Bewertung zu Hamburgs kleinstes Kaufhaus von mostro

Hamburgs kleinstes Kaufhaus, Bahrenfelder Str. 207, Hamburg

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Benutzerfoto: mostro

mostro

Kompliment mostro (12.04.2007) 3

Diesen Trödelladen als Kaufhaus zu bezeichnen entbehrt nicht einer gewissen Verwegenheit, deren Anwendung aber in gewisser Weise Aufmerksamkeit der Passanten und damit Erhaltung des Geschäftes über mehrere Dekaden garantiert hat. Erstaunlich ist zunächst einmal, daß sich das verwinkelte Geschäft über eine ausgedehnte Fassadenlänge erstreckt - in Zeiten, wo in Ottensen alles, was sich nicht bewegt in ein Straßencafé verwandelt und/oder zu horrenden Mietpreisen angeboten wird, ist das wirklich verblüffend. Man drängelt sich hier zwischen enggestellten Holzregalen durch eine Szenerie, die in etwas die Summe von 250 Flohmarktständen mit Standargroßmutterequipment der 50er bis 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts widerspiegelt. Kleinkram aller Art ist sortiert und in engster Aufstellung in die Regale gequetscht, von Miniaturtrödel (Fingerhüte aus Keramik in allen Designs) bis zu teilresaruerten Antikmöbeln gibt es fast alles. Zum Teil sind da skurrile Dinge, deren Ausstellen nur damit erklärbar ist, daß es entweder nirgendwo sonst ein Depot dafür gab oder daß tatsächlich Menschen das Bedürfnis haben, ihre vergilbtplastikbeschaffene Kaffemaschine von 1927 durch genau das gleiche Fabrikat zu ersetzen. An den Decken baumeln fröhlich wie umgedrehte Pilzwiesen Glaslampen aus der Zeit vor 1960 herdenweise und warten auf die nächste Retrowelle. Daneben drängeln sich Likörgläschen zu Tausenden, fertig für einen kleinen Sherry vor dem Nachmittagstee, der nie serviert werden wird. Dazwischen gibt es dann echten Schrott: Hochwertige Arztromane und rosafarbene T-Shirts - ein Muß für den geplagten Zeitgeist.... schnell hinaus in die Frühlingssonne!

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Kommentare (2) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: heifisch

heifisch

13.04.2007, 20:41

klingt fast wie die Beschreibung einer dieser super-hippen Möbelläden in Berlin-Mitte, in denen ich jedes Mal angegruselt vor grellorangen Lampenschirmen, grausligen Sofas mit schrecklichen Bezügen stehen bleibe und mit Erstaunen feststelle, dass es junge Leute gibt, die dafür Geld ausgeben wollen. Hey, come on: Meine Eltern haben mich mit "Jugendmöbeln" und "Deko-Tapeten" gequält, als ich mich noch nicht wehren konnte. Da geh ich doch nicht in ein Geschäft und kauf mir genau den gleichen Kram nochmal! (Womöglich würde ich in dem Geschäft meinen Sofatisch wiederfinden inklusive der Zahnspuren meiner Meerschweinchen und den Tintenflecken von den Mathehausaufgaben....

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Benutzerfoto: Hilfsarbeiter

Hilfsarbeiter

14.04.2007, 21:18

Deine Schreibe ist wirklich genial! Plastisch, als wäre ich selbst da gewesen. Eine Erlebniswelt. Da macht dann das Flüchten in die aktuelle Zeit wirklich wieder Sinn. Der Kontrast als Pfeffer und Salz im Einheitsbrei?

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