Kompliment
Matthias16 (06.12.2007)
Wahrscheinlich eines der unterschätzteren Museen in Rom: Es liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums (man muß von der Metrostation Flaminio noch ein Stück laufen) und es ist auch von den Interessen her scheinbar etwas abgelegen: Wenn ich nach Rom fahre, will ja schließlich etwas von den Römern wissen, oder?
Und damit sind wir auch schon bei den Stärken des Museums: Punkt Eins (den man nach den ersten bekannten Museen zu schätzen lernt): Es hat Platz, im Vergleich zu den meisten anderen Museen, jede Menge Platz. Man kann an die Vitrinen rangehen, um sich Details anzuschauen. Man kann sich in Ruhe die Tafeln mit den Erklärungen durchlesen. Man kann noch einmal 2 Räume zurückgehen, wenn man glaubt, eine Verbindung zu einem früheren Exponat gefunden zu haben, denn es hat Platz (zugegeben, an dem Tag an dem wir dort waren, gab es auch keine Schulklassen, aber das Risiko geht man in jedem Museum ein).
Punkt Zwei: Es ist ja nicht so, als ob die Römer das Rad erfunden hätten - im Gegenteil: Einen Gutteil der "typisch römischen" Errungenschaften hatte sie ursprünglich von den Etruskern übernommen. Deshalb heißt ein Besuch in der Villa Giulia auch nicht "ich schau mir das statt des Römischen an", sondern "ich schau mir die Vorbilder der Römer an" - und das gibt es mehr als genug zu sehen, sind doch viele der "großen" Etruskerfunde aus Latium (und z.T. darüberhinaus) nach Rom in die Villa Giulia gewandert: Der Merkur und der Herkules von Veji, der Sarkophag der Vermählten aus Caere, die Goldtafeln aus den Tempeln von Pyrgi und vieles mehr.
Neben den vielen kleinen Fundsachen findet sich in einem der Höfe die Rekonstruktion eines etruskischen Tempels, damit man sich besser vorstellen kann, wo die einzelnen Figuren, Reliefs und Zierblenden ursprünglich angebracht waren.
Last, but noch least soll auch die Villa Giulia selbst nicht vergessen werden: Sie wurde in den fünfziger Jahren (des 16. Jahrhunderts) von Papst Julius III. als Sommerpalast vor den Toren Rom erbaut und auch wenn das "vor den Toren" heute nicht mehr ganz stimmt, merkt man der Villa doch noch deutlich das Sommerfrische an, mit seiner Kombiniation aus hellen Flügeln und schattigen Gärte und im Zentrum der Anlage einem Nymphäum, dessen angenehme Kühle allein im Sommer eine Besuch der Villa Giulia lohnen würde.
Stichworte
museum, kunst, archäologie, etrusker, etruschi
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