Spielzeugmuseum in der Speicherstadt, Kehrwieder 4, 20457 Hamburg
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12.10.2008
“Warum in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah” - das könnte meine Entdeckung des Jahres in Hamburg umschreiben, die mir Ende September 2008 ganz unverhofft gelang.
Eigentlich war ein Besuch des Miniatur Wunderland geplant, da ich nach Teilnahme an der Veranstaltung “Hauptsache Kultur - 10 Jahre Bundeskultur” in Berlin und der Rückreise nach Hamburg noch 1/4 Tag Urlaub zu überstehen hatte, bevor ich um 14 Uhr wieder zur Arbeit s(w)ollte. Aufgrund schlechten Wetters (das war die Woche mit dem Dauernieselregen) die geplante Tour mit der No. 62 auf der Elbe nach Oevelgönne ins sprichwörtliche Wasser gefallen, sollte die Modelleisenbahn mir den Resturlaubstag verschönern. Ankunft kurz nach 10.00 Uhr … und bereits mehr als 40 Minuten Wartezeit.
Was nun? Zum Glück hatte der Fahrstuhl auf dem Weg in den 3ten Stock kurz im 2ten des alten Speichers gehalten und ich hatte einen Blick auf das Schild “Die Dachbodenbande” erhascht. Was mag das sein? Egal, ich wollte zur Eisenbahn. So aber verschreckt von zuviel Wartezeit, Regenschauer draussen und noch 3 1/2 Stunden rumzukriegen, war klar: die Dachbodenbande hatte mein Interesse geweckt.
Der Eingang - ein bärtiger Typ am Tresen, 6 Euro Eintritt (“naja, egal, das machen wir jetzt einfach mal”) und eine schwere Dachbodentür, die es aufzustemmen gilt … und dann: UNGLAUBLICH, einfach unglaublich: ich stehe in einem Raum, der bis an die Decke gefüllt ist mit altem Spielzeug. Spielzeug, Spielzeug, Spielzeug … wohin ich auch schaue.
Scheinbar zufällig dahingewürfelt - alte Puppen, Holzspielzeug, Laster, Metall-Eisenbahnen, alte Lampen, Schaukelpferde, alte Illustrierte, abgenutzte Plüschtiere. Bald sehe ich, dass hier nichts “scheinbar” ist, sondern liebevoll arangiert - inszeniert auf einem Dachboden als Gesamtkunstwerk, begehbar, erlebbar.
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Aus dem Prospekt möchte ich zitieren:
“Das Spielzeugmuseum lebt von der Aura der Gegenstände aus vergangenen Zeiten. Bespielt, beschädigt, geliebt und vergessen. Altes Spielzeug kann uns in die Lage versetzen, uns zu erinnern, lang vergessenen Gefühlen aus Kindertagen nachzuspüren und uns selbst zu begegnen.” -------------------------------
Das mache ich dann - fast 3 Stunden lang versinke ich einer Traumwelt. Angefüllt mit Spielzeug bis zum Abwinken - nicht unbedingt Kindheitserinnerungen (obwohl auch etwas Plastikspielzeug dabei ist) aber doch Gegenständen, die danach rufen, in die Hand genommen zu werden. Ob dies hier erlaubt oder gewollt ist, wird nicht klar, aber dies Museum ist wie kein zweites: keine Ausstellungsstücke “geordnet” in Vitrinen präsentiert in keimfreier Atmosphäre, sondern ein Eintauchen in ein Wunderland.
Man merkt meine Begeisterung mir wohl an.
Am Empfang wieder angekommen, kaufe ich noch ein Blechschild des Museums mit dem Logo - darauf 8 Plüschtiere. Abgetragen und bespielt sitzen sie in einem Blechtretauto auf einer der Speicherstadtbrücken - als ob sie dabei sind, in eine neue Welt aufzubrechen. Diese allerdings findet der Besucher in diesem Museum - unerwartet und beglückend … eine Reise durch die Zeit.
Fazit: dieses Museum ist eine unglaubliche Bereicherung für die Hamburger (um nicht zu sagen Deutschlands) Museumslandschaft. Möge es noch lange bestehen.
Einen Förderverein habe ich bereits angeregt - ich könnte mir durchaus vorstellen, per einmaligem Jahresbeitrag so oft wie ich möchte wiederzukommen und einzutauchen in dies Gesamtkunstwerk.
P.S. Fotos folgen umgehend.
Veröffentlicht auf: twitter.com/cps2006
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