Bewertung zu Tilsiter Lichtspiele von Sven K.

Tilsiter Lichtspiele, Richard-Sorge-Str. 25, 10249 Berlin

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Benutzerfoto: Sven K.

Sven K.

Kompliment Sven K. (23.05.2007) 4

Ein Programmkino. Ein Programmkino mit Kneipe in der Richard-Sorge-Straße. Die Richard-Sorge-Straße liegt im Ostteil Berlins, im (momentanen) Niemandsland zwischen dem gerade boomenden Simon-Dach-Kiez und dem schon länger angesagten Prenzlauer Berg. Da gibt es nicht viel, da ist Berlin sehr ruhig. Es gibt Dönerbuden, Billigsupermärkte, dauerbetrunkene Eckensteher mit ihrem letharischen Blick, Mutter-Kind-Cafés und Kindertagesstätten. In erster Linie ist dieser Teil von Berlin-Friedrichshain nämlich ein Wohnviertel, wo in den letzten Jahren viele junge Familien mit vielen jungen Kindern zuziehen. Ein Gründerzeitwohnhaus nach dem anderen wird hier renoviert, aber in den Erdgeschossen, dort wo normalerweise Laden- und Kneipenlandschaften entstehen, ist dort noch nicht viel geboten.

Die TILSITER LICHTSPIELE indes gibt es schon lange, schon seit 1910, lange bevor es die DDR gab und als die Richard-Sorge-Straße noch „Tilsiter Straße“ hieß. 1961 stillgelegt, ist der Laden seit 1994 wieder ein Kino – mit einem sehr ansprechenden und mit viel Kenne ausgewähltem Repertoire an Autorenfilmen. Die angeschlossene Kneipe, im Sommer mit ein paar Bierbänken im Schatten der Alleebäume auf dem Trottoir der Straße, lädt aus eigenem Recht zum Verweilen, und während man im Innenraum sein Bier trinkt, kann man erleben, wie am Nebentisch das Kinoprogramm des nächsten Monats geplant wird. Wenn man denn will. Man kann aber auch einfach sein Bier trinken an einem Tisch in eben dieser einzigen Kneipe der Richard-Sorge-Straße.

An der Wand verkündet ein Email-Schild „Rauchen bis auf Widerruf erlaubt“. Man sieht es, lächelt, und zündet sich entspannt eine Zigarette an. Die Flügeltüren zur Straße stehen weit offen.

In der „Tille“ wird die Welt größer und man vergisst, dass man sich in einem der desperatesten, oft in seiner Larmoyanz selbstbezogensten Teile Ostberlins aufhält. Und man hofft, dass mehr solcher Läden in den Erdgeschossen der Richard-Sorge-Straße eröffnen. Läden, wie die Leute, die dort mehr und mehr zuziehen.

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Kommentare (8) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: skizze

skizze

19.05.2007, 22:13

Ja! Und nicht zu vergessen den Tilsomaten im Eingangsbereich, und das man das Bier von der Kneipe mit ins Kino mitnehmen darf, in dem zumindest eine Reihe it Tischen und jeder Menge Beinfreiheit ausgestattet ist!

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Benutzerfoto: Björn Schmuck

Björn Schmuck

23.05.2007, 00:31

Komme gerade wieder mal aus der "Tille". Bin dort sehr gerne... und das kino - beinfreiheit deluxe.

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Benutzerfoto: punk

punk

29.05.2007, 10:28

Mal ein paar Korrekturen vorneweg: Flügeltüren gibts da keine, bloß eine nach außen öffnende Doppeltür mit großen Fenstern. Es gibt noch ne zweite Kneipe in der Richard-Sorge, diese Bayernkneipe anne Ecke Straßmann.

Jaja, ansonsten bin ich auch ganz gerne im Tilsiter, aber die sanitären Anlagen lassen doch wirklich sehr stark zu wünschen übrig. An manchen Tag kann man den urinalen Gestank sogar auf der Straße wahrnehmen! Könnte wirklich nicht schaden das Klo wenigstens einmal die Woche zu reinigen!

