Kompliment
Landstreichler (20.11.2007)
Dieser Text handelt von der Unterhaltungseignung des Botanischen Gartens für Kinder im Kindergartenalter. Um die Kompatibilität mit Attraktionen in Freizeitparks zu gewährleisten, nenne ich im weiteren Verlauf die Stationen im Freizeitpark-Jargon.
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Ein beschaulicher Ort der Ruhe und Besinnung. Ein stiller Platz gewidmet der Forschung und Meditation. Tiere bevölkerten ob des Novemberwetters fast ungestört den Garten, Meisen zwitscherten, Eichhörnchen jagten sich unbekümmert gegenseitig. Tja, das war mit einem mal schlagartig vorbei. Denn dann kamen wir: Die Kindergarten Wochenend-Exkursions-Einsatztruppe. Schreiende Kinder, kaum übertönt von den Rufen der Eltern im Kasernenhofton: "Nein ! Warte, Saburo hat eine Kaka-Windel, die muß noch gewechselt werden! Zurück, aber Zack Zack, da vorne sind Giftpflanzen! Laß die Eichhörnchen in Ruhe....in Ruhe!!...Keksverbot, wenn Du nicht sofort zurückkommst!"
Das klang jetzt für nicht-Eltern vielleicht ziemlich schlimm. Aber eigentlich war es ein schöner Nachmittag, mal abgesehen vom Dauernieselregen, der auch nur die Eltern störte. Die Eltern, welche sich samt Nachwuchs auf Initiative eines Papas aus der Kindergartengruppe zum Botanischen Garten aufmachten.
Attraktion "Music Magic Dance Sensation":
Pflanzen zu betrachten das war für die Kinder natürlich eher nebensächlich. Gleich zu Beginn unserer Tour in der "Kohlecke" (Nutzpflanzen) stand das erste Spielgerät. Es handelte sich hier um ein großes Glockenspiel mit neun (stabilen) Trittplatten. Die Töne sind dabei schön abgestimmt (nach pentatonischer Skala) und ergeben auch noch bei stärkster Belastung durch vier erratisch hüpfende Kinder einen einigermaßen harmonischen Klang. Als die Kinder die Lust verloren, habe ich auch ein bißchen auf den Platten gesteppt und fühlte mich gleich wie Gene Kelly zumal die ersten vier bis acht Töne mit der Melodie von "I got Rhythm, i got music..." (auch pentatonische Skala) übereinstimmten. Die anderen Eltern fanden meine Performance als "Wedeler in Klein Flottbek" dagegen eher dezent belustigend und ich gebe zu an den Synkopen muß ich noch arbeiten ;-).
"Pharao's Tomb":
Schnell vorbei an den Giftpflanzen ging es dann zur Pyramide. "Shaikh Zayeds Wüstengarten" widmet u.a. sich mit einer Ausstellung dem Thema "Wüstenausbreitung- und bekämpfung". Uns verweichlichten Eltern bot die Pyramide einen temporären Schutz vor dem Nieselregen. Während dessen erkannte unser Nachwuchs das Unterhaltungspotential der vier automatischen Türen des Pyramidenduos. Ein Lob an die Hersteller der Türen. Etliche Dutzend Aktivierungen überlebten sowohl Türen als auch Kinder (in einem Rundkurs durch die Türen wetzend) unbeschadet.
"Ancient Rock Town":
Dann stapften wir weiter zum Gesteinsgarten. Die patentierten Atemöffnungen meiner Schuhsohlen leisteten derweil Glanzleistungen und versuchten redlich bemüht die Wege trockenzulegen, indem sie sämtliche erreichbare Feuchtigkeit in den Schuhinnenraum transportierten. Die versteinerten Bäume, Basaltsäulen und schönen Granitfindlinge beeindrucken die Kinder weniger. Sie steuerten die Inseln im Teich an, welche durch geländerlose Brücken miteinander verbunden sind ("Super-Soak-Zone"). Ich war dann doch fast erleichtert, daß die Inseln aus mir unbekanntem Grund aktuell geschlossen waren. Dagegen war nun der erste Pit-Stop fällig. Wir nahmen Kurs auf die nähere der zwei Toiletten des Parks im Verwaltungsgebäude ("Rest-Rooms"). Der Weg dorthin führte durch das im schönen herbstlichen Orange leuchtende Bachtal zum Thema Südamerika.
"Happy Beaver Swamp" und "Alpine Water Slide":
Nach allgemeiner Erleichterung ging es dann in Richtung Alpinium. Auf dem Weg nahmen wir noch einen der vielen kleinen Pfade im Park. Dieser führte durch ein mooriges Gelände. Das Alpinium ist ein sehr schöner Abschnitt mit Mini-"Bergen" durchzogen von kleinen Pfaden und Wasserläufen. Man sollte seine Kinder daher schon im Blick behalten. Aber unbedingt besuchenswert. Im Anschluß ging es noch auf einen kurzen Abstecher weiter in den Chinagarten. Wegen des mauen Wetters sparten wir uns den Japanischen Garten und machten uns allmählich auf den Rückweg. Ein kleines Rudel Eichhörnchen kreuzte noch den Weg und sorgte für etwas Ablenkung (siehe oben), dann ging es in Richtung Duft- und Tastgarten.
"Multi-Sensual Encounter":
Dieser Abschnitt ist besonders für Sehbehinderte eingerichtet. Eine Reling aus V2A führt hier durch den Garten. Die einzelnen Stationen sind auch für die Kinder interessant: Es können in verschiedenen Kästen Pflanzenbestandteile erstastet und erraten werden. Auf einer Art Baumstamm-Xylophon vermöbelten die Kinder nach Herzenslust verschiedene Holzarten und auch diverse Gerüche gab es an einer "Duft-Orgel" zu erschnuppern. Nebenan wollten wir uns eigentlich noch kurz im Gewächshaus aufwärmen. Das war zwar auch ausgeschildert, aber leider geschlossen.
Ehe sich die gesammelten Durchfeuchtungen in Erkältungen niederschlugen, entschlossen wir uns nun den "Freizeitpark" zu verlassen. Einige Stationen haben wir noch ausgelassen, aber wir kommen sicher wieder. Ich konnte jedenfalls feststellen, daß der Park auch ohne offizielle Spielplätze mit Kindern sehr besuchenswert ist. Vielen Dank nocheinmal an den Papa aus unser Kindergartengruppe für die Initiative!
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Der "Freizeitpark" Klein Flottbek kostet keinen Eintritt. Spenden sind aber immer willkommen.
Adressen:
Uni HH, Botanischer Garten: http://www.biologie.uni-hamburg.de/bzf/garten/garten2.htm
Freunde des Botanischen Gartens HH e.V.: http://www.bghamburg.de/
Siehe dort auch z.B. die Veranstaltungen für Kinder ab 5 (ohne Erwachsene)
Öffnungszeiten:
Mo-So: 9h-ca. 1 1/2h vor Sonnenuntergang
24.12 und 31.12. geschlossen
bei Glätte geschlossen
Stichworte
kinder, ausflug, pflanzen, park, garten, biologie
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