Badbury (11.01.2008) •••••5
Wenn immer ich einen Malt-Whiskynotfall habe, wende ich mich absolut vertrauensvoll an die beiden Herren in deren Whisky- und Zigarrenemporium Tobacco World in den Großen Bleichen, gleich hinter René Kern, gut zu erkennen an der obligatorischen, stolz in die, auf der anderen Straßenseite befindlichen Ferne blickenden Holzrothaut.
Die stand einmal, wenn es dieselbe ist, in der ruhigeren Rathausstraße neben dem Café Paris, jetzt muß sie sich vorsehen, dass eilig durch den Regen eilende Last-Minute-Shopping-Bleichgesichter ihr nicht auf die bemokkassinten Indianerfüße treten oder herüberstolpern. Ach, und lamentiert die verlorene Weite der Prairie.
Wenn ich je ein Kinderbuch schreiben sollte, könnte es gut sein, dass die Hauptperson Tim Großkopf hieße, es sei denn, es handelt sich um ein Cowboy- und Indianerbuch, dann hieße der gute Cowboy Old Tim und sein mit ihm blutsbebrüderter Sioux Little Big Head. Und, meine Herren Timm und Großkopf, dies meine ich in keinster Weise despektierlich!
Die wissen so ziemlich viel oder gar alles über das, was sie verkaufen, sind sehr zuvorkommend, freundlich und sympathisch - meine Lieblingscharaktereigenschaften von Verkäufern, vor allem des gehobenen Segments.
Neulich wurde ich beauftragt, genau die richtige Flasche schottischen Wunderbronnens als besonderes Geschenk für einen Herrn zu besorgen, der mir persönlich nicht bekannt war, und es sollte nicht mehr und weniger als soundsoviel kosten.
Ergo rief ich meine Whiskynotdienststellenhotline an, umriß Herrn Timm das Gesuchte, erwähnte, an welchem inferioren Whisky der Herr sich sonst zu laben pflege, benannte auch meine ureigene Vorstellung undsoweiter.
Daraus entsponn sich ein mir wie mein 15jähriger Lieblings-Laphroaig runtergehendes Gespräch, indem Herr Timm nicht nur ferndiagnostisch sich betätigte, sondern kleine, qualitativ wie quantitativ höchst angenehm bemessene Vorträge über Herkunft von in engerer Auswahl gezogenen Malts, wie Geschichte derer Destillerien von sich gab, während ihm das Wasser im Munde zusammen lief. Letzteres war natürlich nicht hörbar, ich hatte nur den definitiven Eindruck.
Wir einigten uns auf ein holdes Naß von der mir einmals benachbarten Halbinsel Kintyre, an dessen Spitze der von Sir Paul McCartney bereits so schön besungene Mull liegt (an der Spitze der Halbinsel, nicht der Whiskyflasche!). Die reservierte Herr Timm für mich (die Flasche Whisky und nicht die Halbinsel!).
Man kann sich natürlich auch in dem Geschäft auf's Vorzüglichste beraten lassen, ja selbst dann und wann ein Tröpfchen aus der Herren persönlichen Vorrat probieren. Letzteres ist natürlich nicht selbstverständlich, man sollte wenigstens genauso höflich und sympathisch sein und nichts erwarten. Bitte schön, mein generell gültiger Aufruf in die Welt, meine Ermahnung an alle.
Schade, dass ich nicht so viel saufen kann, wie ich bei den Herren Timm und Großkopf einkaufen möchte. Ich muß wohl mit dem Zigarrenrauchen anfangen.
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Kommentare (43)
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