Bewertung zu Falafelstern von 6Kraska6

Falafelstern, Schanzenstraße 111, 20357 Hamburg

« Zeige die anderen 6 Beiträge zu Falafelstern sowie die Telefonnummer und Karte an.


06.01.2009

1pxt

DIE EINFACHEN DINGE LIEBEN

Schön schrecklich vs. bloß schrecklich

“Guten Morgen, Berlin, du kannst so häßlich sein!
so dreckig, so grau!
Du kannst so schön schrecklich sein…
deine Nächte fressen mich auf…”

singt der derzeit mit Recht angesagte Peter Fox (Ex-Lead-Sänger von SEEED) mit der Inbrunst des desparat verliebten Früh-morgens-nach-Hause-Kommers und Rest-Alkohol-Verwerters über seine Heimat im Dreieck Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain (Kottbusser Tor). Um keine Mßverständnisse aufkommen zu lassen: Ähnliches Liedgut ließe sich natürlich auch über Hamburg, sagen wir: das Karolinenviertel, St. Pauli oder Ottensen verfassen.

Lebende Metropolen haben das an sich. Wer sie nicht als Touri, sondern als Original-Insasse bewohnt, der kennt sie halt auch am frühen Morgen, sozusagen ungeduscht, abgeschminkt und mit Mundgeruch, wenn sie den Charme und die Freundlichkeit eines vollgekotzten Hinterhofeingangs an einem eisigen Novembermorgen ausstrahlen (Nein, ich bin kein Bukowski-Adept: Ich WEISS, wovon ich spreche…!).

Man liebt “seine” Stadt auch dann und sogar mit einem gewissen Trotz, und ein bißchen stolz ist man auch auf sich selbst, da man schon wieder ein Jahr hier herumbekommen und sich noch immer nicht aufgehängt hat.

Was ich Hamburgern und Berlinern neide (München und Frankfurt/M. kenne ich nicht gut genug, und Stuttgart, na ja, Stuttgart ist ein Sonderfall, weil die meisten Stuttgarter aufgrund einer spezifischen Gnade der Natur offenbar gar nicht bemerken, wo sie leben), was ich also an Berlinern und Hamburgern beneide, ist, daß ihre Städte, wie Peter Fox richtig bemerkt, “schön schrecklich” sind; sie können häßlich, gemein, vulgär, abgefuckt, verkommen, verwohnt und verslumt sein, in gewissen Quartieren, aber sie sind das mit Stil! Deswegen kommen Berlin und Hamburg auch in wesentlich mehr guten Songs vor als Essen-Borbeck, Duisburg-Meiderich oder Bremen-Vegesack, über das allenfalls Sven Regener von “Element of Crime” mal eine Zeile verlieren würde.

Das mit dem Stil ist schwer zu erklären. Man könnte tausend Beispiele nennen. Aber nehmen wir mal die einfachen, ja einfachsten Dinge: Euch Berlinern oder Hamburgern wird sicher allen schon mal beiläufig der freundschaftliche Streit darüber untergekommen sein, wo in der Neighbourhood man die besten Falafel kriegt, oder? Der eine meint, in Ömers Kebab-House, die andere schwört auf Rashids Ramallah-Grill, noch andere sind Fadihs Falafel-Fladen-Fans. Aber wißt Ihr, wie WIR HIER über die Frage nach den besten Falafel der Stadt diskutieren? – Gar nicht! Denn in unserer Stadt, deren 480.000 Einwohner zu 20% Türken, Kurden, Araber, Perser, Inder, Italiener, Spanier, Portugiesen, Kroaten, Serben, Bosnier, Albaner, Rumänen etc. sind, bringt es niemand fertig, gute, frische, hausgemachte Falafel anzubieten! Niemand, nirgendwo, niemals!

