Bewertung zu Ölmühle Solling von PJebsen

Ölmühle Solling, Otto-Hahn-Str. 2, 37639 Bevern

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PJebsen

Kompliment PJebsen (26.12.2007) 5

Beim diesjährigen Food Market im Großmarkt Hamburg habe ich für mich einen simplen, aber sehr leckeren Brotaufstrich entdeckt: das "Kokosöl nativ" der Ölmühle Soll (auch "Virgin Coconut Oil" genannt). Einfach auf Brot schmieren, etwas Salz draufstreuen - wunderbar, hätte ich nie gedacht!

Dummerweise habe ich mir nur ein 30-ml-Probiergläschen für 1 Euro mitgenommen, das jetzt zur Neige geht. Zum Glück gibt es im Online-Shop der Ölmanufaktur Nachschub. Zudem hat die Firma auch einen Mühlenladen.

In der Produktbeschreibung heißt es korrekt: Das Kokosöl "schmeckt wie frisch aus der Kokosnuß gepresst. Mit seinem lieblich-süßen Duft und dem typischen Geschmack verwöhnt es die Liebhaber der südostasiatischen Küche". 1 Liter (für Brotaufstrich vielleicht etwas zu viel) kostet €18,50, aber es gibt auch 0,25 l für €5,80.

Ebenfalls empfehlenswert: der Kokos-Kürbis-Brotaufstrich der Ölmühle. Er enthält laut Website "natürliches Kokosmus aus dem weißen, essbaren Anteil des Fruchtfleisches, sowie auch natives KokosÖl und kalt gepresstes KürbiskernÖl aus ungerösteten (!) Kürbiskernen."

Selbstbeschreibung der Ölmanufaktur: "In ihrem kleinen Betrieb in Bevern, nahe Holzminden, im Weserbergland zwischen Hannover und Göttingen gelegen, verarbeiten Gudrun und Werner Baensch seit 1995 Ölsaaten und Nüsse aus anerkannt ökologischem Landbau zu hochwertigen BIO-Ölspezialitäten. Seit 1996 wird nach den Richtlinien des NATURLAND-Verbandes gearbeitet."

***

Nachtrag am 21. 10. 2007: Da die Ölmühle Solling keine Läden in Hamburg beliefert, habe ich ein paar Produkte im Online-Shop bestellt, die gestern eintrafen - darunter das oben erwähnte Kokosöl (riecht genau appetitlich, wie es schmeckt) und den ebenfalls sehr schmackhaften Kokos-Kürbis-Brotaufstrich. Dazu eine Kokos-Seife mit Mandelduft, die aus dem o. g. Kokosöl hergestellt wird, sowie Koriander-Fenchel-Dill-Rapsöl sowie Bärlauch-Würzel - alles sehr empfehlenswert!

(Notiz am 26. 12. 2007: Ich habe nichts ergänzt, sondern nur einen Rechtschreibfehler korrigiert.)

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Kommentare (63) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: Richensa

Richensa

26.12.2007, 21:48

Wer hätte gedacht, dass Kokosnüsse am Sollingabhang wachsen :-)) ?

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PJebsen

26.12.2007, 21:56

Wahrscheinlich arbeiten die mit Heizstrahlern o. ä. - irgendwo muss man Kompromisse machen, selbst wenn man Ökonüsse anbieten will. ;-)

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Benutzerfoto: Richensa

Richensa

26.12.2007, 22:00

Hach, ich kenne ja Bevern aus Kindertagen (bevor es dort Ölmühlen gab) und damals wuchsen da noch keine Kokosnüsse, aber in Zeiten der globalen Erwärmung...???

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musensohn

26.12.2007, 22:30

"KokosÖl und kalt gepresstes KürbiskernÖl"

Bei der Schreibweise rebelliert sofort meine Galle. Fehlt nur noch ein Deppenapostroph "Koko'sÖl"...

Palmin
(Elisabeth Runghold)

Zu den edelsten Essenzen
aus der Feinkost Magazin,
dessen Auswahl ohne Grenzen,
sorgt die Säure Palmitin.

