Bewertung zu Villa Rilke von wanderer

Villa Rilke, Via Cernizza 75/a, 34013 Duino

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wanderer

Kompliment wanderer (25.07.2008) 2

Villa Rilke war unsere Wahl - Eltern, 2 Töchter - um im Sommer 2008 für eine Woche die schönsten Umgegenden und Highlights des südöstlichen und küstennahen Friaul und Triests zu erkunden. Die Kaiser-Suite mit Küche für die Eltern sowie ein Doppel für die beiden Töchter. Vorweg gesagt, wir werden der Qualität wegen zukünftig wieder nach Cormons zurückkehren, wo wir im Felcaro oder La Subida bereits seit vielen Jahren Kurzurlaube verleben und uns gut aufgehoben fühlen.

Die Auswahl und die Abwechslung zur Villa Rilke war unter anderem aufgrund der vorliegenden Kundenbeurteilungen (Italien B&B) aber auch dem Wunsch nach Küstennähe folgendend getroffen worden; welch eine irrtümliche oder lobhudelnde Benotung im Gegensatz zum Erlebten.

Die Villa liegt in einem Wohngebiet in unmittelbarer Nähe der Autostrada sowie der vielbefahrenen Bundesstraßen zwischen Monfalcone, Triest und Slowenien. Äußerlich ist es ein schönes Anwesen, betrieben von 2 jüngeren Leuten (Tomaso und Manuela), aber den ganzen Laden schmeißt letztendlich ein älteres Ehepaar aus den italienischen Dolomiten, die über den Sommer dort gegen Lohn und Logis ordentliche Dienste leisten. Tomaso und Gattin sind selten erreichbar, am Wochenende überhaupt nicht. Wir erreichten Duino am Mittag, aber niemand war da, um uns zu empfangen; erst mit der Hilfe eines Nachbarn (italienisch vorausgesetzt) tauchte die ob der Störung sichtlich verärgerte Gattin des Betreibers auf. Da wir an prominenter Stelle wohnten, konnten wir dieses Procedere bei nahezu jeder Anreise wiedererleben.

Die Fotos der Villa sind geschickt optisch verzerrt in Szene gesetzt, wenn auch Pool und Grundstück von dem besagten Senior gut gepflegt werden. 6 kleine Fremdenzimmer finden Platz. Die Kaisersuite zum stolzen Preis von € 90.- je Nacht (allerdings incl. einem Frühstück(chen)), war mit einem Doppelbett und einem kleinen 1-m-Kleiderschrank ausgestattet; für das Urlaubsgepäck von 2 Personen total knapp bemessen. Für leere Koffer ist nur Platz unter dem Bett. Die Küche in der Suite steht als Zeile mit 50 cm Abstand am Fußende des Bettes und ist aus vielen Einzelelementen zusammengezimmert. Kochen im Schlafraum ist aus unserer Sicht eine unzumutbare Konstellation; das hat den Plan, selbst Gekauftes selbst zu kochen vollkommen verworfen; also blieb die Küche kalt. Der Ausgang der >Suite< zum Balkon - als direkter Zugang zum Pool gelobhudelt - wurde mit sicherer Regelmäßigkeit als Haupteingang des Hotels (?) von interessierten Kunden, missverstanden. Aber da hatten sie zumindest jemanden, der sie in Empfang nahm. Dort stand ein Tisch für 4 Personen, der aber verwittert und sehr ungepflegt war.

Ein weiteres und ärgerliches Manko in unserer >Suite< war die Hellhörigkeit. Toilettenspülung und Badbenutzung sowie die begleitenden Geräusche der über- und nebenwohnenden Gäste waren 1:1 hörbar. Vor 1 war an´s Schlafen nicht zu denken.

Was ist denn schön an Duino? Das Schloss ist toll; der Rilke-Weg ist ein Erlebnis und der Hafen von Duino mit der Dama bianca und dem Cavallinho sowie die Bar haben etwas von Saint Trop. Aber dafür sind auch die Preise dort bemerkenswert (Espresso 2,10; Spritz Aperol 4,50; Cola 2,80; Cynar 4,70 usw.) Essen im Sommer in den typischen Restaurants und Osmizze kann man getrost vergessen; die meiden den Touristenstrom und schließen während dieser Zeit.

Aber, hinfahren im Frühjahr und Herbst lohnt sich, nehmt Rilke nur für 1 Nacht; lasst das Holidy Inn an der Autobahnabfahrt bloß den Amis und Aussies. Fahrt in die kleinen Winzerorte im Karst - bitte italienisch lernen, sonst können Karte und Keller nicht ausgekostet und hinreichend gelobt werden. Und wenn ihr Lektüre sucht; Veit Heinichen hat mit der angesagten Köchin Triests, Ami Scabar, ein tolles Buch über die Leute und das Essen geschrieben >Triest-Stadt der Winde< sowie der Schauspieler Erwin Steinhauer und der Schriftsteller Günther Schatzdorfer >Einfach.Gut<, das allerdings auch das gesamte Friaul mit Kurzgeschichten einbezieht. Übrigens Schatzdorfer wohnt in Duino, und ihr könnte ihn täglich im Cafe Castello treffen, wenn er nicht gerade unterwegs ist.

Das Friaul hat unsere Liebe, und wir fahren nahezu 20 Jahre dort hin. Leider entdecken immer mehr >Öberflächler und Pseudokulturler< das wunderbare Nord-Ost-Land Italiens, und die Preise purzeln bergauf; wir ziehen uns wieder in die Vorberge der Alpe Karni zurück, denn dort finden wir wenig Anbieter und Nutzer Chickeria.

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