Kompliment
Sancho (30.11.2007)
Ja... der Frankfurter Weihnachtsmarkt.
Fast tut es mir leid, einen Beitrag darüber zu schreiben. Was kann der arme Weihnachtsmarkt, daß ich Derartiges nicht mag? Daß ich dieses alljährliche Ritual, sich auf engstem Platz minderwertige Produkte zu überteuerten Preisen andrehen zu lassen, während man sich von anderen Konsumbefallenen anrempeln läßt, sich derweil die Hacken in der Kälte abfriert und die aufgesetzte, festliche Atmosphäre über sich ergehen läßt, überhaupt nicht verstehe?
Nein, dafür kann der Weihnachtsmarkt nichts. Ich kann versuchen, die Eigenschaften herauszustellen, die den Frankfurter von anderen unterscheiden. Zum einen die schiere Größe, die aber nicht unbedingt nur ein Vorteil ist. Hier gibt es aber auch ein paar Aussteller, die es sonst nirgendwo gibt, wie der Dippeverkäufer an der Paulskirche, der schon seit Ewigkeiten herkommt. Das Holzkarussell am Römerberg ist eine Sehenswürdigkeit, und wen die hohen Preise nicht abschrecken, kann sich sicher mit dem einen oder anderen der angebotenen Gerichte anfreunden.
Aber selbst ein Weihnachtsmuffel wie ich muß zugeben, daß es schönere, besinnlichere Märkte gibt. Den Weihnachtsmarkt in Oberursel zum Beispiel habe ich letztes Jahr als angenehm empfunden. Und den in Bad Nauheim in der weitläufigen Jugendstilanlage habe ich sogar genossen.
Was mache ich dann hier? Ich habe eine Dauerverabredung: jedes Jahr treffe ich mich mit einer Bekannten zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Wir sehen uns einmal im Jahr, es ist eine lose Freundschaft, für mehr reicht sie nicht. Dafür komme ich sogar auf den Frankfurter Weihnachtsmarkt: etwas Smalltalk, ein Pott heißen Glühwein, die neuesten Nachrichten aus dem jeweiligen Leben ausgetauscht, kurz am jeweils anderen den Lauf eines Jahres konstatieren, und man trennt sich wieder glücklich und zufrieden.
Bis nächstes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt.
Stichworte
groß, überlaufen, überladen
Kommentare (6)
Bedenklicher Inhalt?