Bewertung zu Lokal Mangold von Scipio

Lokal Mangold, Ölmühle 30, 20357 Hamburg

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Qype Advanced Insider 1719
Benutzerfoto: Scipio

Scipio

Kompliment Scipio (04.06.2008) •••••

Noch im Winter hätte ich dem Mangold auf Qype fünf Punkte geschenkt: Für angenehmes Ambiente, schnellen und freundlichen Service und akzeptable Preise. Hätte!

Jetzt ist es eigentlich noch schöner hier in Hamburgs Karolinenviertel. Die Ahornbäume vor dem Restaurant spenden Schatten, die Gäste sitzen gemütlich im Freien und blicken zufrieden auf einen kleinen Platz. Auch wer das Speiselokal noch nicht kennt, wird stehen bleiben und in Erwägung ziehen, hier eine Mittagspause einzulegen:
Die Tische sind gut besetzt, ein sehr angenehmes Publikum sitzt plaudernd beisammen, wer in Hamburg als Designer, Schreiber oder sonst irgendwie Kreativer unterwegs ist, wird möglicherweise sogar eine Bekannte oder einen Bekannten wieder treffen. Die Gäste scheinen allerdings auf dem Boden geblieben zu sein, kein Schischi-Volk wie an der Rothenbaumchaussee oder auf dem Schulterblatt.

Leider ist das Personal auf den regen Zuspruch dieser netten, hungrigen „Mangold-Fans“ nicht eingestellt. Es dauerte heute fünf Minuten, bis wir wahrgenommen wurden. Anderen Tischgruppen erging es ähnlich. Auch dass zwei Kellnerinnen gleichzeitig bedienten, half nicht weiter. Die freundlichere der beiden Bedienerinnen, versprach uns immerhin, nachdem sie von unserem Erscheinen endlich Notiz genommen hatte, schnell bei uns zu sein, benötigte dann aber noch weitere zehn Minuten, um uns endlich mit Flüssigkeit zu versorgen. Nach weiteren zehn Minuten brachte uns dann die zweite, mit Sympathiebezeigungen eher geizige Servicekraft das Tagesgericht: Nichts Kompliziertes: Ein Salat mit Pfannkuchen und Schinken (5,70 € inkl. Wasser). Beim Abstellen der Teller würdigte sie uns keines Blickes. Wir hatten sie vorher weder feindlich angesehen, noch uns beschwert.
Es gab also keinen Grund, die Menüs nicht mit einem kleinen Augenkontakt und einem Lächeln zu begleiten, so wie es sich gehört, und was selbst an einer durchschnittlichen Pommesbude zu den Usancen zählt.

Die Speise war ganz okay, nicht gut. Meine Tischgenossen bemängelten das Fehlen einer gewissen Würze, das Gemüse hätte mehr Biss haben können. Am Ende brauchte der Service dann wieder eine Weile, um Nachspeisewünsche aufzunehmen. Besonders unangenehm fiel dann wieder Servicekraft Nummer 2 auf, die offenbar von uns erwartete, dass wir die Teller zusammenräumen, damit sie die Espressi auf den Tisch stellen konnte. Bei ihr fehlte es offenbar an den Grundkenntnissen des Kellnerns. Vielleicht hätte ich sie doch mal giftig angucken sollen. Aber sie war so hübsch. Und da fallen Männern böse Blicke schwerer. Natürlich unterstützt diese einseitige Milde die Tendenz, sich auf Äußerlichkeiten auszuruhen.

Im Übrigen wurde unsere Energie am Ende auch von einer ganz anderen Frau abgelenkt, die es sich auf einer Bank in der Nähe des Lokals mit einem Dutzend alter Plastiktüten bequem gemacht hatte. Aus heiterem Himmel begann diese, wahrscheinlich zum Inventar des Karolinenviertels gehörende Dame alle Vorbeikommenden als „Faschisten“ zu beschimpfen. Jeder tat so, als höre er nichts, aber schön war weder ihre krächzende Stimme, noch der Inhalt ihrer viertelstündigen Schmährede.

„Irgendwie ist das Karolinenviertel immer noch merkwürdig zerrissen zwischen Schäbigkeit und freakiger Attitüde wie Anfang der neunziger Jahre,“ ging es mir durch den Kopf. Man kann das mögen, wenn man hier neu ist. Man darf das aber auch als rückständig empfinden. So wie Service und Logistik heute im Mangold.

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Kommentare (4) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: hotzenplotz

hotzenplotz

03.06.2008, 21:11

Die Antifaschistin kenne ich auch, die ist wohl gelegentlich in der Ecke.

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Benutzerfoto: Lakritze

Lakritze

03.06.2008, 21:43

Schickes Stichwort: “gut aussehen reicht nicht”.

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Benutzerfoto: hamburgms

hamburgms

04.06.2008, 23:06

Aber die krächzende Frau gehört ja nun nicht zum Inventar… Klar, dass es die Atmosphäre stört, aber das gehört nicht wirklich in einen Bericht über die Qualitäten des Mangolds, finde ich…

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Benutzerfoto: Scipio

Scipio

04.06.2008, 23:23

Tja. Das mag jeder finden wie er mag, sogar darin ein neues Sangestalent erblicken. Auch ohne den Beitrag dieser unglücklichen Person hätte das Mangold von meinen Begleitern und mir nur zwei Punkte erhalten. Der Kollege, der es als Ort für eine Pause ins Spiel gebracht hatte und sich wie ich an bessere Zeiten erinnern konnte, wollte sogar nur einen Punkt vergeben.

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