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Benutzerfoto: Sven K.

Sven K.

29.05.2007, 16:11

Vorauszuschicken ist, dass die Toiletten in den TILSITER LICHTSPIELEN sauber sind und nicht muffeln. Man sieht den Räumen – wie dem ganzen Lokal, ihre Jahre an, aber alles ist gepflegt und sauber.

Das angesprochene zweite Lokal, eine Eckkneipe an der Ecke Strassmannstrasse/Richard-Sorge-Straße ist eine mäßig besuchte, in die Jahre gekommene, gutbürgerliche Bierkneipe. Nicht zu vergleichen mit den TILSITER LICHTSPIELEN.

Das Lokal trägt den irritierenden Namen ZUM SAUPREUSS kommt von außen, freundlich ausgedrückt, unscheinbar daher. Die Lichtreklame erzählt, dass dort Berliner Kindl serviert wird. Versucht man von der Straße her hereinzuschauen, muss man über die auf Augenhöhe angebrachten Bistro-Vorhänge in den Fenstern hinweglugen. Dahinter sieht man Eichentische und -stühle (oder ist es Furnier?), die Wände sind ockergelblich gestrichen (oder ist es Nikotin aus zwanzig Jahren?). Die massive Eingangstür ist schmucklos in ein Portal aus Messinglook- Metallpaneele gefasst. Über der Tür wurde vor Jahren ein tellergroßes, rundes Loch ausgefräst und gähnt dort immer noch – wahrscheinlich gab es im SAUPREUSS irgendwann mal eine Klimaanlage. Es ist absurderweise so, dass in solchen gutbürgerlichen Lokalen die Toiletten meistens so garantiert sauber sind wie der Gastraum unsäglich muffig. Das, und das ist mit jedem Lokal so, finden die einen gemütlich, andere nicht. Ich denke, wer in der Richard-Sorge-Straße die TILSITER LICHTSPIELE gut findet, wird nicht zum Stammpublikum des SAUPREUSS gehören, und umgekehrt.

Wenn es in der Richard-Sorge-Straße übrigens nach Urin riecht, dann nur wenn der Wind ungünstig zu den Alleebäumen steht, an denen sich im Umkreis der Kioske, Imbisse oder des Getränkemarktes tagein, tagaus ein Rudel dauerbetrunkener Büdchensäufer ungeniert erleichtert.

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Benutzerfoto: punk

punk

03.06.2007, 21:35

Ok, die Erklärung zum Gestank halte ich für plausibel. Nichtsdestotrotz werden die Toiletten zu selten gereinigt (man fragt sich, ob überhaupt).

Zum Thema Saupreuß: Ich war da noch nie drin. Sieht für mich nicht einladend aus.

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Benutzerfoto: Sven K.

Sven K.

03.06.2007, 22:14

Zum Thema Tilsiter Lichtspiele: Nein, Du hast nicht Recht und langsam nervt's.

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Benutzerfoto: franzhavel

franzhavel

05.07.2007, 21:40

Als ich das erste Mal im Tilsiter war, habe ich sofort an meinen Großvater gedacht, wenn er von seinen Pat-und-Paterchon-Teilen erzählt hat, die manchmal dort und manchmal hier und dann wieder ganz woanders gesehen hatte und ich ihn fragte, ob es wirklich so viele Kinos gegeben habe und er einfach sagte: Manche Kneipen hatten Kino, andere ne Kegelbahn.

Aber Kleinstkinos sind ja wieder "Trend". Eigentlich eine gute Sache.

(Auch wenn man dann oft gar nicht den Film guckt, sondern gleich beim Bier an der Bar bleibt).

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Benutzerfoto: musicafides

musicafides

09.07.2007, 10:02

Sehr schöner Beitrag. Ich finde es prima, dass es nicht nur in Karlsruhe solche Programmkinos gibt, in denen man auch mal Filme sehen kann, die nicht gerade die Dauerbrenner sind.

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