Zum Olymp, Bismarckstr. 40, 20259 Hamburg
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12.01.2009
Ohne Pannen verläuft das Leben wie geplant. Was manchmal schade ist.
Hätte die Kette des Fahrrades meiner Begleitung nicht ihre Bestimmung ausgerechnet am Kaifu-Kanal verweigert, wahrscheinlich wären wir ans ursprünglich geplante Ziel gefahren. Nun musste geschoben werden, der blöde Hollandkasten war in eiskalter Nacht und ohne Werkzeug ein unlösbares Hindernis.
Also rein ins nächstbeste Lokal, zum Griechen an der Ecke. Bei Sturm ist jeder Hafen recht.
Späte Gäste nach dem Kino werden im Olymp freundlich empfangen.
Groß ist der Raum, wir dürfen uns einen Lieblingstisch aussuchen, nehmen eigentlich den falschen, auf dem das Papierlätzchen fehlt, macht nix, wird schnell eins geholt, Kerze angezündet, Karten gebracht und erstmal zwei Ouzo.
Mein Problem mit griechischer Gastfreundschaft, die ja durchaus meist recht herzlich ist, fängt mit diesem ständigen Ouzotrinkenmüssen an. Ist gut gemeint, mag ich aber eigentlich nicht, vor allem nicht gleich als erstes. Aber gut, rein das Zeug, was soll der Geiz.
Eigentlich trinke ich gerade keinen Alkohol, habe mir aber noch nicht die nötige Härte erarbeitet, in jeder Situation Nein zu sagen. Wenn man aber schon dabei ist, kann man auch gleich einen Roten bestellen. Der kommt im bunten Henkelmann und ist trinkbar.
Wir müssen uns mit der Bestellung beeilen, die Küche schließt um elf. In Windeseile stehen Tellerchen mit Tarama, Fetakäse, Oliven und Salat auf dem Tisch, kurz darauf ein Teller mit Gegrilltem. Alles ziemlich lecker, das Fleisch etwas trocken und durch, aber es ist schließlich mitten in der Nacht, die anderen Gäste inzwischen auf dem Heimweg bis auf zwei plaudernde Damen. Aber was genau heißt lecker? Es schmeckt genau so wie in den hundert anderen griechischen Tavernen, in denen ich im Laufe der letzten dreißig Jahre gegessen habe.
Es war nie irgendwo ein wesentlicher Ausreißer nach oben oder unten zu verzeichnen, als ob griechisches Essen in Dosen käme oder alle griechischen Köche in der gleichen Schule gewesen wären. Krautsalat, Peperoni, Oliven, Tomaten, Gurken, Trockenkräuter, immer das gleiche Brot. Innovativ ist anders, Griechen ruhen sich auf einer alten Kultur aus.
Ich mag wohl einfach lieber römisch als griechisch.
Die wesentlichen Vorteile von Tavernen sind, dass man immer nett bedient wird, ohne viel zu zahlen viel zu essen bekommt und durch Vorweg-, Zwischendurch- und Hinterherouzos am Ende sternhagelvoll unter dem Sternenzelt nach Hause wankt und Zeus einen guten Mann sein lassen kann.
Da die meisten der griechischen Lokale durch die erste Generation von Einwanderern eröffnet wurden, sind die Wirte und Angestellten der Anfangszeit inzwischen auf dem Sprung in die Rente, das Mobiliar betagt, die Gäste nicht mehr so zahlreich, wie in den konkurrenzlosen Siebzigern. Es herrscht eine gewisse Agonie unter Griechens, vielleicht träumen sie vom Lebensabend in Zakinthos oder Ermoupoli, jedenfalls wahrscheinlich eher nicht in Eimsbüttel.
In unserem Fall scheint die letzte große Investition ein Flachbildfernseher gewesen zu sein, der zur Überbrückung der Zeit mit ziemlicher Lautstärke griechisches Originalprogramm zeigt. Gäste zu bitten, zu gehen, bevor sie es freiwillig tun, das ist nicht vorgesehen in griechischer Gastfreundschaft. Was ich auch wiederum mag.
Wir bekommen noch einige Krügchen mit Wein, Mokka und luftigen Kuchen, den wir mit Ouzo tränken. Ohne Murren wird noch Joghurt mit Honig und Walnüssen aus der Küche herangetragen. Hinterher strahlen die Sterne und das Fahrrad schiebt sich irgendwie auch einfacher.
5 Leser fanden dies lesenswert
11.02.2009, 12:22
Worin liegt eigentlich der Sinn, nichts zu trinken?
O.K., als Gastronom kann das natürlich in andere Dimensionen abgleiten, aber für alle anderen?
Zwischen Tavernen …. und …. Zeus einen guten Mann sein lassen, habe ich sehr gelacht, passiert eher selten beim Lesen hier.
Hat viel Spaß gemacht dein Beitrag, willst du nicht mal über eine Kolumne in Sehnsucht Deutschland nachdenken?