Bewertung zu Musee Renoir von mostro

Musee Renoir, Chemin des Collettes, 06800 Cagnes-sur-mer

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mostro

mostro (07.01.2007) 5

Wie stellt sich ein Künstler das perfekte Leben vor? Sicherlich gibt es darauf viele individuelle Antworten, jedoch werden sie alle (es sei denn man trifft auf einen suizidalen No Future - Artist) eher dahin tendieren, daß man als Kulturschaffender in der Kunst vollkommene geistige und inhaltliche Erfüllung gepaart mit subjektivem und objektivem Erfolg erleben möchte - in Einheit mit gleichzeitiger innerer und äußerer Glücklichkeit auch in Dingen, die primär nicht die Kunst involvieren (bäh, klingt das hochgestochen, also: "Kunst gut, auch sonst gut").

Renoirs Leben scheint so ein lächelndes Schicksal zu verkörpern. Die wunderbaren Gabe, warme Farben elegant zu kombinieren und gleichzeitig in erlesen und elegant fließenden Formen zu komponieren wurde von der Gesellschaft schnell mit Lob und öffentlicher Anerkennung beantwortet (sieht man von den -eher kommerziell zuträglichen- Diskussionen über seine Hautfarbtöne im Rahmen der ersten Pariser Salons ab). Renoir war somit in der Lage, gut von seiner Kunst leben zu können und bekam permanent Bestätigung von außen. Es ist aber nicht überliefert, daß er hochmütig wurde - seinen Bildern zufolge wurde er nur noch ästhetizistischer und genussvoller.

Dazu passt, das er -im 66.Lebensjahr (!!)- 1907 ein "kleines" provencalisches Anwesen erwerben konnte, die "Domaines des Collettes" auf einem Hügel nahe Cagnes.

Vor der Zeit des allgemeinen Provence-Hypes war hier viel Platz, und vom Hügel hatte man einen wunderbaren Blick über grüne Ebenen und weiße Fischerdörfer bis hinunter nach Biot (später malte hier Fernand Leger) und Antibes (siehe Picasso).

Renoir residierte im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern aber recht luxuriös. Eine wunderbare zweistöckige aprikosengelbe Villa mit unzähligen Räumen und gleich zwei Ateliers, ausgestattet mit damals modernster Technik und allerlei Podesten für seine schönen Modelle (die mit den weichen langen rötlichen Haaren, die immer nur badeten, ruhten oder Klavier spielten, da möchte man sofort tauschen!!).

Renoir war offensichtlich ebenso vom Ganzen begeistert wie ich - er blieb einfach den Rest seines Lebens (er starb hier 1919), auch seine Arthritis war hier wohl besser zu ertragen.

Das gesamte Haus inklusive Mobiliar ist netterweise im Original erhalten geblieben und hier ebenso wie zahlreiche Malereien, Zeichnungen, Skulpturen (selten bei Renoir!) und Photographien zu bewundern. Der Geist des Hauses ist wirklich unangetastet geblieben und man fühlt sich innerlich exakt in die Zeit des Impressionismus zurückversetzt.

Das Grandiose des Ortes besteht aber vor allem in dem -ebenfalls vollständig erhaltenen- Garten des Anwesens: Drei Hektar Hügel mit wunderbar knorrigen uralten Olivenbäumen auf lieblichen Wiesen - man streift langsam umher, bewundert die verdrehten Stämme, die ausgetrockneten Kerben der Rinde, die skurrilen Formen der Äste und legt sich sinnlich ins Gras, verharrt, geht und blickt behutsam weiter - und verbringt ganz ruhig einen ganzen impressionistischen Tag im schweren Licht des Südens...

Dieser Platz ist unvergleichlich, vor allem wenn man dann in die neuzeitliche Zivilsation "zurückkehrt" und erlebt, was Massenandrang und Bauwahn aus den Refugien von Matisse bis Cezanne zwischen Vence und Aix gemacht haben. Ich werde hierher immer wieder kommen und die Zeitreise mit dem Geist Renoirs in vollen Zügen geniessen. Jeder Besucher sollte hier in jedem Fall mindestens 3 -4 Stunden einkalkulieren!

Wer die Kunstgeschichte nicht auswendig beherrscht, kann Sonntags um 10 und 12 Uhr auch Führungen mitmachen.

Und für Cineasten: Jean Renoir drehte im Garten 1959 seinen letzten Film: "Le Dejeuner sur l´herbe" - der Titel sagt alles......

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Kommentare (2) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: Cem Basman

Cem Basman

08.01.2007, 15:33

Ist bei mir sofort auf der Merkliste gelandet. ich habe mir zudem die Freiheit erlaubt das entsprechende renoir Bild hochzuladen. Sein Bild vom Haus in Cagnes (1908–14) aus dem MoMA in NYC. Ich habe dort es gesehen, übrigens.

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Benutzerfoto: Cem Basman

Cem Basman

08.01.2007, 15:37

Ups, das kommt davon, wenn man in Gedanken schon drei Häuserblocks weiter ist. Das Bild hängt natürlich im Metropolitan (Met!) Museum of Art in NYC.

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