28.01.2008
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Das Wertvollste, das mir gehörte, war ein großer Kerzenständer aus schwarzlackiertem Eisen. Eigentlich war es ja ein umgedrehter alter Kronleuchter, der mit einem Schweißgerät von einem befreundeten Künstler in die Sphären von Nützlichkeit und Ästhetik hinübergerettet wurde. Viele Jahre ist er das viel bewunderte Erkennungszeichen einer Partyreihe der schwarzen Seelen der Stadt gewesen. Seit ich stilistisch von schwarz auf soziokulturell umgestiegen bin, das Eventmanagement an den Nagel gehängt habe, stand er unbeachtet in meinem Keller. Ich dachte, der Kerzenständer hat lediglich Erinnerungswert.
Denkste: Er war das begehrteste Stück der Sammlung. Mit Schwung wurde er meiner Entsperrmüllungsaktionshelferin aus der Hand gerissen, kaum war sie durch die Haustür getreten. Ein brubbelnder polnischer Mann erkannte die Beute auf einen Blick als wertvolles Verkaufsgut und stürzte sich darauf: Her damit!
Der Rest meines Hausrats interessierte die Herren von jenseits der Oder wenig. So schnell wie sie gekommen waren – keine fünf Minuten nachdem wir mit der Straßenrand-Entsorgung begonnen hatten, erschienen, angezogen von einem immer wieder beeindruckenden Netzwerk der Informationsweitergabe wie aus dem Nichts vier große polnische Transporter, die um das Erstzugriffsrecht rangelten – verschwanden sie auch wieder. Ich hatte ihnen wenig zu bieten: Eine große Kiste mit überalterter Elektronik, ein massives Holzregal und den Kerzenständer. Den Rest überließen sie der deutschen Entsorgungsfirma und dem alten Herren, der mit der Dunkelheit etwas verschämt aus dem Nachbaraufgang geschlichen kam, um einen alten Schreibtisch und ein kleines Regal zu vermessen.
Die blaue Couch übrigens habe ich weder den deutschen noch den polnischen Vergangenheitsbewältigern vor das Entsorgungsmobil gestellt. Ich hatte es mir fest vorgenommen, dann aber doch nicht übers Herz gebracht. Sie bleibt noch etwas bei mir.
Stichworte
entsorgung, polen
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