Kompliment
meme (07.01.2008)
Ich bin wieder schwach geworden. Lange ging es gut, dann kam die Einladung für Freitagabend. Bis zur letzten Minute habe ich gezögert – muß ich das haben ?? Gesiegt hat meine Neugier - also auf nach Rheine zur angesagten Party.
Nein – nicht was Ihr jetzt denkt – kein Karaoke-Abend, auch keine Swinger-Party oder ähnlich unmoralische Geschichten. Eine ganz ordinäre Tupper-Party ist das Ziel meines abendlichen Ausflugs. Als letzter Gast betrete ich das große Wohnzimmer – ein Plätzchen neben dem Freund der Gastgeberin ist noch frei. Ein Mann – und nicht nur einer – ein weiterer junger Mann komplettiert die große Runde von Tupper-Fans aller Altersklassen. Auf einem riesigen Esstisch aufgebaut die neuesten Kreationen der Kunststoff-Künstler aus den USA, daneben werkelt die Tupper-Beraterin an einer neuen Rezept-Idee mit dem „Happy-Snack“. Später werden wir mit Nutella und Haselnüsschen gefüllte Blätterteig-Kügelchen probieren dürfen.
„Happy-Snack“ - wieder so ein Teil, das nach dem unbedingt nötigen Kauf einer eher ungewissen Zukunft in irgendeiner dunklen Schrankecke entgegendämmern wird. Ich habe da schon einige – zum Beispiel die wahlweise mit kaltem oder warmem Wasser zu befüllende Teigrolle. Ich könnte sie vielleicht mal als Verteidigungsobjekt neben das Bett legen – für´s Teigausrollen bevorzuge ich meine alte Holzrolle ohne Griffe, weil die überall gut rollt.
Da ist doch der „Mini-Käsefreund“ ein ganz anderes Kaliber. Genau die richtige Größe für so ein Supermarkt-Käse-Dreieck. Den gönne ich mir, hat er doch die Membran für´s richtige Käseklima. Und dann ist er auch noch ein „besonderes Angebot“, das heißt anstatt 16,90 Euro kostet er heute nur 9,90 Euro. Kann ich da nein sagen - ok, die Farbe ist eher hässlich, aber was soll´s, für 7 Euro Ersparnis kann man schon mal ein Auge zudrücken.
Im Angebot wären auch noch zwei „Naschkätzchen“, der „Walzerkönig“ – Achtung, ganz neu mit kühlbarer Servierplatte – oder ein großes „Eidgenossen“-Set. Nein Lenz – und alle anderen Schweizer unter uns – kein Menschenhandel wird hier betrieben – von wunderbar praktischen Aufbewahrungsdosen für den Küchenschrank ist die Rede – oval, stapelbar, schweizerisch gründlich durchdacht und gut.
Die Beraterin zeigt und erklärt, stöbert in Listen nach Ersatzteilen, nimmt Garantiefälle entgegen. Früher gab es ja lebenslänglich – heute nur noch 30 Jahre. Es ist tatsächlich so – man bekommt fast alles ersetzt, es sei denn, man ist so dusselig und legt die Kunststoffteile auf eine heiße Herdplatte oder direkt auf die Heizspirale der Spülmaschine. Zwischendurch bietet Frau Bus noch die „Tupperware-Children´s Fund“-Aktionsbehälter an. 3 Euro für eine runde Dose – wahlweise mit Gesicht ;-)) – der Erlös wird komplett gespendet, die Gastgeberin bekommt auch keine Sterne dafür.
Die Sterne – ja, ja – meine Gastgeberin hat Glück. Aufgrund der vielen Gäste, die sich alle nicht lumpen lassen und ordentlich bestellen, erreicht sie eine enorme Anzahl dieser Sterne – also einen Super-Umsatz. Sie bekommt nicht nur ein tolles Gastgeberinnen-Geschenk, sondern auch noch mehrere umsatzabhängige Geschenke – und kann sich zum Schluß nach dem Ausrechnen der Sterne noch mal Geschenke für etwa 70 Euro aussuchen. Alle Gäste bekommen zudem als Geschenk einen kleinen „Mini-Bellevue“ als Willkommensgruß. Schon dafür lohnt der Besuch, weil er so „niedlich“ – und in diesem Fall auch ungeheuer praktisch ist.
Wer wie ich ab und zu drüber nachdenkt warum die Tupper-Produkte so teuer sind, muß sich nur den letzten Absatz durchlesen. All das muss bezahlt werden – und letztendlich will auch die Tupper-Beraterin leben von ihrem Verdienst (oder Zuverdienst). Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Produkte wirklich erstklassig sind, durchdacht, haltbar, in den letzten Jahren durchweg schön gestaltet und gefärbt (wenn man von solchen Ausrutschern wie den Venusschalen mal absieht - die schlimme Bonbonniere aus dieser Serie hat man aber schon aus dem Verkehr gezogen). Nun – um zum Schluß zu kommen (dolphin sorry - es wird schon wieder so lang) – ich habe mich also zusammengerissen und nur noch ein klitzekleines Schokoladenkochbuch mit absolut kaloriensündigen Rezepten, einen fehlenden Deckel und meinen „Käsefreund“ bestellt. Bezahlt wird gleich – die Ware kommt in etwa 14 Tagen.
So - jetzt habt Ihr einen kleinen Eindruck von so einer Tupperparty aber keine Adresse – böse, böse – nicht virtuell, aber auch nicht verortet, ich höre schon die Proteste. Also wollen wir dem schnell abhelfen. „Tupperware“ wird ja über viele, viele Beraterinnen unter die Leute gebracht, die wiederum einer Gruppenleiterin unterstehen – und diese einer Bezirksleitung. Die für Steinfurt zuständige Bezirkshandlung wird von der Familie Horn in Münster geleitet. Ein oder zweimal jährlich gibt es dort einen Tag der offenen Tür. Einige Male konnte ich meinen Mann schon überreden, mit mir dorthin zu fahren, allein hätte ich es wohl gar nicht gefunden, liegt etwas abgelegen. Es ist jedes Mal ein Riesen-Auftrieb dort – wider Erwarten sind auch viele Männer unter den Gästen. Alle wollen eintauchen in die Welt der „schönen Müllerinnen“ und „Jungen Wellen“, der „Laibwächter“, „Butterperlen“ und „Zuckerhüte“ – nicht zu vergessen der originalen „Wunderschüsseln“ und „Julchen“.
Für alle gibt es eine freundliche Begrüßung und ein kleines Gastgeschenk – beim letzten Mal für den Herrn eine „Ultra-Plus“ Mini-Auflaufform als Schlüsselanhänger (alternativ auch eine andere Tupper-Rarität) und für die Dame einen Behälter, dessen Verwendungszweck sich mir noch nicht so ganz erschlossen hat. Vielleicht hat jemand ein paar Tips – Foto ist eingestellt.
Im Vorraum gibt es Ausstellungsvitrinen mit den neuesten Produkten, ein Café ist eingerichtet, und in einem großen Saal wird gekocht und gebacken, was das Zeug hält. Alle Produkte sind im praktischen Einsatz zu sehen, Infostände und Ausstellungstische komplettieren das Ganze. Natürlich gibt es auch ein Preisauschreiben mit Ziehung der Gewinne kurz vor Feierabend. Ein Besuch lohnt sich immer wieder – natürlich nur, wenn man „Tupperware“ überhaupt mag.
Wer Interesse hat, kann sich auf der Website www.tupperware.de informieren über Bezirkshandlungen, Beraterinnen, Party-Termine oder auch die Produkte – aber Vorsicht – Suchtgefahr !!!
Stichworte
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