Stattlich strebt am hohen Halme
in des Kaisers Colonie
himmelan die Cocos-Palme.
Willst du braten, brauchst du sie !

Ob des Fetts Erfinder wußte
durch die Gattin ehedem
von der Kunst der braunen Crouste,
die der Köchin oft Problem ?

Trüben Rindertalges Schwitze,
auch des Schmaltzes Brot-Belag,
sind der Hitze schwach nur nütze
und belegt mit Beigeschmack.

Palästina weiland salbte
Judas König kompetent.
Moses (als noch Aaron kalbte)
schrieb das vor im Testament.

Doch der Morgenländer Kön'ge
waren deß nicht eingedenk.
Geizten gar um Pfönn'ge
für des Jesu Tauf-Geschenk.

Aus Arabiens Wüsten Dürre
kamen sie ans Kinderbett.
Statt Palmin schenkten sie Myrrhe.
Mürrhisch macht mich Affenfett.

Mozart machte seinen Diener
vor dem Öl, dem Volk gefällt 's,
gab der Gurgel von Palmina
Cantilenen Edel-Schmeltz.

An der Cassa stimmt nun heiter,
wen der Butter Preis genirt.
Rinder, schonet euren Euter!
Hier man Fett aus Palmen schmiert.

Importirt, ihr Frucht-Verleger,
daher, wo man selbe sieht,
die uns pflückt der nette Neger
aus dem Colonial-Gebiet.

Seit er missionirt vom Psalme,
in des Urwalds Grüngesträuch,
gehnt er singend auf die Palme,
nach den Nüssen fern für euch.

Solchen Segen hat uns Mutter,
die Natur, so reich gebeut.
Flocken von der Palmenbutter
jeder in die Pfanne streut.

Wenn nach Fett die Hände fassen,
will die Welt nur dich, Palmin!
Nein, nie gleichet - ausgelassen -
dir kein ander Margarin...




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PJebsen

26.12.2007, 22:36

@musensohn: Du has't natürlich recht - aber wenn ich au's Websites' zitiere, mache ich normalerweise keine Korrekturen; egal, wie gräuslich die Rechtschreibung ist. Dafür glaube ich zu sehr an das "Auteur"-Prinzip. ;-)

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Benutzerfoto: PJebsen

PJebsen

26.12.2007, 22:45

P.S.: Das Runghold-Werk ist ganz groß! Muss mich mal mit der Website des friesischen Fräuleins beschäftigen ...

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karinsabine

27.12.2007, 00:43

Hört sich lecker an!

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Badbury

27.12.2007, 07:30

Musensohn und PJ: Im, am, auf dem Berliner OstkreuzBahnhof sah ich letzten's eine WürstchenBude die da hie's's: By Deni's. Ich habe mich köstlich hierüber amüsiert, komisch, jetzt finde ich den Namen nicht mehr so schlimm. JedenFalls habe ich mir vorgenommen, den Laden für Qype zu te'sten.

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musensohn

27.12.2007, 13:07

Achtung, Druckfehler: "gehnt er singend auf die Palme". Entweder gähnt er auf DER Palme (Mittagshitze am Äquator), oder er geht auf dieselbe. Ich muß wohl noch mal im Urtext gründeln.

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Richensa

27.12.2007, 18:20

Du und nicht andichten??
Gestatte ich dabei leise lächele......

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Richensa

27.12.2007, 18:28

schiebe noch ein ", dass" nach...

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musensohn

27.12.2007, 18:38

"Auguste ließ verschämt ihr Strickzeug in den Schoß sinken und lächelte so leise, daß der Baron fürchtete, man könne das metallene Klirren der zu Boden fallenden Stecknadel bis hinüber zum Rauchsalon vernehmen."

(Aus dem Romanfragment "Herz ohne Heimat" vo E. Runghold)

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musensohn

27.12.2007, 21:54

Beim Stricken für gewöhnlich nicht. Umso mehr beim Einsatz von Redewendungen und Sprichwörtern. Oder hat man schon je eine Stricknadel im Heuhaufen gesucht? Aber im besonderen Falle hat Auguste für die herbstlich kühlen Jagdstunden des umschwärmten jungen Barons ein Strickleibchen in Arbeit, deren Teile sie zur Anprobe provisorisch mit Nadeln feststecken muß, bevor sie endgültig zusammengefügt werden. Die Teile natürlich. Auguste wird dem Baron entsagen müssen, weil er die reiche Comtesse von O. ehelichen soll.

