WAS FRAUEN SO WÜNSCHEN
Wenn ich das mal genau wüsste. Ich meine abgesehen von Männlichkeit, Standhaftigkeit, Ausdauer, Einfühlungsvermögen und Treue...fällt mir dann kaum noch was ein zu diesem Thema. Da ich es nun selbst gewählt habe, muss ich wohl durch. Ja Leute, scharffenberg ist sich keiner Schandtat zu schade, beißt gern in vergiftete Äpfel und berührt, schonungslos, heiß geladene Stromzäune. Immer wissend, dass Spannung das einzige Mittel ist, Langeweile zu bekämpfen. Und für seine Liebste würde er sogar eine heiße Nuss mit dem Hintern knacken. Aber soweit will ich es gar nicht erst kommen lassen.
Der Geburtstag der Liebsten stand an, diese jedoch hatte sich dem Termin durch erholsame Abwesenheit entzogen. Weise Frau, die. Dennoch soll jener Tag einen würdigen (wenn auch nachgeholten) Rahmen erhalten. Im Bögen spannen ist scharffenberg ein Meister - Hermes.
Also machte ich mich am heutigen Vormittag auf die Jagd nach einer pässlichen Gabe. Nur das WAS stand noch nicht fest. Zunächst ein Buch, ein Buch, ein Königreich für ein Buch. Was lesen so Frauen, die selber schreiben? scharffenbergs Müll, jaja...aber es gibt auch noch andere Federschwinger auf dem Globus.
Siri Hustveldt beschenkte uns mit gutem, neuen Lesestoff. Und da war dann guter Rat recht billig. Dann aber sollte noch ein zweites Gabenstück das Konto des H.S´berg erleichtern/ausdünnen. An eine Armbanduhr wurde zunächst gedacht. Dann jedoch konstatierend verworfen: Die Liebste trägt gar soetwas nicht. Herrje...dann vielleicht ein smartes Umhängetäschlein? Sollte sie sich mal lieber selber mit der Wahl quälen. Und dann kam es mir: Ein Tuch - ja, ein Tuch. Wo sie doch Tücher so mag. scharffenberg auch...an IHR und an sich.
Karstadt, Wilmersdorfer Straße, nicht Tempelhof...da nahe am Hausverbot.
Sollen die Charlottenburger sich mal mit ihm rumärgern, dem Troll.
Zunächst aber mimte ich den Selbstversorger. Ein weißes Linnenhemd soll mein Leiblein schmücken, wenn ich ihr das Tüchlein und die Siri überreiche. Soviel Anspruch muss sein. Verzichtend auf laute Trompeten und wilden Trommelwirbel verrichtete ich den Hemdkauf. Rein-Raus...zahlen...stöhn!
Dann in die untere Etage...Accessoires. Eines meiner Lieblingswörter...selbst ein Autoscheibenwischblatt ist bei mir ein Accessoire. Schon schlingelte ich mich natternd mit züngelndem Fang an eine, mir opferbereit scheinende, Aktrice: Rothaarig, süße Segelöhrchen und willig wie ein zahmes Eichhörnchen.
Ihr wollt ich meinen Kaufsegen verpassen, soviel stand fest. Geistig schmiegte ich mich fest an ihre willfährige Einlassung. Oh Herr warum versahest du mich mit soviel überflüssigem Charme?
"Ein Tüchlein für die Liebste soll es sein, Madame." Meine Augen klimperten dabei hilflos-bigott. Und Madame fiel prompt darauf herein. "Was für ein Typ ist denn ihre Frau?" "Nicht Frau...Liebste", konterte ich dozierend. Die Differenz liegt immer noch im Ermessen des Betrachters. Ich zeigte ihr brav ein Photo von der Liebsten...sollte sie ruhig bauklötzern.
"Ich dachte da so an indianische Farben", kollerte der Grandmaster des Goetheschen Farbkreises.
Indianische Farben...dass da mal nicht die Hühner lachen. Sie jedoch verstand mich, holte sogleich fröhlig/seidenes herbei. Der scharffenbergsche Bakunin schlug Falten und schaukelte uneins hin und her. Wollte sich nicht anfreunden mit dem Zartgewebten. Blicke schwirrten wie Kolibris über die Ware. Und dann hing es da, ganz augenscheinlich und wie für eine wilde Squaw geklöppelt. Indianische Farben - warm und weich. "Och", stöhnte ich, wie im Taumel eines exorbitanten Vorspiels "Das isses doch."
"Ja", sie, die segelohrige, dennoch liebreizende Aktrice aus dem Abendland, "Das finde ich auch sehr schön - sie haben einen feinen Blick, Monsieur."
Den Monsieur habe ich mir dann dazugedichtet, es hätte gut passen können. Nahm es in die Pranken und begutachte das liebliche Tüchlein meiner - und hoffentlich auch der Liebsten - Begierde.
"Genommen", erleichtert sich mein Herz im Sturzbach der Erfüllung. "Könnten sie es mir denn auch noch verpacken?"
Aktrice verzog das lecker Schnütchen und plissierte die Stirn. "Eigentlich haben wir keinen Packservice - jedoch in der Süßwarenabteilung..."
"Ab einen Kaufwert über 15 Euro." Na da lagen wir gut drüber, und sie zog mich fröhlich hin zum Tisch der Süßwarenabteilung, an der mir dann auffiel, dass ich seit drei Wochen keine Schokolade mehr gegessen hatte. Tat das dann auch - nicht ohne Prise Stolz - lauthals kund, sodaß die gesamte Abteilung ihre Köpfe nach dem Schokoladenverweigerer reckte.
Der Rest ging mir so sehr ans Herz. Mit welcher Sorgfalt sie der Liebsten Tüchlein verhüllte, verband und verschleifte...das Nachspiel zum Vorspiel.
Libidoesk und ein wenig demütig verstummte ich in genießerischer Dankbarkeit. Als sie mir das Bündel übergab, bat sie um Rückmeldung. Ja Beste, wenn die Liebste mich mit samt des Tuches in die Wüste verdammt, werde ich gekrochen kommen - auf allen Vieren - und dich bitten, meine Wolllust an deinen zarten Segelöhrchen abzuknabbern.
Solange aber hauche ich mein intimstes DANKE in die Hallen eines Shopping-Salons, dem ich gern noch den einen oder anderen Besuch abstatten werde. Und wenn es das Letzte ist, was ich in meinem albernen Leben zu tun gedenke.
Fazit: Wunderschön, wenn auch baulich nicht sooo interessant wie Tempelhof...aber ich habe das Tuch und allein darauf kommts an.
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