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Benutzerfoto: zuja

zuja

Kompliment zuja (20.05.2008) ••••

Das “Angelina“ unweit des Place de la Concord ist eine alte Institution.
Sicher touristisch, was zur falschen Zeit bedeutet, sich in eine Schlange kamerabewaffneter Nichtfranzosen einreihen zu dürfen.
Parisienne ziehen weiter oder kommen später wieder.

Im hinteren Teil des Salons stehen links- und rechtsseitig weiß eingedeckte Tische, tagsüber wird einfache Bistroküche serviert, also Sandwiches, Suppen und Salate.
In der Mitte des Raumes sitzen an kleinen runden Zweiertischen einzelne Franzosen, Pastis trinkend und zeitungslesend, in Gespräche vertiefte Mütter-Töchter Kombinationen oder touristische Pärchen, aufmerksam Karte und Treiben sondierend.

Zur Nachmittagszeit ist das Angelina nicht etwa für belegte Brote gut besucht, sondern mehr für die besonders dickflüssige, intensive Trinkschokolade, aufgetischt in einer höchst altmodischen Porzellankanne mit extra Schlagsahne.
Noch viel spektakulärer ist der legendäre “Mont Blanc“, ein Dessert aus gezuckerter Maronencreme.
Durch eine Presse gedrückt, wird dieser in einer kleinen Papiermanschette, ähnlich einer, allerdings nicht ganz runden Rumkugel kredenzt. Um dem Namen gerecht zu werden, weiß eingeschneit unter einer dicken Schicht Staubzucker.

Das Ambiente ist unglaublich barocken, nein eher rokokös.
Durcheinander modern und antik, konsequent merkwürdig pompös.
Das Licht ist kerzenlichtfarben goldgelb und indirekt, die Wände mit Spiegeln und riesige Ölgemälden behangen. Die teilweise barocken Sitze sind mit Lederpolstern bezogen und in der Mitte finden sich an Marmortischen geflochtene Sessel und Thonetstühle im klassischen Kaffeehausambiente.

Man sitzt hier definitiv in einer anderen Welt, einer Welt welcher der romantischen Erwartung eines Japaners an Paris entsprechen dürfte. Aber auch für Europäer lässt sich das Nichtalltägliche gut genießen.
Gerade durch die hier herrschenden Geschäftigkeit, den eilig kellnerndem Servicepersonal, dem alles andere als reduziertem, eher ablenkendem Ambiente, kann sich der Einzelne unbeobachetet in Ruhe gelassen fühlen.
Als Teilchen im Trubel sozusagen.

Der Service ist aufmerksam, es gibt viel zu sehen, die Atmosphäre ist entspannt und locker.
So wird ein einfacher, gemischter Blattsalat im Angelina mit frischen Artischocken und Foi gras, Avocado, Bohnen und Lachs natürlich zu etwas Besonderem- kommt aber glücklicherweise rustikal angerichtet in einer tiefen, weißen Schüssel daher.
Serviert mit einer einfachen Scheibe geröstetem Toastbrot nebendran und separatem Dressingtöpfchen fühlt man sich, wie selbstverständlich, trotz der schweren Bestecke, weißen Tischdecken, trotz des Stucks, der Ölgemälde und Teppichböden absolut ungezwungen.

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Beliebte Stichworte: mont_blanc, rokoko, trinkschokolade

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