von ekkleh
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IC/EC 30 Basel SBB – Hamburg Altona
Stadtmitte, Düsseldorf
- Adresse:
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Konrad-Adenauer-Platz 14, HBF Düsseldorf, 40210 Düsseldorf
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2 Beiträge zum Platz "IC/EC 30 Basel SBB – Hamburg Altona" auf Deutsch
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2002/2003 wurden in Deutschland die zuschlagfreien InterRegio-Züge abgeschafft und von Düsseldorf nach Norden fährt man nun mit einem veritablen IC oder EC. Zuschlagpflichtig aber im Takt, meist im Zweistundentakt. Auch die D-Züge – die ehemaligen Schnellzüge –, die FernExpress- und die UrlaubsExpress-Züge gibt es so nicht mehr. Das ist auch gut so, meint zumindest Herr Mehdorn und die Strecke Düsseldorf – Duisburg – Essen – Dortmund – Münster (Westf) – Bremen – Hamburg, manchmal sogar bis Westerland auf Sylt, ist für mich sowieso schön. Ja geradezu so schön wie ein Reisebilderbuch. Ich mag das bizarre Ruhrgebiet und die weiten Flächen Norddeutschlands. Deshalb sitze ich immer im Speisewagen, dem Bordbistro, mit den großen Fenstern und den Damenkegelklubs. Und denken Sie nicht, mich störte der Zuschlag. Der ärgert nur bei kurzen Strecken.
Anfangs fährt man durchs Ruhrgebiet und seitdem ich in Deutschland wohne, liebe ich den Ruhrpott. Seine so arg malträtierte Landschaft und seine so unvergleichlich starken Menschen. Mit ihren Problemen, dem Strukturwandel und den daraus resultierenden sozialen Schwierigkeiten. Ich mag die Fußballclubs, die Frittenbuden, auch die stillgelegten Zechen, Gasometer und Stahlwerke mit oft neuer, kultureller Bestimmung. Selbst die meist stillgelegten Steinkohleabbaugebiete, die schon ab 1370 entdeckt wurden und nun immer mehr zu Naherholungsgebieten mit Baggersee werden. Die mächtigen Fördertürme und Hochöfen gibt es meist nicht mehr, aber einige Bergmannssiedlungen aus der Zeit der industriellen Revolution. Die Industriedenkmäler, also die Fördertürme, Gasometer, Hochöfen und Kohlebunker sind aber noch gut konserviert. In Form von prächtigen Schwarz-Weiß-Ablichtungen von Bernd und Hilla Becher. Das Künstlerpaar, denn Fotografie ist bei ihnen wahre Kunst, arbeitete seit den Siebziger Jahren bis zum Tode von Bernd Becher 2007 unentwegt daran, diese schönen Industriebauten für die Nachwelt zu dokumentieren.
Vom Zug aus sieht man aber auch die kleinen Biotope. Haben Sie sich schon mal überlegt, dass das Repräsentative und Uniforme von Häusern immer zur Straße hin zeigt und zum Bahngleis hin nur das Individuelle in Form von Balkonen und Hinterhöfen? Mit Versuchen der Grünansiedlung, trocknender Wäsche, Satellitenschüsseln und Windrädchen. Auch Schrebergärten werden meist der Bahnlinie entlang angesiedelt, auf Parzellen, die sonst keiner haben will. So sieht man also Gemüsebeete, Kinderschaukeln, Grillplätze und Saufsitzplätze von Duisburg über Essen bis Dortmund. Bisweilen. Und nachts blick man in die von TV-Geräten bläulich erleuchteten Wohnzimmer. Bisweilen.
