diesem Restaurant eine absolut lohnenswerte und entspannte und Gourmet und Gaumen ansprechende Erfahrung, die insgesamt geschätzte 2-3 Stunden dauerte und wie im Flug verging.

Der Preis für das Mittagsmenü ist absolut preiswert und günstig für diese gediegene Qualität und Geschmacks und Sinneserfahrung. Dafür auch 5 Sterne!
Abends hätten wir wahrscheinlich ein Vielfaches davon gezahlt.

Das Ambiente, der Service und natürlich die exquisite Qualität der Speisen und Getränke geben wesentlich mehr als 5 Sterne her!!

MEIN LIEBLINGSORT!!! Schade, dass es so weit weg ist. Ich zieh nach Barcelona…. TCHÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ

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Kompliment spezialspezies (07.12.2007) 5

In der GEO Saison Nr. 07/2006 als "Alchemisten am Herd" tituliert wird eine neue Garde katalanischer Köche, die mit flüssigem Stickstoff garen und Desserts mit Zigarrenrauch aromatisieren. Sie servieren "essbare Parfüms". Und das Verblüffendste: Ihre Kreationen sind verführerisch lecker. Auch Jordi Artal, Chef de cuisine des im Mai 2004 eröffneten Szenelokals "cincsentits" im Stadtteil Eixample, führt die Revolution des legendären Ferran Adrià fort. Seine Bilanz 2007: 16 Volkenborn-Punkte und Platz 112 in Spanien, ERR Rang 1205.
Der Newcomer in der quirligen Restaurantszene Barcelonas ist kanadisch-katalanischer Herkunft und war ursprünglich im IT-Marketing beschäftigt, bevor er Palm und Laptop gegen die Kochmütze tauschte. Das Kochen hat er von seiner Mutter Roser gelernt, die nun für die Verwaltung des Restaurants verantwortlich zeichnet, und dann in der Kochschule Hoffman und diversen Michelinsternrestaurants in Frankreich perfektioniert. Dritte im familiären Bunde ist Jordis Schwester Amelia, die die Sommeliere gibt und den Schwerpunkt auf aufstrebende spanische Regionen und kleine Bodegas legt und so kleine Juwele offeriert, denen man sonst nie begegnet wäre.
Die maximal 35 Gäste im clean eingerichteten schlauchförmigen Lokal erleben ein wahres Feuerwerk der Sinne, wenn sie das 8-Gänge-Degustationsmenü ordern.
Angefangen mit einem welcome-shot aus Ahornsirup, Creme, Zabaione und Salzkristallen über Jakobsmuschel mit Schinkenchips und Röstzwiebelmarinade, foie gras mit Caramelkruste............beim Schreiben läuft mir schon wieder das Wasser im Munde zusammen.
Entsprechend der Philosphie der Besitzer gibt es nur kleine Häppchen, damit sich der Gaumen gar nicht zu langweilen beginnen kann und mit jedem Bissen aufs Neue überrascht wird. Besonderen Wert wird auf die Qualität der Zutaten gelegt: die Meerestiere werden jeden Nachmittag frisch von der nahen Küste angeliefert, die Ferkel für das 24h-gegarte "suckling pig" stammen von einer kleinen Farm in Segovia, die Eier von glücklichen Freilaufhühnern und die benötigten Kräuter werden selbst angebaut.
Zusammenfassend ist das cincsentits ein aufstrebendes Restaurant mit hervorragender Autorenküche, von dem man in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch hören wird. Dass das Essen in solch einem Etablissement eben auch seinen Preis hat, ist selbstverständlich. Aber: Genießen - man lebt nur einmal.

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