Könnt Ihr Euch das vorstellen? Nein, das könnt Ihr nicht! Weil Ihr es gewohnt seid, daß in Eurer Stadt an jeder Ecke eine mindestens passable, wenn nicht exzellente Falafelbude steht und Euch einlädt, für Kleingeld herrlich würzig-herzhafte, außen knusprige, innen körnig-kernige, jedenfalls total leckere Falafel zu kaufen, mit Hommuz, Sesamcrème, Walnuß-Crème und allen Schikanen, mit Fladenbrot auch noch, und frischem Pfefferminztee! Achtlos geht Ihr oft an solchen Buden vorbei und denkt Euch nichts, weil Ihr sie für selbstverständlich haltet, oder Ihr denkt sogar: “Och nöö, nicht schon wieder Falafel!”

Hier habe ich zwischendurch zur einschlägigen, zum Thema gehörigen Besinnung ein Gedicht, vom alten knarzig-frommen Katholen-Priester Roman Guardini, aber es stimmt trotzdem:

“Herr, mit dem Alter wächst das Verständnis
für die einfachen Dinge.
Mit dem Altwerden sollte auch unsere
Einsicht wachsen,
daß die einfachen Dinge die wahrhaft
wichtigen sind;
daß einfache Menschen große Menschen
sind;
daß alles Große sich im Kleinen und
Einfachen einfangen läßt.”

Ja, genau! So ist es! Herr! Was gibt es Einfacheres als Falafelbuden! Und wenn man keine hat in seiner Stadt, dann weiß man erst die großen häßlichen Metropolen zu schätzen, und weiß, wie wichtig das Einfache (Falafel-Teller mit Hommuz u. div. Gemüse, 6 €) ist!

Im Schanzenviertel in Hamburg, ziemlich genau schräg gegenüber vom S-Bahnhof Sternschanze befindet sich die Falafelbude “Falafelstern”. Würde sie sich “Falafel-Palast” nennen, wärs wohl auch übertrieben. Aber darinnen werkelte, im fast leeren Laden, ein Mann, seinem weichen Arabisch nach zu urteilen ein Levantiner, vielleicht aus dem Libanon? mit einer schon fast zen-haften Hingabe, Konzentration und ernsthaft-virtuosen Fingerfertigkeit an unserer Falafel-Bestellung, die derart knusprig, frisch, innen körnig-cremig-kräuterwürzig daherkam – samt fünf Sorten abwechslungsreich marinierten arabischen Gemüses (z. B. Möhren mit schwarzem Sesam, Knoblauch-Kartoffeln, Sesam-Blumenkohl-Röschen etc.) –, daß ich mal davon ausgehe, das hat er bei seiner Mutter gelernt! Es schmeckte himmlisch und hätte in Beirut, Tel-Aviv oder Damaskus nicht besser sein können. Wirklich klasse! Einfach, aber wunderbar! Das große vegetarische Würzigkeits- bzw. Knusprigkeitsvergnügen (+ Pfefferminztee!) kostete für zwei Personen eine Handvoll €uro, kaum der Rede wert.

Als ich ging, fragte mich der Betreiber eifrig, ob es gemundet hätte. Als ich daraufhin ehrlichen Herzens seine Falafel lobte, ging ein derart offen sonnenscheinhaftes, herzerwärmendes, beinahe mädchenhaft-errötendes, dankbar-stolzes Strahle-Lächeln über sein Gesicht, daß es an der eisigen Schanze gleich drei, vier Grad orientalischer wurde!

HamburgerInnen! Liebt die einfachen Dinge in Eurer Stadt! Wißt die Falafel-Buden zu schätzen! Schreibt Songs über sie, singt diese in Szene-Clubs, landet Hits damit! Und wenn Ihr Appetit habt, geht mal zum “Falafelstern” an der Schanze! Er hat es verdient! Und genießt Euer Glück, in einer “schön schrecklichen” Metropole zu wohnen, anstatt, wie ich, bloß in einer schrecklich öden, in der es noch nicht mal so etwas Einfaches wie frische… aber, äh, das sagte ich wohl schon.

