Kompliment
DieHenkerin (12.02.2008)
Nachdem ich nun schon seit über 10 Jahren den Rosenstock kenne, aber noch nie den Hildesheimer Mariendom besichtigt habe, haben wir es am 31. Januar endlich geschafft. Wir haben Kinder und Uroma ins Auto verfrachtet und uns auf den Weg gemacht. Vor dem Dom gab es dann noch mal eine Kurzanweisung für die Zwerge, wie man sich in einer Kirche verhält, aber das hätten wir uns sparen können:
Denn als wir durch die Domtore schritten, begrüßte uns ein nahezu überirdisch schöner Gesang. Sowohl wir Erwachsen als auch die Kinder waren völlig überwältigt. Die Uroma hat sich so hingesetzt, dass sie die Sängerin und die Orgel im Blick hatte und die Kinder haben ganz besinnlich mit uns das Innere des Domes erkundet:
Als erstes fiel unser Blick auf den riesigen Hezilo-Leuchter, einen mittelalterlichen Radleuchter mit einem Durchmesser von über 6m und sage und schreibe 72 Kerzen und 12 Türmen. Der Leuchter symbolisiert die endzeitliche Vision der aus dem Himmel Gottes herabkommenden heiligen Stadt, das "Himmlische Jerusalem" mit seinen 12 Toren, wie es der Text der Offenbarung des Johannes schildert (Offenbarung 21-22).
Dann machten wir uns auf zur Christussäule, die um 1020 geschaffen und von Bischof Bernward in Auftrag gegeben wurde. Um diese Säule winden sich spiralförmig 24 Bilder, die Stationen auf dem Lebensweg Jesu zeigen. Meine Tochter war völlig begeistert und versuchte herauszufinden, welche Geschichten sie wiedererkannte und zu zählen, wie viele Personen darauf abgebildet sind – irgendwo auf ihrer Kopfhöhe kam sie ins Stocken und beschloss, meiner Internetquelle zu glauben, dass es insgesamt 154 Figuren sind.
Nächster Haltepunkt war natürlich die nach ihrem Stifter benannte Bernwardstür, die insgesamt 16 Bilder aus dem Alten und dem Neuen Testament zeigt. Auch hier waren die Kinder wieder völlig begeistert, dass sie einige der dargestellten Szenen bereits kannten. „Mama, guck mal das ist die Geburt von Jesus, da sind sogar der Ochse und der Esel!“
Auch das Taufbecken fanden die beiden sehr beeindruckend, auch wenn sie nicht so recht glauben wollten, dass es kein großer Kochtopf ist.
Bei Gelegenheit wollen wir uns dann auch noch mal das Dommuseum ansehen…
Die Legende vom Rosenstock, der an der Chorapsis des Domes rankt, geht bis in die Gründungsgeschichte des Bistums Hildesheim um das Jahr 815 zurück. Damals fand Ludwig der Fromme, Sohn und Nachfolger Kaiser Karls des Großen, zwischen den Blüten ein kostbares Reliquiar, das er auf der Jagd verloren hatte. Zu Ehren der Gottesmutter ließ Ludwig an Ort und Stelle eine Kapelle bauen.
Es gilt in der Tat als möglich, dass der Rosenstock schon so alt (oder sogar noch älter) ist, da die Hecken- oder Hundsrose, um die es sich hier handelt, die Fähigkeit der fortwährenden Erneuerung besitzt. Sie kann sich nicht nur durch Samen vermehren, sondern vermag auch aus ihrem Wurzelstock neue oberirdische Teile hervorzubringen.
Stichworte
dom, kirche, weltkulturerbe, unesco, welterbe, bernward, mariendom, hezilo, berwardstür, christussäule, rosenstock, apsis, chorapsis
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