Bewertung zu S-Bahn Berlin GmbH von Bemo

S-Bahn Berlin GmbH, Invalidenstraße 19, Mitte, 10115 Berlin

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Bemo

Kompliment Bemo (08.11.2007) ••••

Es ist früher Morgen. Ich verlasse das Haus, die klirrende Kälte springt mir beißend ins Gesicht. Ich folge meinem allmorgendlichen Ritual. Meiner Fahrt ins Büro.
Mein erster Weg führt mich ins Blutdruck in der Sonntagstaße. Die Barista weiß schon was ich will. Früher musste ich immer 100 nervige Fragen beantworten… Sie duzt mich. Schon seit dem ich das erste Mal hier rein gegangen bin. Wir sind im Friedrichshain. Während sie mir meine Vollmilchlatte mit Illy bereitet, muss ich an die junge Frau denken, die hier vor ein paar Tagen vor mir dran war. Sie bestellte eine heiße Schokolade. Mit fettarmer Milch. Ich frage mich, ab wann das “Fettpunkte sparen” eigentlich lächerlich wird.
Der heiße Becher wärmt meine Hand. Mehr noch, er verbrennt sie. Ich kann ihn nur noch vorsichtig mit zwei Fingern am obersten Rand halten. Da wo der Schaum ist. Heiße Hände, der Rest des Körpers friert. Der Nebel hängt noch in der Luft.
Ich stehe auf den S-Bahnhof Ostkreuz und warte auf meine S-Bahn. Neben mir steht plötzlich ein Mann mit einer Rostbratwurt in der Hand. Eingepackt in ein ekliges Billigbrötchen, mit einer braunen Spur von Senf, die sich der Länge nach über die gesamte Wurst zieht. Bei jedem Bissen zieht er grotesk die Lippen hoch, die Wurst ist heiß. “Was für ein Frühstück”, denke ich und schau auf die Uhr. Es ist 12.15 Uhr.
Ich finde prompt einen Platz. Ich vergrabe mich in meinem Schal und ziehe meinen Hut ins Gesicht. Noch ein paar Minuten Ruhe… Ratternd schiebt sich die S-Bahn mit einem gefühlten Alter von 100 Jahren über die Gleise. Leute steigen ein und aus. Die schönen sehe ich mir an. Es kommt, was kommen musste. “Hätten Sie vielleicht Interesse an einem Straßenfeger oder einer kleinen Spende?” Irgenwann sag ich’s. Ich werde sagen: “Ja, ich hätte Interesse an einer kleinen Spende. An wie viel hätten Sie denn so gedacht?” Doch diesmal nicht. Er tut mir leid. Ich kaufe trotzdem nichts. Und ich spende nichts. In Berlin muss man lernen, sein Mitleid zu dosieren.
Das Wetter ist gut. Schön herbstlich. Also folge ich meinem Schönwetterprogramm. Das heißt: Jannowitzbrücke raus, runter zum Obststand. Dort gibt es frischen Obstsalat. Mein Frühstück. Ich gehe die Wallstraße entlang und versuche so viele Kastanienminiermotten totzutreten, wie ich nur kann. Währenddessen esse ich meinen Obstsalat mit der kleinen Gabel, die automatisch mitgeliefert wird. 7 Minuten später bin ich da. Tag - du hast mich wieder.
PS: Wurde heute mit einer neuen Strategie der Geldbeschaffung konfrontiert. Wurde von einem Mann mit Liquiditätsproblem und urbayerischem Dialekt angesprochen, er würde für eine Zugkarte nach München sammeln, um zurück zu kommen. Sehr schlau. Ich denke jeder Berliner ist bereit zu spenden, wenn er dadurch einen Bayern weniger hier hat. Sehr schlau!

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Kommentare (10) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: burkey

burkey

09.11.2007, 09:18

Wie definiert ihr in Berlin denn den Morgen? ...morgendliches Ritual … es ist 12.15 Uhr…

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Benutzerfoto: Bemo

Bemo

09.11.2007, 13:29

Da kann man mal sehen wie relativ alles ist…

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Benutzerfoto: vilmoskörte

vilmoskörte

12.11.2007, 11:22

Hier gibt es viele Kneipen, die werben mit “Frühstück bis 18 Uhr” (oder gar noch später?)
”...so viele Kastanienminiermotten totzutreten, wie ich nur kann”, köstlich!

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Benutzerfoto: Bemo

Bemo

12.11.2007, 11:28

Danke schön! Früstück gibt’s hier ewig, das stimmt. Das ist ja das schöne an der Gegend!

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Benutzerfoto: Badbury

Badbury

23.11.2007, 21:14

Wahrscheinlich kommen darum all die Bajuwaren in die Hauptstadt. Deinen Beitrag im Gehirn jonglierend, überlege ich, ob ich nicht das Leben verpasse, wenn ich nicht vom Öffentlichen Nahverkehr mich teleportieren lasse. Vielleicht sollte ich doch mal wieder U-Bahn fahren… nee!

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