Bewertung zu Die Hooge von hafi46

Die Hooge, 25990 Sylt-Ost

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hafi46

Kompliment hafi46 (07.04.2008) •••••

Sylter Wahrzeichen (4)

Die Hooge

Vielleicht habt Ihr schon mal einen Abstecher zur Hallig Hooge gemacht, mit ihren 500 ha die zweitgrößte unter den Geschwistern. Aber auch auf Sylt gibt es “Hooge”. Das Wort bedeutet letztlich nichts andere als “Hügel” oder Höhe. Etwas das über die Umgebung herausragt. So zählen die Sylter Hooge auch zu den Wahrzeichen der Insel. Alsda wären der Tipkenhoog bei Keitum, der Hilligenhoog bei Hörnum und der Wedeshoog bei Tinnum. Der Wedeshoog leitet seinen Namen von Wodan ab, dem Zeus der Germanen. Wer bereits einmal am Vorabend des Petritags auf Sylt war, am 21.Februar, hat auf den Hoogen wohl schon das Feuer lodern, die Jugend durch das Feuer springen sehen. Sonnenwendefeier. Auf der Insel heißt sie Biikebrennen. - Nur die Bedeutung des Festes hat sich gewandelt. Wie sich die Menschen und ihre Mentalität wandelten.

Als an Jesu Geburt noch nicht zu denken war, als der Glaube der Sterblichen seine Wurzeln noch tief in die Gezeiten der Natur grub, feierte man an diesem Tag den Sieg über Kälte und Dunkelheit. Und wenn die jungen Menschen, schon damals Hand in Hand und sich verliebt in die Augen schauend, über das züngelnde Feuer sprangen, dann waren sie sicher, Krankheit und Gefahren, die ihnen drohten, “abgebrannt” zu haben. Manzündete die Feuer nicht “irgendwo” auf der Insel, man hatte dafür bestimmte Kultstätten; die Hooge. Von ihren Höhen leuchteten die Flammen weit über das Meer. Und die gerade draußen Weilenden verstanden, was sie zu sagen hatten. Und sie wussten, daß ihre Lieben daheim just in dem Augenblick um den knisternden Holzstoß standen, um gute Ernte für das kommende Jahr flehten, um reichen Fischfang und gute Beute im Kampf von Mann gegen Mann. Das Biikebrennen war für die Nordfriesen von jeher ein Höhepunkt im Jahresrund. Dann fühlten sie sich eins mit dem kleinen Stückchen Erde, das ihre Heimat war, das auf irgendeine unbegreifliche Weise jedoch mit dem All zusammenhängen mußte, das sie ahnten, zum Teil sogar erlebten. Und von dem sie nichts, gar nichts wußten.

Mit dem Einzug des Christentums wurde das Bild der bis dahin gefürchteten Götter verdrängt. Bezeichnenderweise wurde aus dem Wodanstag jedoch der Petritag. Der Göttervater Wodan, auch Odin genannt, altnordisch Odinn, althochdeutsch Wuotan, altenglisch Woden, wurde nicht durch den nunmehr als “Allerheiligen” anerkannten Gott ersetzt, sondern durch Petrus. Vielleicht, weil dieser “neue” Gott seinen Namen nicht wie Wotan aus dem Begriff “Wut” ableitete, sondern ein Gott der Liebe, des Verzeiheans war. Einer der viel zu hoch über allem stand, um ihm mit Irdischen identifizieren zu können. Man wählte St. Petrus zum Patron, den Sohn Johannes aus Bethsaida in Galiäa. Den Fischer, der als erster in der Rangliste der Apostel des Herrn genannt wird. Der, obgleich seine menschlichen Schwächen unübersehbar bleiben, auch als der “Fels” der Kirche gilt. Der der Schutzpatron der Fischer wurde. Es dauerte jedoch noch lange, sehr lange, bis Petrus-Reminiszenzen verdrängen konnte. So berichtet die Sage von einem Biikbrennen, in dem die Rantumer wie gewohnt Wodan um Beistand baten. Lange nach Mitternacht, als alle schon in ihren Häusern waren, loderte das schon erloschene Feuer erneut auf. Und die Rantumer sahen, wie ein schwarzes Ungeheuer, einem Riesenpudel ähnlich, um die Flamme humpelte. Kein Zweifel: sie hatten den Teufel für immer an diesen Platz gebannt. Nie wieder könnten sie an dieser Stelle das Biikefeuer zünden….

Zur Zeit Lorens de Hahns und anderen Grönlandfahrer erhielt das feuer eine weitere Bedeutung: Man feierte im Umkreis dieser Scheiterhaufen den Abschied von den Männern, die in den nächsten Tagen auf die große Reise gingen, von der es für viele von ihnen vielleicht keine Widerkehr geben würde. Man sang, tanzte. Ließ die Flaschen kreisen. Und hinter dem Lachen und der Fröhlichkeit standen Angst, die Vision eines unabwendlichen Schicksals….

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Kommentare (2) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: lokalreporter

lokalreporter

07.04.2008, 15:02

lehrreicher beitrag!

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Benutzerfoto: buskutscher8

buskutscher8

07.04.2008, 16:53

Sehr schöner geschichtlicher Hintergrund, der, wie @ Lokalreporter
schrieb, zudem auch lehrreich ist.

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