Kompliment
mostro (02.03.2007) •••••4
Spielzeugläden. Fast jeder wird sich an seine Kindheit erinnern. Das Paradies. Einmal eine Nacht durch die Gänge zwischen den hohen voll gestopften Regalen räubern dürfen. Alle Dinge aus ihren Kästchen nehmen, auspacken, Verpackungen aufreißen, mitnehmen, und natürlich auch mit der Beute spielen – aber angesichts dieser Fülle begehrenswerter und oft unerreichbarer Schätze erwachte eher die Besitzgier des potentiellen Piraten, der das Juwel seinem schimmernden Hort hinzufügen möchte.
Von derlei Begehrlichkeiten befreit betritt man völlig entspannt den Laden hinter der kleine Fassade am Eingang zum Schanzenviertel (oder Ausgang, je nach Perspektive) und dringt langsam in das Gewirr zwischen hohen Holzregalen ein. Wer hier einen dogmatisch politisch korrekten Alternativspielwarenladen erwartet hat – mit ökologischem Holzspielzeug, Juteschnullern und grauen Pappschachteln um rauhwollenen Rubbelteddys- wird schnell enttäuscht.
Hier findet sich von jedem etwas, zwischen braven WWF-Plüschtieren thront ein greller Plastikfrosch made in Sri Lanka, technokratische Blechfahrzeuge paaren sich mit pädagogisch wertvollen Marabufarben, neben eitlem rosa Puppengeschirr hängt ein unförmiger Wollwolf von der Decke, bei den Gesellschaftsspielen fallen angenehm auch unbekanntere Versionen auf, zwischen „Venedig“ und „Fischmarkt“.
Ich kaufe verspielt einen metallenen Notarztwagen für meine alte Freundin Sabine (die mit dem türkischen Imbiss, siehe „Lades“), die mit diesen Fahrzeugen regelmäßig durch die rauhe holsteinische Nacht rauscht, nebenan lockt noch eine Flut von Kinderbüchern, aber zuhause wartet der neue Roman von R. Goddard auf mich, also verzichte ich…
Stichworte
schanze, kinder, bücher, spiele, buch, holz, kind, kleinkram
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