Bewertung zu Enoteca Storica dell´Istituto Enologico Italiano von hotzenplotz

Enoteca Storica dell´Istituto Enologico Italiano, Via Sottoriva 7, 37121 Verona

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Kompliment hotzenplotz (21.07.2008) •••••

Hier wird ja oft und gern über guten oder auch schlechten Service berichtet. Eher selten findet man Nachrichten über angenehme oder auch unverschämte Gäste in der Gastronomie.

Ich arbeite in Restaurants fast solange ich denken kann.
Da hat man im Laufe der Zeit einen kleinen Schatz an Geschichten und Katastrophen zusammengetragen, die leider zum großen Teil dem Datenschutz unterliegen.
Man trifft auf Gäste, die fein und höflich sind, manchmal schafft man es, an einem Abend fast so etwas wie Freundschaft aufzubauen.
Seltener trifft man auf Menschen, denen jegliche Kinderstube zu fehlen scheint.
Wenn sich schlechte Manieren mit alkoholischer Gärung paaren, kann es peinlich, lästig, in späterer Betrachtung meistens aber lustig werden.

Die folgende Geschichte möchte ich aufschreiben, weil ich damals selbst unter den Gästen war; da bin ich ja wohl nicht zum Schweigen verpflichtet.

Auf Einladung einer Weinhandelsfirma flog ich vor paar Jahren nach Italien. Wir waren wohl ungefähr zwanzig Teilnehmer aus verschiedenen Städten Deutschlands, es sollten Winzer im Veneto und im Friaul besucht werden, zwei Grappadestillerien, einige Restaurants, nettes Programm.
Amarone, der Wein für mein Rentenalter, wurde gleich am ersten Tag bei einem Winzer östlich des Gardasees probiert, abends war ein Besuch der berühmten Enoteca in Verona geplant und zwei größere Tafeln für uns reserviert.
Darüberhinaus gab es für den Ablauf unseres Essens keine weitere Absprachen, ein folgenschwerer Fehler, wie ich finde.

Das altehrwürdige Lokal ist berühmt für seine Auswahl italienischer Spitzenweine, die es hier zu verhältnismäßig anständigem Kurs zu kaufen gibt. Ornellaia, Tignanello und Co. in sämtlichen Jahrgängen und Flaschengrößen, aber auch im offenen Ausschank. Gibt es ja nicht oft, daß man ein Achtel Wein für 16 Euro serviert, für Weinliebhaber aber eine gute Chance, zu vergleichen.

Der Laden ist auch an diesem Abend rappelvoll, das sind wohl stehend und sitzend um die 150 Personen. Wir haben unseren eigenen Kellner, der spricht englisch mit uns, was einige aus der gruppe nicht beherrschen. Alle suchen von der Karte Vorspeisen und Hauptgang aus, ungefähr jedes Gericht einmal - da freut sich die Küche.
Bis hierhin ging noch alles ganz gut, aber jetzt schlitterte der Abend mehr und mehr ins Desaster.

Vielleicht sollte ich erwähnen, daß alle an unseren Tischen Gastronomen oder Weinverkäufer waren. Der größte Spezialist an unserem Tisch schnappt sich die Weinkarte und ordert nach längerem Grummeln und Dozieren eine 0.7 Flasche eines sagen wir mal Sassicaia Jahrgang sowieso. Kellner bringt kleinen Beistelltisch, bestückt diesen mit neun großen Riedel- Bordeauxgläsern und beginnt, diese zu vinieren. Er probiert den ersten Schluck, gießt etwas Wein ins erste Glas, schwenkt die Innenwand bis oben damit aus und gießt ein Glas weiter bis zum letzten. Das dauert schon ein paar Minuten, ist aber hübsch anzusehen und hat Stil.

Nun haben wir also alle 7 Zentiliter Wein in diesem Riesenglas und freuen uns auf die Vorspeise. Hier spätestens hätte man den Eisberg erkennen können, um beizudrehen.
Irgendwann kommen die Vorspeisen und sind so lala, der Ruf des Lokals beruht auf Flüssigem. Davon ist nun aber an beiden Tafeln nichts mehr außer Wasser. Also Weinkarte her, Spezialist grummelt und murmelt und sucht letztlich einen anderen Jahrgang des gleichen Weins aus, wieder in Normalflasche, wir wollen ja Verschiedenes probieren und sind nicht zum Vergnügen hier.