Die sehr bürgerliche aber auch studentische Stadt Münster ist so eine Art „point of no return“. Es ist die letzte großstädtische Ansiedlung für lange Zeit und von nun an wird alles flacher, leerer und einsamer. Es gibt kein Zurück mehr zum Lärm der Zivilisation und Sie werden von einer unsagbar schönen Ruhe gefangen. Nun lohnt es, sich zurückzulehnen, die vorbeirauschende Landschaft sinnlos zu fixieren und nichts mehr zu denken. Vertrauen Sie mir, es ist sensationell. Natürlich gibt es was zu entdecken: tief liegende Horizonte, prächtige Grasflächen, fruchtbare Äcker und trennende Hecken. Ab und zu ein Hochstand. Auch Vieh, Kühe, oft Schafe und auch Pferde. Und über allem spannt sich ein prächtiger Himmel, der Ihnen zuliebe auch schon mal variieren kann. Jahreszeitlich, tageszeitlich und auch der Wetterlage entsprechend. Ist man Frühaufsteher, kann es schon mal sein, dass Nebelbänke breit und undurchdringbar über der Landschaft liegen. Nicht immer, aber bisweilen. Dies ist natürlich ausgesprochen romantisch, aber vor nicht langer Zeit ging der Pferdeschlächter um in Norddeutschland. Dieses grauenvolle Ereignis war ohne Zweifel die Inspirationsquelle von Krimis und TV-Schoten. Aber es hat ihn gegeben, diesen verwirrten Unhold, der im Nebel kam und sich an den arglosen Unpaarhufern zu schaffen machte.
Nach diesem Schock haben Sie sich etwas Fröhliches verdient: Windrädchen. Gerade gegen die Küste hin, wo der Wind stetig weht, gibt es schlanke Masten mit mehrflügeligen Rotoren, die Windenergie in Rotationsenergie verwandeln und kostbaren Strom erzeugen. Seit 1983 mit dem Growian bräuchte ich Ihnen eigentlich nichts mehr darüber zu erzählen, aber mittlerweile gibt es moderne Windparks. So stehen sie also, die schlanken Masten, in Reihen oder zufällig ausgerichtet. Von der Bahntrasse aus gut zu sehen. Sollte es Ihnen nun einfallen zu behaupten, es wäre Landschaftsverschandelung, darf ich Sie an die Windmühlen Hollands erinnern. Die empfindet der ordinäre Niederländer so schön, dass er sie auf Gemälde und Delfter Kacheln bannte. Außerdem ist Gorleben nicht vergessen.
Wir nähern uns Bremen, der quicklebendigen und traditionsreichen Hansestadt mit dem schönen Rathausplatz. Jetzt verlasse ich Sie dummerweise. Es war nett, mit Ihnen parliert zu haben. Aber meine Visitenkarten habe ich heute vergessen. Vielleicht sehen wir uns mal wieder. Ganz bestimmt sogar. Kommen Sie gut an die Elbe oder geht’s weiter?
P. S. Das Ruhrgebiet ist natürlich aus der Sicht von Bernd und Hilla Becher besonders fantastisch. Deswegen hier der Link zu artnet:
http://www.artnet.de/artist/2179/bernd-and-hilla-becher.html
Die restlichen Fotos der Reise entnehmen Sie bitte meiner Krims-Krams-Kiste im Bildanhang.
Kommentieren 31 Kommentare zu diesem Beitrag Alle anzeigen
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ottogang, 8 Dezember 2007: Wenn diese Fotos aus Deiner Krims-Krams Kiste kommen, was wäre dann in Deinem Fotoalbum(das ja offensichtlich nicht gibt, zu finden.
Ein sehr schönes Stimmungsbild, textlich und bildlich. -
Lenz, 8 Dezember 2007: Lieber ottogang, die Fotos stammen alle nicht von dieser einen Zugfahrt, sondern aus meinem Fundus, den ich dringend mal ordnen muss. Aber thematisch gehen sie. Danke für deinen netten Kommentar.
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zuja, 8 Dezember 2007: Die Fahrt Hamburg-Altona bis Köln bin ich eine Zeit lang sehr regelmäßig gefahren.
Diesen deinen Blick aus dem Fenster, den du so treffend beschreibt, kenne ich!
Hinzu kommt allerdings bei mir, dass sowohl wenn die Bahn in Köln über den Rhein als auch vor Hamburg über die Elbbrücken reinfährt, in beiden Momenten unglaubliche Gefühle hochkommen.
Deine Strecke liegt genau zwischen diesen rührenden Momenten. -
Lenz, 8 Dezember 2007: @musensohn, ja so isses. Danke für den netten Kommentar.
