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Benutzerfoto: mdh

mdh

Kompliment mdh (03.05.2008) 5

Im äußersten Süden des Landes, etwa 280 km von Assuan entfernt, liegt Abu Simbel. Hier befindet sich das großartigste Bauwerk Ägyptens, der Felsentempel Ramses II. und der Tempel seiner Frau Nefertari, welcher der Liebesgöttin Hathor geweiht ist.
Wer in Ägypten weilt, sollte unbedingt die lange Anfahrt durch die Wüste auf sich nehmen um die in Fels gehauene Tempelanlage im südlichsten Nubien zu sehen.
Mitten in der Nacht – ich glaube, es war 03:00 - musste unsere Reisegruppe in den Bus steigen um die Wüstentour und vor allem die Besichtigung der Tempelanlage zu erträglichen Temperaturen genießen zu können.
Und da aus Sicherheitsgründen nur Konvois die Wüstentour antreten durften, sammelten wir uns an einem Platz in Assuan. Wir hatten Glück, an diesem Tag waren nur ca. 35 Busse vor Ort. Normalerweise starten 40-45 Busse jeden Morgen gemeinsam, was natürlich auch bedeutet: endlose Schlangen vor dem Eingang zur Anlage und vor allem natürlich, eine enorme Menschenmenge, die das Monument belagert.
Unsere Fahrt durch die Wüste verlief ruhig. Wir passierten sämtliche Kontrollpunkte unproblematisch, die beiden Sicherheitspolizisten in unserem Bus schliefen tief und fest – erwähnte ich nicht bereits in einem anderen Beitrag, dass die Sicherheitsmaßnahmen vermutlich nur dem Sicherheitsempfinden der Touristen dienen sollen….
Auf unserer Fahrt konnten wir einen wundervollen Sonnenaufgang in der Wüste betrachten und zu fortgeschrittener Stunde berichtet unser Reiseleiter uns von den Maßnahmen zur Nutzbarmachung der Wüste.
Kanäle durchziehen die Sahara und größere Hügel aus Nilschlamm türmen sich auf. Vereinzelte kleine Ansiedlungen, die wie Oasen im Sandmeer liegen, begleiten uns auf unserem Weg an die Grenze zum Sudan.
Gegen 7h ist es dann soweit. Unser Bus erreicht gemeinsam mit den anderen Abu Simbel.
Unter den ägyptischen Pharaonen nimmt Ramses II. als Baumeister den 1. Rang ein und eins seiner monumentalsten Bauwerke erhebt sich jetzt gigantisch vor uns. Ramses II. regierte 1279 bis 1213v. Chr.
Vor dem Eingang des 33m hohen „Großen Tempels“ sitzen paarweise vier 18m hohe Sitzstatuen. Als im Jahr 1813 der Tempel durch den Schweizer Burckhardt wiederentdeckt wurde war er so hoch mit Sand verweht, dass man auch Jahre später noch nicht wusste, ob die Stauen stehen oder sitzen.
Der Tempel ist so ausgerichtet gewesen, dass genau zur Tag- und Nachtgleiche am 22. Februar und am 22. Oktober (Geburts- und Krönungstag) die Strahlen der aufgehenden Sonne in den Eingang und 60m tief im Felsen genau drei der vier im Heiligtum sitzenden Götterbilder anstrahlt.
Nicht angestrahlt wird Ptah, der Gott der Unterwelt! Phantastisch!
Durch die Versetzung des Tempels haben sich die Zeiten bedauerlicher Weise auf den 21. Februar und den 21. Oktober verschoben.
Über eine Treppe mit begleitender Rampe betritt man die Terrasse mit ihren Kolossalstatuen. Durchschreitet man das Portal, findet man sich in der Säulenhalle an deren zweireihigen Säulen sich 10m hohe Osirisgestalten befinden. An den Wänden finden sich kunstvolle Reliefs aus dem Feldzug gegen die Hethiter.
Die Nebenräume dienten einstmals als Vorrats- und Schatzkammern.
Im Anschluss an die Säulenhalle liegt eine zweite dreischiffige Halle sowie ein Querhalle.
Im Allerheiligsten, das nur der König betreten durfte, finden sich die überlebensgroßen Götterstatuen des Ptah, des Amun-Re, des Königs selbst sowie des Re-Harachte.
Mit der Schaffung seines eigenen Heiligtums vollzog Ramses II. den Schritt, sich den Göttern gleichzustellen.