Stichworte ,

Lesenswert

6 Leser fanden dies lesenswert

Kommentare (19) | Bedenklicher Inhalt? | Kompliment

Kommentare:

  • 06.01.2009, 16:02

    Ich danke dir für den “Lobgesang” auf meine Heimatstadt.

    flifu aus Hamburg

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 16:56

    ... einfach köstlich - in jeder Beziehung. Mit diesem zauberhaften Beitrag fängt das Jahr gut an.
    Bochum und Herbert hast Du allerdings vergessen, und wie wäre es mit einem klitzekleinen Song-Link zu Peter Fox und SEEED, die sagen mir nun überhaupt nichts ;-)

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 16:59

    Natürlich, meme, Entschuldigung, hier ist er:

    http://de.youtube.com/watch?v=fskgyB6xt3U

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 17:20

    Tja, stimmt schon. Wer als Großstadtmensch mal in Berlin gewohnt hat, kann nicht mehr in Stuttgart oder anderen Käffern leben.
    Hamburg ginge wohl gerade so noch. Aber sonst? Nein.

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 17:24

    stuttgart! au weia…

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 17:29

    ps: geiles lied. daß peter fox nicht mehr bei seeed ist, wußt’ ick ja jaanich. wat is denn da passiert???

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 17:49

    Ick weeß nich, obber nich mehr bei SEED ist. Jednfalls hat er jetzt dieses Solo-Album “Stadtaffe” gemacht, das ich ziemlich gut finde…

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 18:07

    jau. höre gerade mit wachsender begeisterung rein. merci für den tipp!

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 18:20

    wow - ich bin ganz hin und weg von diesem Song, den Namen muß ich mir merken.
    Seeed natürlich auch - Dickes B. habe ich oft gehört (ich denke, einige andere Songs auch), aber mit Interpreten-Namen hapert es häufig.

    Link_to_post_icn

  • 06.01.2009, 20:50

    Und ich habe tatsächlich noch nie Falafel probiert. Aber eins ist klar: Jetzt wird´s Zeit :) ! Danke für´s Augen öffnen.

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 03:21

    Nun, zwar kenne ich einen (deutschen) Landstrich, da hörte ich auch oft schon reden von “Fa-la-fe(l)-dich-nicht” (Klangweise, nicht Schreibweise hier). Doch eher in der Bedeutung, mich nicht “verlaufen” zu sollen :-)
    Eine kulinarsiche Spezialität dieses netten Namens ist mir noch nicht untergekommen oder ich noch nie daran vorüber, nicht mal an einem solchen Hinweisschild.
    Weil 6kraksa6 aber immer mit seinen Beiträgen neugierig macht auf mehr Wissen, stiefelte ich also ins weite Internet und fand noch etwas, das für die von ihm gepriesenen “Falafel” spricht.
    Ich wähle für hier nun etwas Nettes aus der Mitte, da auf anderen Websites angegebene Werte mir doch zu different erscheinen:

    http://www.fettrechner.de/Falafel-Mix-kalorien/2807

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 11:36

    Für CatCat, silberschweif und alle, die Falafel tatsächlich (?!) nicht kennen, hier ein Probiertellerchen aus dem Wikipedia-Imbiß:

    “Falafel (Ta’miyya, طعمية) sind frittierte Bällchen aus pürierten Bohnen oder Kichererbsen, Kräutern und Gewürzen, die vor allem als Imbiss beliebt sind. Ursprünglich aus Palästina und dem Libanon stammend, gehören sie heute zu allen Küchen des Nahen Ostens und Teilen des Mittleren Ostens und Nordafrikas. Durch die ansässigen Araber im heutigen Israel ist Falafel dort weit verbreitet und wird häufig als Nationalgericht Israels angesehen.
    Zur Zubereitung werden zuerst Bohnen oder Kichererbsen eingeweicht und durch den Fleischwolf gedreht. Dann werden Petersilie, Korianderkraut, Knoblauch und Lauchzwiebeln fein gehackt und dazugegeben sowie etwas Backpulver und als Gewürze Salz, Pfeffer und Kreuzkümmel. Je nach Rezept können noch Dill, Cayennepfeffer oder Bulgur hinzukommen. Anschließend werden alle Zutaten noch einmal gewolft und zu einem Teig verknetet. Nach einer Ruhezeit werden aus dem Teig mit Hilfe eines Falafel-Löffels etwa walnussgroße Bällchen geformt und goldbraun frittiert.
    Serviert werden Falafel in der Regel mit Tahina, einer Sesam-Sauce, und verschiedenen eingelegten oder gebratenen Gemüsen und Pita, einem dünnen Fladenbrot. Als Imbiss „auf die Hand“ ist es üblich, Falafel und Gemüse oder Salat, vergleichbar wie bei Döner, in ein aufgeklapptes Fladenbrot zu füllen.
    In Deutschland wird Falafel seit etwa Ende der 1980er Jahre angeboten, meist an arabischen Imbissständen, zunehmend auch an türkischen als vegetarische Alternative zu Döner.”