@zuja, ich kenne das Glücksgefühl nur von der Kölner Brücke mit den Reiterstandbildern her. Nämlich dann, wenn wieder mal ein Job erledigt ist und ich gen Düsseldorf schunkle. -
musicafides, 8 Dezember 2007: Mir ist fast so, als wäre ich mitgefahren. Leider habe ich lange Bahnfahrten eher selten. Aber ich finde es gut, auch über solche "beweglichen" Orte lesen zu können. Aber warum gerade die Verortung in Düsseldorf?
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musicafides, 8 Dezember 2007: Ach, da habe ich mal wieder nur mit halbem Verstand gelesen. Düsseldorf ist ja der Startpunkt der Reise, na klar. Bitte meinen Lapsus zu entschuldigen.
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Lenz, 8 Dezember 2007: Ja, lieber Matthias, ist auch etwas unklar. In diesem Fall bin ich von Düsseldorf gen Bremen geschunkelt (wo hab ich denn das heute her? Seltsam).
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margie, 8 Dezember 2007: Auch hier bricht der Schweizer durch, diese Begeisterung für das unfertige, unperfekte (kann man das sagen). Kenn ich gut, geht mir als Wndelnde zwischen beiden Welten oft auch so. Als Gegenstück sollte man mal eine Fahrt von St. Gallen nach Genf beschreiben, ein Blick in die Schweizer Märklin Welt, wie man sie ja auch in Hamburg in der Miniaturwelt sehen kann.
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Liesl, 9 Dezember 2007: Ich halt mich an die tiefliegenden Horizonte, wie blöd, da läuft Regen die Scheibe lang.
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Lenz, 9 Dezember 2007: @margie, Schweiz und unfertig, unperfekt? Und der auf den Punkt gereifte Käse und die Chronometer?
@Liesl, dass du ein Fan von tief liegenden Horizonten bist erstaunt mich doch. Neulich warst du noch einer der Alpen. Respektive der Jodler. -
Liesl, 9 Dezember 2007: La donna è mobile, und nicht zu knapp, qual piuma al vento
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Liesl, 9 Dezember 2007: Inzwischen bin ich auch noch ein Fan deiner Bildunterschriftenpoesie geworden, ein glühender!
Nur dass dir die Chemtrails auf den Fotos nicht aufgefallen sein sollten, wundert mich. Du hast sie doch mit eigenen Augen gesehn. Oder sind es doch nur relativ harmlose Contrails? -
ottogang, 9 Dezember 2007: Ich möchte mich gern Liesl anschliessen, die Bildunterschriften sind absolut gelungen und mein Lieblingsfoto ist mit der Unterschrift Caspar David, einfach ein Genuß.
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Liesl, 9 Dezember 2007: Ottogang, stört dich eigentlich die Oberleitung? Lenz will es wissen. Mich stört sie nicht.
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ottogang, 9 Dezember 2007: Überhaupt nicht, ohne diesen fragenden Hinweis hätte ich es glatt übersehen, für mich sind die untergehende Sonne und die Bäume das Bestimmende.
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Lenz, 9 Dezember 2007: @Liesl, großartig. Dass du wankelmütig wie eine Feder im Wind bist, macht dich symphatisch. Immer auf schnöden Dingen verharren ist langweilig. Jololodiu. Aber die Chemtrails? Leider habe ich mich nur auf die Oberleitungen konzentriert, mit den Bildunterschriften. Jetzt bin ich durcheinander: Verdi oder Caspar David? Beide! Verstehe das wer will. Danke.
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hotzenplotz, 10 Dezember 2007: Warum bist Du raus in Bremen, Lenz?
Das Beste kam doch erst noch.. -
Lenz, 10 Dezember 2007: Wegen der Bremer Stadtmusikanten. Und in der Musikszene Hamburg kenne ich mich nicht aus. Aber das nächste Mal fahre ich direkt ins Nil weiter.
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ottogang, 10 Dezember 2007: Da wäre ich gern dabei, erst eine genußvolle Bahnfahrt durch deutsche Lande und als krönender Abschluß ein Nil-Genuß-Abend in Hamburg.
