Kompliment
mostro (12.02.2008)
Barmstedt ist eines der kleinen Örtchen, die dem Hamburger immer so weit entfernt scheinen, auf dem Plan der Verkehrsbetriebe ist das irgendwo auf den obskuren, nur von eingeborenen Schleswig-Holsteinern gelegentlich genutzten orangefarbenen Linien der AKN-Bahn, also jenseits aller Fahrpläne wie man meint und daher vermutlich am Ende der Welt. Für den Autofahrer aber wird die Sache ganz anders: Barmstedt liegt nur knapp hinter Pinneberg und ist an einem guten Sonntag von der Innenstadt aus überraschenderweise innerhalb von einer halben Stunde erreichbar – daher ein gutes Ausflugsziel für spontan entschlossene, die nicht so viel Zeit einplanen können oder wollen.
Barmstedt selbst bietet auf den ersten Blick nicht so viel. Ein paar ältere Häuser, vor allem um die Kirche herum wirken ganz reizvoll, haben aber längst nicht den Charme mittelalterlich geprägter Städteensembles wie in Stade oder Lübeck. Die Krückau, dieser kleine Fluß, der aber hier durch eine Menge kleiner Städtchen fließt, wurde in den 1930er-Jahren preußisch stramm und gerade kanalisiert und zu einem See erweitert, so dass man bei einem Spaziergang zwar viel Grün und Wasser sieht aber doch ein wenig die Auen und mäandernden Windungen sucht, die in Schleswig-Holstein oft den Reiz der Landschaften ausmachen.
Warum also hierher kommen? Die Antwort liegt in der „Schloßinsel“. Am südwestlichen Ufer des Sees, um den ein schöner Rundweg führt, befindet sich ein Gewirr von Wasserarmen, Dämmen und Inseln, auf dem im 12. Jahrhundert die ersten Ritter von Barmstede siedelten Ursprünglich lag ihr Stammsitz nur am Flusslauf – der heutige See verdankt seine Gestalt wie erwähnt dem landschaftsgestalterischen Größenwahn der nationalsozialistischen Zeit. Immerhin aber hatte man damals den Anstand, die hiesigen Gebäude stehen zu lassen. Allerdings befindet sich auf der Schloßinsel kein Schloß mehr, sondern „nur“ noch ein Herrenhaus, das die hier in Nachfolge der Grafen Schaumburg residierenden Rantzaus errichten ließen. Dieses ist privat bewohnt und nicht zugänglich, dafür kann man die übrigen Bauten der Schloßinsel besichtigen, nämlich das Schloßgefängnis heute ein Café), das Gerichtsschreiberhaus (heute Künstleratelier), die Remise (heute Töpferatelier), das ehemalig königliche Amtsgericht (heute Museum) und gegenüber die beeindruckende Wassermühle – allesamt wunderschöne alte Ziegelgebäude aus dem 18. und 19.Jahrhundert in reizvoller Landschaft, in der Kombination mit einem Spaziergang ein sehr schöner Ausflug!
Stichworte
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