Kompliment
Badbury (03.07.2007)
Beatrice habe ich schon lange nicht mehr wieder gesehen. Dereinst, aus England wieder mal nach Hamburg ziehend, mich aber noch geistig auf dem Eilande fühlend, kaufte ich bei ihr wichtige Utensilien für einen Cream Tea ein. Sie selbst kommt aus Cornwall, dem verzauberten Herzogtum im Südwesten Englands, und lobpreiste die Vorzüge des Cornish Cream Teas im Gegensatz zu dem Devons, Somersets und Dorsets.
Ich gab 20 Euros aus für von ihr selbst gemachte Scones, Clotted Cream und Rumbutter, sowie einem Glase Marmelade. Menschen umringten uns und lauschten interessiert dem auf englisch geführten Verkaufsgespräch. Zum Schluss, weil ich ein so guter Käufer war, wie sie sagte, bat sie mir ein Lied meiner Wahl an. Ich erwiderte, ich hörte lieber ein Lied ihrer Wahl, worauf sie mir, den nun noch enger Herumstehenden, den anderen Marktverkäufern, den Einwohnern der Isestrasse und selbst der nun scheinbar auf leisen Sohlen, als ob nicht stören wollend, vorbeihuschenden U3, ein Volkslied ihrer Heimat vorträllerte, ein altes Liebeslied.
Dann lief ich zurück nach Hause, eine ältere Dame kam mir entgegen, einen ergrauten Pudel in einem kleinen Kinderwagen vor sich herschiebend. An eines Fleischers Marktwagen stand ein Gentleman in Tweed, von seinem Arm wippte eine Lederleine zum Hals eines Jack Russell Terriers, der aus dem Stand immerzu hochsprang um die Wurst- und Fleischauslage zu begutachten. Endlich segelte eine Bierschinkenscheibe durch die Luke, die er im Fluge aufschnappte. Der Jack Russell, nicht der Gentleman.
Nun zu Hause, bereitete ich den Cream Tea zu, mit dem ich eine mich besuchende Dame, meine ehemalige grosse Liebe, becircen wollte. Jedoch sie erwärmte sich nicht mehr für mich. Das ist nun ungefähr genauso traurig wie das Lied, das Beatrice über ihre Scones und Marmeladen hinweg sang, und die habe ich lang schon nicht mehr gesehen.
Stichworte
gemüse, frisch, markt, obst, wochenmarkt
Kommentare (3)
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