Kompliment
Dominique (30.11.2007)
Bahnhofsrestaurant. Eine Vorurteil aus Mitropa-Geschirr, eiligen Bürofachangestellten, fettigen Pizzazungen, genuschelten Lautsprecherdurchsagen und Coffee-to-go-Pappbechern entblättert sich vor meinem inneren Auge. Ich will nicht am Bahnhof essen.
Im Inneren zerfließen die Bilder in meinem Kopf und werden zu einem richtigen, echten Restaurant. Mit einer anspruchsvollen Karte, freundlich-souveränem Servicepersonal, Kamin, schweren Holztischen (dunkel) und bahnhofsuntypischer Atmosphäre. Der Weihnachtsfeier-Belastungstest ließ ausschließlich zufriedene Geschmacksnerven zurück.
Endlich verstehe ich den tieferen Sinn, warum die S-Bahn nur alle 40 Minuten von Strausberg-Nord ablegen darf. Es ist der ideale Takt, der eine Menüfolge fasst. Aussteigen, reingehen, essen, rausgehen, einsteigen, Türen schließen und los. Genießer lassen dann aber noch eine Bahn fahren und bestellen ein weiteres Glas Erdbeersaft oder eines der fünf internationalen Wassersorten, die zur Freude des Internationalen Hydrologischen Instituts im Angebot sind.
Wen angesichts der reichlichen Portionen die Trägheit überkommt, der kann in einem der Gästezimmer unter der verzauberten Bahnhofsuhr übernachten. Oder ein Fahrrad leihen und nach Stadtstelle radeln (oder sonstwohin, denn an Zielen mangelt es hier gewiss nicht).
Doch es kommt am Ende wie es an einem Endbahnhof in Strausberg kommen muss (munkeln schon jetzt, kurz nach Eröffnung, die Panikmacher): Das Gasthof wird sich nicht halten. Es ist eben kein Billig-Italiener. Schön, sage ich. Es ist aber eben auch kein Bahnhofsrestaurant. Und das ist mehr als manch' andere Lokalität ohne Schienenanschluss von sich sagen kann.
Stichworte
restaurant, hotel, fahrrad, bahnhof, s-bahn, endstation, strausberg
Kommentare (7)
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