Der Hohenhof in Hagen-Emst ist die ehemalige Residenz des Bankiers und Kunstmäzen Karl-Ernst Osthaus. Gebäude, Einrichtung und Anlage wurden als Jugendstil-Gesamtkunstwerk von dem Architekten Henry van de Velde entworfen. Osthaus initiierte von hier aus zwischen 1900 und 1920 den "Hagener Impuls", dem das Folkwang-Museum (heute in Essen), sowie eine ganze Künstlergeneration entsprangen, die maßgeblich den Impressionismus und Expressionismus in Deutschland prägten.
Eine ausführlichere Beschreibung will ich mir an dieser Stelle sparen, da sie nicht in ein Bewertungsportal, sonder eher in ein online-Lexikon gehört (in Wikipedia findet man bislang nur spärliche Informationen, aber ich will da noch ein bisschen nachtragen).
Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten die Pädagogische Hochschule ihren Sitz in den Räumlichkeiten hatte, befindet sich hier heute ein Museum, das einen der zentralen Orte der "Route Industriekultur" darstellt. Die Eintrittspreise sind sehr günstig, Erwachsene zahlen 3 und Schüler/Studenten etc. 1,50 EUR. Für sein Geld bekommt man einen Einblick in den Lebens- und Arbeitsort von Osthaus, der vor Jugendstil-Avantgarde strotzt. Bis in die Tapetenmuster, das Lichtkonzept, die Fensterverglasung und sogar Heizungsschlitze hinein ist alles von van de Velde durchkonzipiert. Ob die teilweise abenteuerlichen Muster den Geschmack des Besuchers treffen oder nicht - man merkt, sich in einer Wegweisenden Umgebung zu befinden.
Das Obergeschoss zeigt zum einen die Schlaf- und Waschräume, zum anderen eine Ausstellung der Projekte von Künstlern wie Bruno Taut oder Milly Steger und deren Umsetzung an Bau- und Kunstwerken in Hagen und anderen Europäischen Städten.
Die Räume im Untergeschoss wurden in den letzten Jahren von der ehemaligen Mensa in attraktive Veranstaltungs- und Tagungsorte umgebaut. Es gibt zwei Bars, Plätze für etwa 85 Personen und einen Zugang zu dem pittoresken Hof im Laubengang mit Springbrunnen und Beeten. Läge nicht die Autobahn A45 in wenigen Metern Entfernung, wäre auch der idyllische Garten sehr empfehlenswert. Die stylische Einrichtung dieser mietbaren wird durch Jugendstil-Glasarbeiten sowie eine umfangreiche van-de-Velde-Fotoausstellung ergänzt. Im Erdgeschoss ist der ehemalige Wohnsalon zu einem kleinen Konzertsaal umfunktioniert worden, so dass sich hier Kammerkonzerte realisieren lassen - nicht nur dadurch erinnert das ganze Anwesen ein wenig an Villa Wahnfried in Bayreuth.
Der Hohenhof ist Pflicht für jeden Besucher von Hagen - in meinen Augen ist er noch vor dem Karl-Ernst-Osthaus-Museum (das das Museum Hohenhof betreibt) der absolute kulturelle Höhepunkt der Stadt. Wäre Osthaus nicht 1921 vor der Realisation des "Stadtkrone"-Projekts gestorben, hätte ich mir diesen Beitrag wohl sparen können, da er damit endgültig internationale Kunstgeschichte geschrieben hätte.
p.s.: Das Video zeigt das Arbeitszimmer, hier konnte ich aus irgendeinem Grund keine vernünftiges Foto machen, deswegen das kleine Handy-Video.