Kompliment
Dominique (17.12.2007) •••••4
Als Kind bin ich jeden Wintermorgen, kaum hatte ich die Augen aufgeschlagen, zum Fenster gestürmt. Hat es geschneit? Kann ich Schlittschuhlaufen gehen? Oft musste ich lange warten, bis zum Januar manchmal, bevor ich auf den zugefrorenen märkischen Seen mit den hohl geschliffenen Kufen kleine Furchen in die spiegelglatte Eisfläche schneiden konnte.
Heute ist das einfach. Ich gehe zum Bebelplatz, wo eine 700 Quadratmeter große Eisbahn an jedem Wintertag stundenweise für die Schlittschuhlust zur Verfügung steht. Einfach so und ganz unkompliziert. Keiner muss hier auf den Kälteeinbruch warten. Dafür ist die Fläche manchmal so voll, dass ich mir doch wieder einen dieser zugefrorenen Tümpel herwünsche, den nur ich und meine Freundin kannten.
In dem kleinen Häuschen an der Bahn kann man Schlittschuhe ausleihen, Kuchen bestellen oder sich den Unterschied zwischen Kirschpunsch und Glühwein erklären lassen. Man kann auch einfach beides probieren oder später auf der Eisfläche besichtigen wie sich die Getränke auf den Gleichgewichtssinn auswirken.
Das Publikum ist gemischt. Viele rutschen unbeholfen über das Eis, andere drehen elegante Pirouetten zur Musik: Verliebte Pärchen schlittern Hand in Hand im Kreis, Kinder machen ihre ersten Schritte auf den Kufen, ein Ehepaar rutscht Arm in Arm im Schneckentempo übers Eis während einige Halbstarke ihre Coolness über die Bahn wuchten. Der olympische Gedanke hat Vorfahrt.
Eine Stunde kostet 3 Euro. Früher, auf den märkischen Seen, war es natürlich kostenlos. Dafür konnte ich vorher nie wissen, wann und wie oft mir der Winter endlich eine tragende Eisfläche schenken würde. Heute ist das Eis bis 6. Januar 2008 immer da, es trägt und lässt mich an Schneegestöber und kitschige Kinofilme denken. Hach, schön!
Stichworte
berlin, winter, weihnachten, eisbahn, schlittschuh, bebelplatz
Kommentare (6)
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