Kompliment
mostro (29.03.2007)
Pompeji – ein gewisser Hauch von Abenteuer und Düsternis geht von diesem Namen aus, gar nicht passend zu der trockenen Hitze, in der man südlich von Neapel an den Eingang des ausgedehnten Grabungsgeländes gelangt. Im Jahre 79 n. Chr. Wurde die reiche Stadt innerhalb weniger Tage durch die Asche des Vesuvs verschüttet, meterhohe Schichten begruben Häuser, Paläste, Stadien tief unter sich, viele Menschen konnten sich nicht rechtzeitig retten und die Überlebenden der Katastrophe waren nur zu einem geringen Teil bereit, wieder an diesen Ort zurückzukehren und ihre Schätze dem Boden zu entreißen.
Somit ruhte diese Stadt über 1500 Jahre im Erdboden und wurde erst ab 1750 systematisch ausgegraben, zunächst als Schatzsuche, später auch im wissenschaftlichen Interesse. Bis heute wurden 80% der alten Stadt freigelegt, dennoch gibt es immer wieder Überraschungen bei den Grabungen – ich selbst war innerhalb von 20 Jahren zweimal da und beim Wiederkehren extrem erstaunt über die Ausmaße, die der Stadtplan mittlerweile angenommen hat.
In Pompeji wird die Geschichte, die man sonst mit Abstand aus Büchern gelernt hat plötzlich zu etwas begreifbarem. Die Häuser, die Steinblöcke, die Straßen – alles spiegelt ein reales Alltagsleben wider, nicht abgehobene Riten wie in Tempeln oder unmäßigen Reichtum wie in Palästen, die anderswo zu besichtigen sind – hier sieht man die Bäckerei, die Schmiede, die Werkstätten, kleine Villen, Bäder, ei Kornsilo mit Wiegestelle (Horreum), das Haus des Chirurgen und vieles mehr, das einem das antike Leben dem heutigen vergleichbar macht. Alles liegt natürlich weitgehend in Ruinen, aber die Weite der Stadt erzeugt eine dichte Intensität, ein Realitätsgefühl, dass einen manchmal sogar traurig über den Verlust dieses blühenden Lebens werden lässt!. Dazwischen sind immer wieder erhaltene Kunstwerke zu bewundern, tiefrote Wandmalereien, Mosaikböden in Wasserbassins, die berühmte tanzend teuflische Statue des Fauns in der gleichnamigen Villa. Besonders beeindruckend: Die Vorläufer des Zebrastreifens. Hohe Steine, die quer über die Straße liegen, genau im Abstand der standardisierten Wagenachsen, damit die Bürger trockenen Fußes über die dreckige Fahrbahn gelangen konnten – genial und so real!
Natürlich kommen dann auch Pracht- und Sakralbauten. Wer die Bauten von Paestum nicht weit von hier gesehen hat, wird die Tempel von Jupiter, Apollo und Isis (!) nicht ganz so beeindruckend finden, immerhin gibt es zwei Theater (piccolo und grande mit immerhin 5000 Plätzen), mehrere Bäder (Terme Stabiane), Hauptplätze und vieles mehr – das Beeindruckende liegt auch hier weniger im Detail als in der historischen Kraft und Vollständigkeit dieser Ruinenstadt!
Man sollte unbedingt mit einem Stadtplan unterwegs sein, die Straßenzüge können in der Hitze sehr lang werden, und es ist sehr heiß hier, wo keine schattenspendenden Grünpflanzen vorhanden sind. Pompeji ist wirklich eine Aschewüste! Und die Gastronomie auf dem Gelände ist teuer und nicht besonders gut, daher besser Vorräte mitbringen. Für den Besuch sollte man mindestens 3 Stunden einplanen, besser noch mehr - ansonsten gibt es viele weitere Attraktionen in der Gegend: Herculaneum, den Vesuv, Neapel, Paestum, Ischia, Capri – man sollte also länger in dieser Gegend verweilen – außerdem ist die Amalfi-Küste so schön…
Stichworte
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