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Agriturismo Marciano

St. della Befana 5, 53100 Siena

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Benutzerfoto: mostro

mostro

Kompliment mostro (31.01.2008) 5

Ischia ist eine Insel, die sehr unter dem Ruf leidet ein Refugium für Horden deutscher Rentner zu sein – und diese bevölkern zugegebenermaßen weite Teile der Insel und der vielen kleinen Städtchen und Dörfer, so dass man sich gelegentlich etwas mehr Authentizität wünschen mag. Dennoch sollte man immer wieder betonen, dass Ischia von Landschaft und Bauten her eine wunderschöne Insel ist – und dass man sie ohne weiteres auch als jüngerer Mensch besuchen und genießen kann, weil hier doch eine Menge Platz ist.

Man kann natürlich Pech haben und ein Preisausschreiben gewinnen und in einem Hotel landen, dessen Hauptklientel aus Helmut Kohl-Fans aus dem Westerwald besteht. Aber gerade so ein sporadisches Unglück eröffnet einem neue Welten, denn dann wird man doch mehr dazu angetrieben, Landschaft und Dörfer der Insel auf täglichen Exkursionen anzuschauen.

Auf einer kleinen Insel kommt irgendwann tatsächlich ein Punkt, an dem man das mehr nicht mehr unbedingt täglich mit entzücktem Ausruf wie ein Geburtstagsgeschenk begrüßt. Dann ist hier der rechte Zeitpunkt, um den höchsten Berg der Insel zu besteigen, den Monte Epomeo. Bereits wenn man von Neapel mit dem Schiff kommt, bestimmt aus der Ferne der Berg die Silhouette der Insel – er wirkt wie eine schiefe Pyramide.

Der Epomeo ist zwar wie die ganze Insel vulkanisch entstanden und geprägt, selbst überraschenderweise aber kein Vulkan. Vor 80.000 Jahren verschob ein Vulkan im Raum der heutigen Insel riesige Massen von Lava und Bimsstein, der Epomeo ist ein Teil angehobenen Meeresgrundes, unter den der Vulkan hauptsächlich Lava schob. An den Kanten von tektonischen Bodenplatten trat Lava aus (letzter Ausbruch um 1301), und noch heute dringt heißes Wasser (stellenweise bis 100 °C) als natürliche Fumarolen zu Tage (z.B, bei Sogerto).

Anderes über die Entstehung des Epomeos findet man in der Mythologie. Tifeo, der Anführer der Riesen, die sich gegen Zeus aufgelehnt hatten, wurde von diesem vom Olymp hinab geworfen und flog unter der Wucht mit einem Haufen von Steinen bis hierher. Anstelle für den Billigflug dankbar war er erbost, stöhnte und spie Feuer, denn die auf ihm gelandeten Gesteinsmassen drohten ihn zu erdrücken. Niemand wollte ihm helfen. Nur Venus erbarmte sich und versprach, wenigstens seine Tränen in heilsame Quellen zu verwandeln. So entstanden die berühmten Thermalquellen.

Auf der Bergflanken haben sich 6 Gemeinden angesiedelt: Ischia Porto und Ponte, Casamicciola Terme, Forio, Lacco Ameno, Serrara Fontana und Barano Die Nordflanke ist die grüne Seite der Insel Ischia. Der Hang ist hier recht steil und mit dichten Kastanien- und Pinienwälder bepflanzt, weiter unten sind Terrassen für Wein- und Gemüsegärten angelegt. Die Westflanke ist hügelig mit Macchia alten Gartenterrassen, die nur noch in kleinen Teilen bewirtschaftet sind, fast ausschließlich mit Weinanbau. In fast 500 m Höhe befinden sich ausgedehnte ebene Flächen, die in früher bewohnt waren. Auch hier wachsen Akazien- und Kastanienwälder. Die Südflanke der Epomeo zeigt einen allmählichen Anstieg, der zum Gipfel immer steiler wird. Der Hang ist hier eher karg und kahl. Die Ostflanke des Epomeo ist weniger steil, hier gibt es mehrere große Hochebenen. Die Vegetation ist sehr vielfältig, Wälder, mediterrane Macchia und Wein wechseln sich ab.

Man kann den Epomeo von mehreren Ausgangspunkten aus erklimmen, ein durchschnittliche Kondition reicht aus, feste Schuhe sollte man dabei haben, ebenso etwas festere Kleidung, da es da oben eventuell ein wenig kühler werden kann als an den sonnigen Stränden. Wer einen kürzeren Spaziergang bevorzugt, kann sich vom Bus prima im Dorf Fontana (an der Piazzetta) absetzen lassen. Von hier weist ein Schild den Weg – und man bewegt sich zunächst an den Häusern des Dorfes vorbei, durchquert Haine und passiert kleine Gärten, in denen Zitronen und tiefrote Granatäpfel leuchten, dazwischen immer wieder die unglaublich blauen Mittelmeerwinden, die jede verlassenen Mauer mit unglaublicher Energie und Blütenpracht überwuchern.

Mit der Zeit wird der Weg steiler, die Wege schmaler, die Büsche flacher – und man bekommt Blicke auf das, was unter einem liegt. In der Ferne die Küste, die großen Felsformationen, ganz klein wirken die betriebsamen Dörfer – und man wundert sich dennoch wie nah alles erscheint – wo doch der Bus stundenlang braucht um die Insel zu umrunden, ob links (CS) oder rechts (CD) herum, die einfache Benennung der Buslinien ist für italienische Verhältnisse ein Meisterwerk der Logik, die mir noch nach Jahren leuchtend im Gedächtnis blieb!

Je nach Tempo ist man in ein bis eineinhalb Stunden tatsächlich auf dem Gipfel und kann den Blick so richtig in die Ferne schweifen lassen: Das Festland mit den Phlegräischen Feldern, den Vesuv mit dem Golf von Neapel, Sorrent und die umliegenden Inseln Vivara, Procida, Capri und Ponza – bei gutem Wetter sind sie alle gut erkennbar und machen klar, wie nah eigentlich alles beisammen liegt. Und natürlich das Meer in allen Schattierungen von Blau, Mittelmeerblau natürlich und Caprigrottenblau und Himmelblau und ...

Die Routine der Touristen hat dann doch dafür gesorgt, dass der Gipfel keine unberührte Ruhe bietet, sondern ein Gipfelrestaurant mit Aussichtsterrasse jeden Kreislaufkollaps kompensiert – und wenn gar nichts mehr geht, bietet die kleine, in den Fels geschlagene Gipfelkirche San Nicola höheren Beistand -. diese Kirche war früher der Mittelpunkt einer Eremitenklause. Die Einheimischen nennen daher den Gipfel "San Nicola", im Winter gibt es hier gelegentlich auch mal Schnee – dann hört man gelegentlich den Satz: "San Nicola si è messo la barba bianca" (San Nicola trägt den weißen Bart). Ich würde dennoch empfehlen, den Aufstieg im frühen Herbst bei angenehmeren Temperaturen zu machen…

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