Bewertung zu Baretta - Matthias Meyer von Scipio

Baretta - Matthias Meyer, Susannenstr. 19, Hamburg

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13.07.2008 (aktualisiert am 26.07.2008)

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Das „Baretta“ befindet sich auf der bei Hamburgerinnen außerordentlich beliebten Susannenstraße. Außer den hier zu erwartenden Susannen treffen sich hier selbstverständlich auch die Petras und Marias von nah und fern. Ihr Erscheinen wird von Helga und Ruth besonders begrüßt: Sie schauen neugierig aus den Fenstern ihrer Zweizimmer-Wohnungen auf das Trottoir der kurzen, aber sehr lebendigen Gasse hinab, und hoffen, dass die Mädels da unten den Flirt mit ihnen aufnehmen. Auch Caner, der so genannte „Döner-Kaiser“ freut sich, wenn Susanne vorbeischlendert. Oder die blonde, langbeinige Janine, die erst vor einem Monat von Wismar nach Hamburg gezogen ist. Dass Ruth und Helga mit ihm konkurrieren könnten, hat Caner noch gar nicht bemerkt. Der Aufmerksamkeitswettbewerb mit dem immer lächelnden Friseur Cem bindet seine ganze Energie.

„Hallo!“, dort kommen ja Lisa und Silke, seit elf Uhr schon sind die beiden Zweiundzwanzigjährigen in ein Gespräch vertieft. Selbst den dringenden Anruf von Alex haben sie überhört. Die Blicke von der nördlichen Straßenseite müssen folglich auch ganz unbeachtet von ihnen abprallen. Sie plaudern über ihre Bekannte Laura und ihren neuen, „supersüßen Freund Marc“. Den hat „die blöde Ziege doch nur abbekommen, weil sie letztens im „Baretta“ dieses heiße Teilchen mit dem Sixties-Aufdruck gekauft hat”, bekommen ein paar Passanten unfreiwillig mit. “Wie fies! Spendiert hat es übrigens ihre Mutti Ulrike, die Marc für eine ganz gute Partie hält.”

Und was passiert als Nächstes? Unsere quirligen Studentinnen gehen auch ins „Baretta“, positionieren sich zwischen die ebenfalls Shopping-begeisterten Freundinnen Luzia, Franka und Frida und zaubern mit ihnen gemeinsam ein riesiges Geflecht aus Wortnudeln. In diesem verwickeln sich sofort der schüchterne Jan, der zurückhaltende Peter und der leise Frederic, die im “Baretta” ganz tapfer nach T-Shirts fahnden, mit denen sie gegenüber Lisa 2, Anja und Eva ihre Coolness unter Beweis stellen könnten.

Und jetzt trete auch ich noch dazu, möchte im Modeladen für Sie und Ihn ein Accessoire in einer speziellen Ausfertigung abholen, das ich vor drei Wochen bei Tina, Tabea oder Laetitia bestellt hatte. Nach zwei Wochen sollte es spätestens da sein, wurde mir versichert. Es ist aber noch nicht eingetroffen. Denn die Zollbeamtin Mathilde muss angeblich erst prüfen, ob es über die Grenze ins Land der Susannen, Petras und Marias hinein darf. Europäische Union hin oder her! Bevor ich allerdings die Auskunft erhalte, dass meine Order noch weitere 14 Tage Geduld von mir erfordert, muss ich ein Weilchen warten, eine Schneise in das wunderschöne Spaghetti-Wortknäuel schlagen, damit mich die drei Verkäuferinnen, -waren dieses nun Veronika, Helene oder Anna?- überhaupt bemerken. Denn die neckische Story, die ihnen gerade, die sehr lebhafte Pamela serviert, erscheint den Angestellten einfach tausendmal verlockender und köstlicher als mein schlichtes Anliegen.

Ja, ja, das „Baretta“! Es ist ein hübscher, kleiner Laden mit originellen T-Shirts, Kappen, Hemden, die man wirklich nicht überall findet. Ich gehe eigentlich mit Vergnügen dort hin, übe Nachsicht, denn der Aufenthalt in Hamburgs City unter all diesen Hennes & Mauritz, Adis & Nikes wird immer langweiliger.
In der Schanze ist es bunter, lebendiger, und gern helfe ich auch den kleinen Unternehmerinnen und Unternehmern durch den Kauf ihrer Waren. Ich würde mich allerdings in Läden wie dem „Baretta“ wohler fühlen, wenn Männer wie Jan, Peter, Ernst und ich aufmerksamer bedient würden. “Was meinst Du, liebe Susanne?”

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Kommentare (8) | Bedenklicher Inhalt? | Kompliment

Kommentare:

  • 13.07.2008, 20:36

    Da weder Lara noch Jessica, Jacqueline oder Marlen mit von der Partie sind, darf ich annehmen, daß man sich auch mit 40 noch in den Laden trauen darf?

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  • 13.07.2008, 22:29

    Ja, auch vierzigjährige Schönheiten sind vermutlich willkommen, wenn sie Geduld mitbringen und dieses ganz gleich, ob sie nun Sabine, Kerstin oder Elke heißen. Oder männlich sind.

    Vermutlich kennen sie die Stars, die auf den T-Shirts abgebildet sind, sowieso besser und genauer: Den Steve (McQueen), den James (Garner) oder die bezaubernde Ali (MacGraw).

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  • 13.07.2008, 22:35

    Ich hätte gern ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Google hilft bei Verkalkung und Ignoranz”. Das richtet sich dann an alle Altersgruppen.

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  • 13.07.2008, 22:39

    Okay. Das habe ich bisher nicht gesehen. Müßte für Dich eventuell am Zoll vorbeigeschmuggelt werden.

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  • 26.07.2008, 12:38

    Zwei Wochen später: Die Ware ist immer noch nicht da. Die Nachricht über das Ausbleiben der Lieferung muß mühsam erkundet werden. Storno. Schade, schade, Tina, Tabea oder Matthias. Aus drei Punkten wird ein Punkt.

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  • 02.08.2008, 12:43

    @Lakritze: Ich will das T-Shirt “Vinyl kills the MP3 industry”. Das habe ich bisher nur für ca. 35 Euro gesehen, was mir aber ein bisserl zu teuer ist.

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  • 02.08.2008, 13:33

    PJ, selbst ist der Mann -- mal mal.
    Schönes Motiv, jedenfalls.
    Cinema kills bittorrent …?

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  • 02.08.2008, 19:03

    @Lakritze: Ich habe selbst schon dran gedacht, mal einen befreundeten Grafiker anzuhauen, der sich mit T-Shirts auskennt. ;-)

    Der Kino-Spruch ist auch super. Soll ich den gleich für dich mitbestellen?

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