Neun neue Gläser, Flasche holen, präsentieren, Gläser vinieren. Inzwischen hat unser Kellner aber auch noch zwei andere Tische, es kommt zu ersten Unmutsregungen, aber wir lernen nicht und warten mit weiteren Getränkebestellungen, bis wieder kein Wein mehr da ist.
Jetzt ist auch mal ein Wein nicht vorrätig und Spezialist verliert das erste Mal die Contenance und mault den freundlichen, aber mittlerweile etwas hilflosen Kellner auf deutsch an, wo das Essen bliebe und wieso das nicht alles etwas schneller gehe.
Erste Rebellion an beiden Tischen gegen die kleinen Flaschen aber der Krug ist schon im Brunnen, Spezialist streitet lauthals und immer noch deutsch, also ohne pädagogischen Effekt mit Kellner, der sich wohl weit weg wünscht, aber nicht kann.

Allen ist es mittlerweile peinlich, Spezialist steht pöbelnd auf, um ostentativ am Tresen weiterzutrinken. Wir sind bestimmt schon fast zwei Stunden da, die Stimmung ist peinlich berührt, ich denk an Gerhard Polt.
Wir entschuldigen uns beim Kellner und einigen uns mit ihm, noch vor den Hauptgängen zu gehen, an Essen mag hier keiner mehr denken. Die Rechnung wird gesplittet und zuguterletzt muß der arme Kerl noch zehn verschiedene Kreditkarten durchratschen.

Wir sind dann noch in kleiner Gruppe lecker Eis essen gegangen.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal in aller Form bei dem jungen Mann entschuldigen. Man hätte das stoppen können.
Fünf Sterne weil es ein schönes Lokal ist.

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Kommentare (17) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: ottogang

ottogang

13.09.2007, 14:17

Dazu hätte ich gern näheres erläutert:
"Amarone, der Wein für mein Rentenalter"
bin leider kein großer Weinkenner, aber ein neugieriger Mensch.

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Benutzerfoto: hotzenplotz

hotzenplotz

13.09.2007, 14:26

Aber mit dem größten Vergnügen.
Ich hol kurz aus, ja?
Amarone wird in der Gegend des Gardasees aus der Valpolicellatraube hergestellt, eher nicht die Traube, die man nicht vergisst. Zu unserem Zweck werden die aber einige Tage auf Stroh an der Sonne angetrocknet, rosiniert, wobei Wasser verdunstet und der Wein an Substanz und Zucker gewinnt.
Ein ordentlicher Amarone hat 15% Alkohol und schmeckt leicht wie Portwein.
Dann sollte er noch mindestens fünf, besser zehn Jahre Ruhe haben, bis er mit Ehrfurcht am Kamin geöffnet wird.
Da ich im Moment noch keinen Kamin besitze und der Stoff natürlich seinen Preis hat hoffe ich auf eine glückliche Zeit, wenn ich nur noch so etwas trinken darf.

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Benutzerfoto: ottogang

ottogang

13.09.2007, 14:38

Was Du alles weißt. Hut ab.
Also eine Voraussetzung ist bald bei mir erfüllt.
Aber ich habe keinen Kamin und diese Preise sind ja wirklich nicht von schlechten Eltern.
http://www.thecellardoor.it/searchresults.php?winename=am... />Nach welchen Kriterien würde man sich denn einen aussuchen?

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Benutzerfoto: hotzenplotz

hotzenplotz

13.09.2007, 14:53

Ich hab eigentlich noch nie einen wirklich schlechten getrunken, tapfer drauflosprobieren, macht Spaß.
Achte auf die angenehme Wärme, die sich nach dem zweiten Schluck im Bauch ausbreitet.
Schade, daß ich jetzt noch arbeiten muss...

