Bewertung zu Fischereihafen Restaurant Kowalke GmbH & Co. von Schnuppidu

Fischereihafen Restaurant Kowalke GmbH & Co., Große Elbstr. 143, 22767 Hamburg

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28.08.2008

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Nach dem Büro wollten wir ein Bier trinken gehen, eine Kleinigkeit essen wäre auch schön. Wir ließen uns treiben, an der Elbe entlang, vorbei am Henssler, am Rive, am neuen Marseille und den vielen anderen Lokalen/Restaurants, die sich in den letzten Jahren an der Elbmeile angesiedelt haben.

Vorbei auch an Christine, die im bemerkenswerten Alter ihren dafür nicht minder bemerkenswerten Körper vor den abgeschlossenen Rollgittern der Großen Elbstraße feilbietet.

Und dann stehen wir vor dem Restaurant, das gefühlt schon immer hier war. Bevor der Hafen chic wurde, bevor die Neubauten überwiegend aus Glas konstruiert wurden, bevor der Straßenstrich sich direkt vor der Tür in Luft auflöste.
Und zwar direkt neben den langgezogenen Fischhallen, wo jede Nacht bzw. jeden frühesten Morgen frischer Fisch angelandet wird. Frischer Fisch ist für den Restaurantchef hier daher nur ein Gang über die Straße.

Vor der Tür, mit weißer Kapitänsmütze, begrüßt der Wagenmeister freundlich. Er parkt Autos der Gäste um, hilft äußerst betagten Damen oder Herren die steile Treppe zu erklimmen (es steht sogar ein Treppenlift parat), um die heiligen Hallen der Herren Kowalke - Rüdiger, der Vadder, und Dirk, der Sohn - sicher zu erreichen.

An der Fischkörperklinke ziehen wir die schwere Tür auf, Kowalke senior begrüßt jeden Gast persönlich, trägt Schlips ohne Jackett, ist braungebrannt und hat eine äußerst gewinnende Art. Nicht reserviert, zwei Plätze sind nicht frei, das Restaurant - es ist ein Mittwoch gegen 20 h - ist voll. “Das wird gleich, setzen Sie sich kurz an die Oyster Bar, der nächste Tisch geht an Sie”, sagt er, während er uns dorthin begleitet. An der Oyster Bar gibt es nur Drinks, Austern und enorme viele Fotos mit prominenten Besuchern aus den letzten 27 Jahren.

Dort werden wir von Ricci, DEM Barchef, der gute 50 Jahre alt sein mag, stilecht Fliege trägt und seit Beginn im Jahre 1981 mit an Bord ist, in Empfang genommen. Eine derartig angenehme Art habe ich einem Restaurant noch nicht erlebt, leicht und aufdringlich konversiert er, hat alles im Blick ohne je unaufmerksam im Moment zu sein. Wir fühlen uns schon jetzt pudelwohl.

Glücklicherweise wird kein echter Tisch frei und unter Entschuldigungen deckt man uns den besten Platz - aus unserer Sicht - des Hauses ein. Direkt neben der Bar - eigentlich in der Bar - sind zwei höhere Tische, einen davon bekommen wir. Sitzen auf einer hohen gepolsterten Bank, mit dem Rücken an Fotografien von Prinz Charles und Helmut Kohl gelehnt.

Dieser Platz darf getrost als Zentrum, als Marktplatz, als die Klatschzentrale, als der Beobachtungsposten des Fischereihafen Restos bezeichnet werden. Drei Kellner decken in Sekundenschnelle dicke Leinenservietten, Gläser, köstliches Brot und delikaten Dip.

Im Laufe des Abends kommen der Chef persönlich oder auch seine äußerst attraktive Frau, die in diesem Familienbetrieb als Restaurantchefin ebenfalls omnipräsent ist, mehrfach vorbei, um sich nach unserem Wohlergehen zu erkundigen.

Von der Karte wählen wir mehrere Kleinigkeiten, beginnen mit sechs Sylter Royal, die - so lernen wir - jetzt noch ziemlich klein sind, ab April aber wirklich dick daher kommen. Auf den Preis hat das keinen Einfluss, 3,00/Stück, egal in welcher Jahreszeit.

Danach Bouillabaisse, randvoll mit Fisch und Meerestieren, köstlich. Zum Abschluss zwei Matjes auf Schwarzbrot mit Apfelschmand, zum Niederknien, wenn man Fisch mag.

Nach ein paar prima gezapften Beck´s haben wir auf Empfehlung von Ricci alias Richard Chaniewski jetzt einen Grauburgunder von Schneider am Wickel, es ist ein ständiges Kommen und Gehen, fröhliches Verabschieden, alle Gäste machen den Eindruck als hätten sie einen herrlichen Abend verlebt. Bekannte kommen vorbei, ein kurzer Schnack und weg sind sie.

Inzwischen - wir haben noch eine Flasche von Herrn Schneider auf dem Tisch sowie sechs letzte Austern, die der Patisseur für uns geöffnet hat - sind fast alle weg, nur Ricci und Frau Kowalke kümmern sich fürsorglich um eine kleine Geburtstagsgesellschaft, die uns gegenüber fröhlich den geschenkten Hula-Hub-Reifen für die flotte, nicht mehr ganz junge Mutter, feiert, was alle amüsiert. Nur ihr Schoßhündchen bellt beleidigt, musste es doch den Platz an Frauchens Busen für den Hula-Test verlassen.

Wir ordern die Rechnung, die zweite Flasche geht auf´s Haus. Das ist großzügig, wir haben uns sowieso wohlgefühlt, in Gedanken schon diesen Tisch für mindestens einmal in jedem der noch kommenden Lebensmonate reserviert und Ricci, ehemals Barchef im Atlantic und der legendären Hamburger Insel, hat das ohne Not erkannt, belohnt und aus unserem Vorsatz eine feste Reservierung gemacht.

Das Fischereihafen Restaurant ist eine Institution, angestaubt, piefig, so die allgemeinen Vorurteile von Unwissenden. Komplett wiederlegt, kein Restaurant für junge Leute, aber mit absolut erstklassigem Service, den man für seine Art nicht hoch genug loben kann, stets frischer Küche und mehreren Flagschiffen in verschiedenen Teilen des Hauses ausgestattet. Kurz zu den Preisen, Hauptgerichte liegen zwischen 15 - 30 Euro, Labskaus sogar noch darunter.

Um einen so exzeptionell schönen Abend zu verbringen, müsste man in Hamburg sonst zu Frau Süße in die Schlachterbörse gehen.

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Kommentare:

  • 01.09.2008, 19:34

    Ich mag keinen Fisch, darum kein “hilfreich” ;-)

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  • 17.09.2008, 16:30

    Ich fand die Soßen dort sehr langweilig… hat mir aber Spaß gemacht, die Bewertung zu lesen.

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