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 15:01

    Und wo’s Falafel gibt, gibt’s immer auch Schawarma. ;-)

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 18:44

    @weinrot: Nun geh aber schnell hin und schreib mir auf, was das wieder ist - oder habe ich es irgendwo hier überlesen in Deinen Beiträgen?

    @6kraska6: Weißt, das ist glücklicher in meinem Verständnis angekommen als alle Rezepthinweise im Internet. Ich glaube, Du könntest die Dinger hervorragend selber machen.
    Was paßt da an Getränken dazu?

    Ich staune oft auch bei den Kurden, Freunde von mir, mag ihre Küche/ Kochweise. Gegenüber unseren traditionellen Rezepten arbeiten sie alle mit viel mehr Gewürzen, anderen Garzeiten und Extras, die ich immer ganz wild bin, kennenlernen zu wollen. Als neulich mein kurdischer Freund für uns kochte, war das ein tolles Erlebnis und Zubereitung mindestens zwei Stunden.
    Gegessen haben wir dann drei Stunden:-)
    Bloss gut, dass unser großer Tisch die Ausmaße hat, ganz viel aufzutafeln. Gewürze, die mein Freund brauchte, mußte er aber nicht erst mitbringen :-)
    Wir lieben Gewürze und reichern auch sonst unsere Gerichte damit zusätzlich an oder variieren Rezepte.

    Kein Wunder, dass wir Deutschen uns so gern den Gerichten dieser Länder, wie Du schreibst: ”...des Nahen Ostens und Teilen des Mittleren Ostens und Nordafrikas…” zuwenden.
    Sie verwenden viel mehr als wir Geflügel, Fisch, Rind und Reis oder leichte Backteighüllen. Kein Schweinefleisch!
    Unsere häufig sehr “schweren” Gerichte (Schwein, Kartoffeln, gebundene Soßen - viel Mehl, Zucker und Fett) sind lange nicht so bekömmlich. Wobei ausgerechnet wir aus dem “mittleren Osten” Deutschlands :-) die aber auch gern mögen.
    (Bin ich froh zu wissen, dass zumindest die Chinesen sagen: das “kluge” Schwein und nicht: das fette Schwein!)

    Lb. Gruß!

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 20:09

    schwarma, schawarma, shorma - fleisch vom spieß. quasi das nahöstliche gyros. gyros kennste aber, oder????

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 21:28

    Nu glar :-) Ist vermutlich oft so, dass es nur an Begriffen liegt. Danke Dir @Eat_Berlin.

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 22:14

    @6Kraska6: Ja, tatsächlich noch nicht probiert!!! Natürlich schon oft gelesen. Noch nicht neugierig genug gewesen. Aber nu :) !

    Link_to_post_icn

  • 07.01.2009, 23:56

    @CatCat: Bismallah a rahman i rahim! bzw. Viel Glück! Und guten Appetit! Falafel sind in jedem Fall: Halal!

    Link_to_post_icn

  • 08.01.2009, 13:54

    @6Kraska6: Nur erlaubt? Nicht lecker? ;-)

    Link_to_post_icn


Neuen Kommentar schreiben