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Benutzerfoto: hotzenplotz

hotzenplotz

13.09.2007, 17:06

Es wird meines Erachtens viel zu viel Wind darum gemacht, um das´richtige Weintrinken´ elitär zu halten.
Man kann mit Fackeln jonglieren und den Kopf zehn Minuten wissend hin und her schwenken, während man unter lautem Geschmatze vielsagende Mienen zieht. Wenn der Wein Dir nicht schmeckt nützt das alles nix und bei so mancher Blindverkostung der großen Experten gewinnen die Underdogs und hinterher ist das Allen unangenehm.
Wein ist ein schönes Hobby. Mehr nicht.

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Benutzerfoto: lokalreporter

lokalreporter

13.09.2007, 21:51

sehr schöne geschichte!
derlei spezialisten muss man entgegenkommen, sie mit einer schallenden ohrfeige zur vernunft bringen!

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Benutzerfoto: hotzenplotz

hotzenplotz

13.09.2007, 22:11

Auch ne Möglichkeit.
Die Strafe für derartige Manieren gibt es nach dem Ableben.
Mindestens zehn Jahre Teller spülen in der Hölle.
Dieser Gedanke versöhnt..

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Benutzerfoto: lokalreporter

lokalreporter

13.09.2007, 22:28

manch einer wurde durch eine ohrfeige augenblicklich geheilt. über die kunst des gastseins wird noch viel zu wenig geredet. lass uns einen ratgeber schreiben ))

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Benutzerfoto: hotzenplotz

hotzenplotz

13.09.2007, 22:45

Hatte ich ja eigentlich gerade mit angefangen.
Freue mich auf die Erlebnisse von Dir.
Wird bestimmt ätzend gut.

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Benutzerfoto: fleischfee

fleischfee

15.09.2007, 00:29

Tja, so sind Sie die Gastronomen, am schlimmsten sind aber auch wirklich die Weintrinker. Biertrinker sind ein klein wenig chilliger! Wenn auch nicht alle. Tut mir leid, daß Du diese Erfahrung gemacht hast. Doch während meiner Ausbildung hab ich mich das ein oder andere Mal für unsere Restaurantleiterin geschämt. Kennst Du das Phenomän des Fremdschämens? In etwa das wird es auch bei Dir gewesen sein, oder?

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Benutzerfoto: hotzenplotz

hotzenplotz

15.09.2007, 00:39

Ob das ein Problem von Gastronomen ist?
Ich hatte gedacht, wir wüssten es besser, weil wir das andersrum kennen.
Geschämt habe ich mich wirklich, zumal man in Italien war und jedes Vorurteil gegen bornierte Deutsche von uns übertroffen worden ist.

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Benutzerfoto: sidifferent

sidifferent

19.03.2008, 09:59

Aha, der erste Hinweis bei der Entdeckungsreise nach Deinem Beruf ! (Deine Nachricht von gestern). Darf ich Dir generell sagen, dass Du wunderbar schreibst. Und diesem Beitrag kann auch nur zustimmen.

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Benutzerfoto: Chino

Chino

22.07.2008, 18:20

Ein schöner Beitrag, ja ich glaube auch die Weintrinken sind am schlimmsten,bis Sie auf Ihren Meister getroffen haben,dann werdenSie kleinlaut und eingeschüchtert….Rechnung splitten in Italien das ist wirklich ganz schlimm und in Südlichen-Ländern eine Beleidigung..

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Benutzerfoto: Lucie

Lucie

25.07.2008, 09:01

Ich bin froh, daß Du auch mal aus anderer Sicht geschrieben hast. Der Großteil der “Gäste” kann sich gar nicht vorstellen, was Gastronomie für ein Knochenjob ist und oft wird es auch noch unterbezahlt ….

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Benutzerfoto: fleischfee

fleischfee

25.07.2008, 18:23

Wow, schön, daß das mal jemand anspricht / zu schätzen weiß!

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Benutzerfoto: kreisend

kreisend

30.07.2008, 20:35

Gut geschrieben und hilfreich, weil man als Gast… hin und wieder… das Gesamtbild aus den Augen verliert. Ich werde den Beitrag in Erinnerung halten.

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Benutzerfoto: Badbury

Badbury

22.08.2008, 08:48

Es ist wohl nicht der bornierte Deutsche sondern der bekloppte Deutsche, der scheinbar vergessen hat, dass er den Krieg verloren hat und darob nicht alle Europäer Deutsch sprechen. Damn, I forgot… don’t mention the war!

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