Bei Oma Kleinmann, Zülpicher Str. 9, 50674 Köln
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Kompliment Civilis (15.06.2008) •••••
Letzter Besuch (von vielen über etliche Jahre) im Frühjahr 2008:
“Bei Oma Kleinmann” ist die Namensgeberin wohl nur noch gelegentlich selbst zu Gast - der alten Dame sei´s gegönnt.
“Alles doll, die Bud wor voll” ist der Normalzustand in dieser gastronomischen Exklave auf der ansonsten inzwischen ziemlich abgewrackt wirkenden “Szene-Meile” Zülpicher Straße.
Und das aus gutem Grund: Hier gibt es was für´s Geld, denn diese unglaublich riesigen Schnitzel in allen Varianten sind nicht Legende, sondern real existierende Mega-Portionen an Fleisch in immer gleichbleibend guter Qualität. Innerhslb Kölns lassen sie sich allenfalls noch mit den ebenfalls unvorstellbar großen und sorgfältig zubereiteten Koteletts der (wiedererwachten) Kultstätte “Lommerzheim” in Deutz vergleichen.
Aber auch die übrigen Kleinmann-Angebote stehen von Portionsgröße und Geschmack den fleischenen Ruhmesträgern in nichts nach, so z.B., wenn in der Vorweihnachtszeit dort die Gänse- bzw. Wildsaison ausgerufen wird.
Was man nicht erwarten sollte: “Sterneküche”. Nein, die gibt´s hier nicht. Aber dafür eine grundanständig traditionelle Verpflegung mit allen fett- und kohlehydrathaltigen Unarten, bei denen Verfechter einer in Kalorienarmut verliebten Salatkultur oder missionierende Propagandisten der Yoga-und-Joghurt-Szene Depressionen kriegen.
Also liebe AnorexierInnen, BulimikerInnen und Hirsefreunde: Beachtet die Bannmeile rund um das Lokal, sonst verfallt ihr möglicherweise der Fleischeslust (auch wenn der ominöse Schwitzbad-Puff gegenüber auf der Heinsbergstraße seit einiger Zeit geschlossen hat - siehe dazu z.B. in: “Der Spiegel” Nr. 21/1978).
Hinzuzufügen ist, das der ganze Laden und auch die Küche stets und immer penibel sauber aussehen, daß man sich fast trauen würde, vom Fußboden zu essen. Das ist - zwar weniger berühmt als die Schnitzel - eine ganz bemerkenswerte und zu lobende Eigenschaft dieses vom Ambiente eher kolossal altfränkschen Freßtempels, die leider anderswo oft schmerzlich und nachhaltig zu vermissen ist!
Trotz aller Fülle und Überfülle ist der Service schnell und freundlich.
Und wer sein Riesenschnitzel nicht schafft, vergibt sich nichts, wenn er darum fragt, die andere Hälfte mit nach Hause nehmen zu können. Man kennt das dort beim Service, und diejenigen, die öfter kommen, machen das auch ganz selbstverständlich so. Man könnte sonst in die Gefahr kommen zu platzen, und selbst eine Tripelportion Underberg würde die Magenverrenkung wohl kaum noch beheben helfen. Außerdem wäre es eine Sünde gegen die Menschheit, soviel nahrhafte Verpflegung in die Mültonne zu werfen.
Wenn (ja wenn!) statt des zwar trinkbaren, aber eben nicht gerade zur Weltspitze der Kölschbraukunst gehörigen “Sünner” auch noch ein Superkölsch auf den Tisch käme (ich träume dann immer von Päffgen, und wenn ich ausgeträumt habe, wünsch ich mir Reissdorf), wäre der Andrang im Lokal wohl überhaupt nicht mehr zu verkraften. Es könnte vielleicht auch ein Premium-Pils dazukommen und bei der Sünnerbrühe bleiben - Alternativvorschlag. Ehrlich gesagt hab ich mich bisher nicht getraut, nach der Weinkarte zu fragen.
Wahrscheinlich ist das etwas suboptimale Bier also ein eingebauter Regulator des Gästezustroms, durch den überhaupt die Chancen erhalten bleiben, ab und zu ohne Reservierung zur Speisung zugelassen zu sein.
Neuerdings (seit März 2008 etwa) hat man - wie anderswo auch - “fermé le lundi” eingeführt, was also zu Beginn der Woche die potentiellen Kugelbauchorgien für einen Tag aussetzt.
Und für besondere Schnitzelfans gibt es auch noch einen “Schnitzelpaß”: Wer sich (Namenskarte, nicht übertragbar!) innerhalb eines Jahres zwölf Schnitzel reinpfeift und im Paß bestätigen läßt, kriegt ein dreizehntes Riesenteil als Dreingabe.
Insgesamt ist Oma Kleinmann in der Kategorie “Kölsche Eckkneipe” ein Star-Lokal. Mit leichtem Punktabzug von wegen Bier.
Summe: Vier komma fünf Punkte (halbe gibt´s leider nicht, daher vier).
Stichworte kult, restaurant, schnitzel, köln, riesenschnitzel, wild, gänsebraten, zülpicher str., kölsche eckkneipe, oma kleinmann
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