Nolde Stiftung Seebüll Dependance Berlin, Jägerstr. 55, Nahe am Gendarmenmarkt, 10117 Berlin
« Zeige die Telefonnummer und Karte zu Nolde Stiftung Seebüll Dependance Berlin an
Kompliment
Kormoran (12.04.2008)
Die “medizinisch-demographische Deutsch-Neuguinea-Expedition” 1913 bis 1914 finde ich eine gute Idee, um mit Staatszuschussfinanzierung um die Welt zu kommen. Trotzdem scheint die Reise noch fast 200.000 €uro für Emil Nolde und seine Frau Ada gekostet zu haben, wenn ich richtig umgerechnet habe.
Bereits 1905 sah Emil Nolde Bilder von Gauguin. Er und viele andere träumten in dieser Zeit von einer Reise in die Südsee. So taten sich der Augenarzt Alfred Leber, die Krankenschwester Gertrud Arnthal, der Tropenmediziner Prof. Dr. Ludwig Külz mit dem Kunstmaler Emil Nolde als ethnographischer Zeichner und seiner Frau Ada zusammen und wurden vom Reichskolonialamt für o.g. “Expedition” beauftragt.
Die Reise führt die Gruppe von Berlin aus über Rußland, Korea, Japan, China, Hongkong, Philipinen in die Südsee mit dem deutschen Postschiff nach Rabaul.
Nach mehrmonatigem Aufenthalt kehren zumindest Ada und Emil Nolde über Yogyakarta, Singapur, Penang, Colombo, Aden, Port Said, Marseille, Genua nach einem Jahr zurück nach Berlin. Der 1. Weltkrieg hatte inzwischen begonnen.
Über die Arbeit der Mediziner bei dieser Reise über die Erforschung der Epidemien und der hohen Sterblichkeitsquote der einheimischen Bevölkerung in den deutschen Kolonien kenne ich keine Veröffentlichungen.
Das Ergebnis des “ethnographischen Zeichners”: hervorragende Aquarelle und Ölbilder von Emil Nolde, Darstellungen von Dschunken, Segeln, Booten, Landschaften, Porträts und Gruppenbildern von “Eingeborenen”, die wir heute Bewohner nennen, sind zur Zeit in der Dependance Berlin zu sehen.
Die Arbeiten eines der wichtigsten Maler des Expressionismus sind vor allem durch seine hervorragenden Aquarelle einzigartig, farbenfroh und lassen jeden träumen von der Südsee und fremden Ländern.
Der schriftliche Bericht von Ada Nolde zeigt mit Frische viel aus der vergangenen Zeit des Reisens, zur Vorbereitung lernten sie im Tiergarten reiten und mit Revolver und Riffle schiessen, aber auch von den Risiken: die knapp über zwanzig Jahre alte Gertrud Arnthal erlag einer Typhuserkrankung.
Die neuen Räume in der Jägerstraße nahe am Gendarmenmarkt im Erdgeschoss und 1.Obergeschoss sind leicht und hell gestaltet. Die Bilder und Aquarelle und wenige Figuren sind ausgezeichnet ausgeleuchtet und präsentiert.
Würde diese Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie hängen, die berühmte “Berliner Warteschlange” führte uns sicher einmal um das Haus.
Wer möchte kann mit einer Kombikarte von 20,- €uro (Art & Lunch) den Kunstgenuß im VAU von
Mo-Sa.12.00 bis 14.15 Uhr ausklingen lassen.
Stichworte reisen, wind, südsee, medizinisch, segel, expedition, nolde, demographisch, ethnographisch
Kommentare (6) Bedenklicher Inhalt?.. ein wunderbarer Beitrag, schwarzer Vogel!
@Richensa so ein Expeditionsname fällt uns bestimmt auch noch ein um mit Freunden in fremde Länder zu kommen.
Hach, ganz bestimmt… wo wollen wir denn hin?
Aber ist doch schön, dass die Bilder nach Berlin kommen, wenn auch nicht gleich in die Neue Nationalgalerie. Seebüll ist schon arg abgelegen. Ich hab es das letzte Mal vor ???? Jahren dorthin geschafft, Berlin liegt näher.
Erinnert mich daran, dass ich irgendwann auch mal Urlaub machen wollte. Und Urlaub mit Arbeit zu verbinden, ist sowieso die beste Art Urlaub zu machen. Wenn ich demnächst zum Gendarmenmarkt komme, werde ich ein wenig Zeit für die so wunderbar beschriebene Ausstellung einplanen.
Danke
Na, wenn das nicht mal ein Tipp ist!