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hotzenplotz, 10 Dezember 2007: Ich meinte eigentlich unsere hübsche Kleinstadt als solche.
Die Stadtmusikanten kann ich nachvollziehen. Verdi gibt man hier aber auch gelegentlich. -
Lenz, 10 Dezember 2007: @ottogang, da gibt es nur eines: Wir nehmen die Mädels unter den Arm, kaufen eine Gruppenkarte und besuchen Hotz.
@hotzenplotz, Verdi hin oder her. Falls das Lokal ebenerdig ist, können wir gleich reinfahren. Herr Mehdorn lässt bestimmt ein Gleis legen. Und vielleicht auch eins für eine Stadtrundfahrt mit der DB.
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mostro, 12 Dezember 2007: Ja, die Weiten hinter Münster - das ist pure Wahrheit! Aber am Ende wartet Hamburg als bunter Kontrast... (Hotz hat ja schon vorgearbeitet...)
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meme, 13 Dezember 2007: Münster - der "point of no return" - da muß ich aber mal ganz heftig schlucken - so schlimm ??
Übrigens geben die Oberleitungen den Fotos in einigen Fällen erst den richtigen Kick.
Mir fehlen weitere Worte - passend zur flachen leeren einsamen unzivilisierten Landschaft, deren Kind ich bin ;-)) - aber ein bißchen Recht hast Du doch !! -
Lenz, 13 Dezember 2007: @meme, ich mag diese Landschaft ganz besonders. Es ist so, wie wenn man in eine wunderbare Welt taucht aus der es kein Zurück gibt. "Love, Devotion, Surrender" (John McLaughlin).
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meme, 13 Dezember 2007: so gesehen ...... akzeptiert.
Übrigens "schlägt" das Münsterland zurück. Der Steinfurter Klaus Uhlenbrock - bekannt durch seine Münsterland-Krimis - hat einen Krimi, den er in seiner Schweizer Zeit geschrieben hat, überarbeitet und als Buch herausgebracht (nach Meinung von Bekannten und Lektorin eines seiner, oder sogar das Beste, das er bisher geschrieben hat). "Der Lingwurm" spielt im Oberwalis und wird dort auch in einigen Buchhandlungen erhältlich sein. Ist jetzt keine Schleichwerbung - muß nur ein wenig punkten für unser kleines Münsterländle. -
Lenz, 14 Dezember 2007: Jawoll, gut so. Der "Lingwurm" ist wahrscheinlich Oberwalliser Sprache, eine Sprache, die an das mittelalterliche Deutsch erinnert, und wird wohl "Lindwurm" heißen. Im Unterwallis sprechen sie dann Französisch, auch etwas altmeisterlich. Aber zurück ins Münsterland.
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meme, 14 Dezember 2007: Richtig - Grundlage ist eine alte Sage aus dem Wallis (habe mich vom Zeitungslektor doch tatsächlich zu Walis verleiten lassen), sie spielt an einem See oberhalb von Zermatt.
Ist übrigens doch schön, dass Du unser kleines Ländle immer mal wieder in Deine wunderbaren Beiträge einfließen läßt - besonderen Dank für Deine schon fast meditativen Bilder. -
Lenz, 14 Dezember 2007: Am Wallis gemessen ist dein "kleines Ländle" aber ganz schön groß. Und so gibt es doch auch viel darüber zu erzählen.
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SimpleMinder, 19 Dezember 2007: Toll!
Ich wußte gar nicht, daß Du Drehbücher für Dokumentarfilme schreibst; Geschweige denn, daß es sowas gibt!
Wieder mal ein klassischer Lenz! -
Lenz, 19 Dezember 2007: Also, meine Drehbücher sind bis jetzt alle abgelehnt worden. Das letzte (und zweite) von Arte. War auch zu blöd, eine Sitcom für einen Kulturkanal. Aber das war ja anders gemeint, SimpleMinder. Danke für den netten Kommentar.
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meme, 20 Dezember 2007: Schade - bleib am Ball. Ich will unbedingt mal einen echten Lenz SEHEN !!!
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