Vom Tempelvorplatz gelangte man nördlich durch ein Tor zum „Kleinen Tempel“, der Nefertari welcher der Göttin Hathor geweiht war.
Ursprünglich war der Kleine Tempel zum Großen durch ein Tal getrennt, einen Vorplatz hatte der Hathortempel zu Ramses II. Zeiten nicht.
Nefertari, die vergöttlichte Gemahlin Ramses II. kam zur Einweihung der beiden Tempel im 24. Amtsjahr 1256/55 v. Chr. nach Abu Simbel und verstarb im Jahr darauf.
So hat sie sich mit ihrem Gemahl Ramses II. noch in seinem größten Werk vereint gesehen.

Umsetzung des Tempels
Mit dem Bau des Assuan-Hochdamms, trat eine Bedrohung für das monumentale Kulturdenkmal ein. Die Anlage der Felsentempel drohte in den Fluten des Nassersees zu verschwinden.
Die UNESCO leitete eine Rettungsaktion unglaublichen Ausmaßes ein.
Viele Vorschläge wurden gemacht. Darunter auch den Bau eines riesigen, gläsernen Aquariums, zu dem die Besucher mit Gondeln gelangen konnten.
Ein Franzose schlug vor, den gesamten Tempel aus dem Felsen herauszuschneiden, ihn auf ein vorbereitetes Betonplateau zu setzen und mit Hilfe hydraulischer Pressen ihn anzuheben und an den neuen ausgewählten Standort zu verbringen. Diese attraktivste Idee scheiterte allerdings an den immensen Kosten.
Für die insgesamt 310 000t Tempelmasse wären rund 535 Pressen erforderlich gewesen.
Die Zeit wurde knapp und so folgte man dem Vorschlag des ägyptischen Bildhauers Ahmad Osman, den Tempel in Blöcke zu zersägen, zu nummerieren, und oberhalb neu aufzubauen.
1964 wurde mit den Arbeiten begonnen, im Sommer 1968 wurden sie fertiggestellt!
Über den Ablauf der Arbeiten gibt es im Zugangsbereich der Anlage eine äußerst interessante Foto-Textdokumentation!

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Benutzerfoto: ArnieQ

ArnieQ

Kompliment ArnieQ (16.12.2007) 5

Selten etwas gesehen, was mich so von den Socken haute. Und ich bin schon viel rumgekommen...

Langsam, ganz langsam nähert sich das Schiff mit passender Musik aus den Decklautsprechern dem Felsentempel von Abu Simbel. Erst ganz klein, dann immer größer werdend nähern sich die vier Kolossalstatuen Ramses' II und werden größer... und größer... und größer. Absoluter Gänsehautfaktor.

Da war es klar, dass ich nach dem Anliegen etwas jibbelig wurde, dort endlich reinzudürfen. Leider darf man innen nicht fotografieren, daher jetzt eine etwas längere Beschreibung:

Wenn man - nachdem die Spucke schon draußen weggeblieben ist - sich wieder etwas gesammelt und den Felsentempel betreten hat, dann bleibt sie einem gleich nochmals weg: Weitere Kolossalstatuen säumen den Gang der Vorhalle zum Vorraum. Alle Reliefs sind phantastisch erhalten und illuminiert, was erneut Gänsehaut auslöst.

Im nächsten Raum geht es weiter: Phantastische Szenen aus dem Leben und Nach-dem-Leben des Erbauers Ramses II.

Schließlich das Allerheiligste: Vier kleine Statuen der Götter Ramses II (als Gott im Leben und nach dem Tod verehrt), Re-Horakhte, Amun-Re und Ptah.

Haltet Euch fest: Die Ägypter haben den Tempel so ausgerichtet, dass das Licht der aufgehenden Sonne jeweils zweimal im Jahr im April und Oktober direkt in das Allerheiligste scheint und die Statuen außer Ptah erhellt. Ptah war u. a. auch der Gott der Dunkelheit und brauchte daher kein Licht.

Wie präzise ist das denn? Und hey, das war vor 3.500 Jahren!

Ganz nebenbei steht da auch noch ein zweiter wunderschöner Tempel, den Ramses II seiner Lieblingsfrau Nefertari (heißt: Die Schönste aller Schönen) erbaut und der Göttin Hathor geweiht hat. Auch dieser Tempel ist einfach grandios.

In einer weltweiten Aktion der UNESCO wurden die Tempel von Abu Simbel 1961 - 1964 ebenfalls vor dem Stausee gerettet und um ca. 30 m "nach oben" verpflanzt. Samt Berg. Inkl. der Erhaltung des "Sonnenwunders". Nochmals Respekt!

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen kann man abends die Tempel im Rahmen eine Ton- und Lichtshow wundervoll illuminiert bestaunen.

Hin da. Anschauen. Und hin und weg sein.

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Beliebte Stichworte: ägypten, hathor, hieroglyphen, nefertari, reliefs

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