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Richensa

27.12.2007, 23:02

Ach du Herr Jeh!
Wo wird das enden? Und mit wem?

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Richensa

28.12.2007, 11:13

Alldieweil die Comtesse anmutig rote Rosen ins Taschentuch hustet, wird Auguste sie und den Baron als Gesellschafterin nach Davoz begleiten, auf den Almen umherwandern, während die Comtesse in eine Häkeldecke gehüllt, auf dem Balkon des Chalets, vom charmanten russischen Großfürsten umworben wird.
Auguste hingegen lernt noch die Käserei von Ziegenmilch bei Heidi, der Sennerin.

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Richensa

28.12.2007, 11:40

Dieser silberne Becher, auf's Schönste verziert mit den größten Edelsteinen, den die kundigen Zwerge aus den Bergen Siebenbürgens einst schürften, war eine Liebesgabe von Fürst Vladimir, der der Comtesse, als sie noch sissigleich durch die Berge streife, einst sinnenlustig verfiel. Wäre er nicht mit Olga, der munteren Matrone, Mutter seiner dreizehn Söhne und sieben Töchter, vom Popen Illjuschin angetraut worden, hätte er seine Ländereien, seine Leibeigenen und die Kriegskasse des osmanischen Reiches für eine Nacht mit der damals noch glutvollen Jungfrau gegeben. Leider waren die Ländereien, die Leibeigenen und die Kriegskasse nicht mehr wert als ein silberner Becher, in den die rosenwanginge Auguste hineinzuspeien gedachte.

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Richensa

28.12.2007, 15:45

Nächtelang hatte Auguste still in ihrer kargen Kammer gelitten, dann wieder, einer maladen Werwölfin gleich, ihr Leid in den stillen Nachthimmel der masurischen Seenlandschaft hinausgeheult, in der das verschwiegene Kloster seine langen Schatten warf. Es war ein Ort, in der Töchter aus den besten Häusern erzogen werden sollten, für den heiligen Stand der Ehe in allen Kunstfertigkeiten, die sich ein Ehemann nur wünschen konnte, erzogen wurden.
Auguste war als Mündel eines Lübecker Marzipanmagnaten eingeschrieben, als Waise aus dem Morgenland und nun hatte das kecke Comtesschen den ehrenwerten Namen des Marzipanmagnaten gleichsam besudelt.
Die Rosenwangige ward bleich und bleicher, selbst die gestrenge Mutter Oberin begann, um das Wohl der jungen Novizin, deren Weg in die Arme des jungen Barons so jäh unterbrochen ward, zu bangen.
Gleichwohl erschien der Wunsch eines alten Freundes des Süßigkeitengroßhändlers, eine Gesellschafterin für dessen stämmige Tochter Walburga die Rettung für die zarte Auguste. Gen Italien sollte sie reisen, der jungen Walburga eine getreue Freundin und gleichzeitig eine Lehrerin in den feinen Nadelkünsten zu sein. Weit weg von den Orten, an denen sie so gelitten, weit weg von den Menschen, die ihr gar so viel Leid zugefügt hatten.
Bitterlich weinend verabschiedete sie sich eines kühlen Morgens von Schwester Rabiata, der gestrengen Zuchtmeisterin des Klosters, die sie so viele trickreiche Nadeleien gelehrt hatte. Diese überreichte ihr, heimlich als letzten Händedruck, ein Häkelnadeletui aus Rosenwicklerhaut, in welches in einem geheimen Fächlein zwei pfeilschlanke Sticknadeln steckten.
"Liebes Kind," wisperte sie. "Der Tag wird kommen, an denen du den feinsten Kreuzstich nördlich und südlich der Karpaten sticken willst. Du wirst vorbereitet sein."
Sprach's und verschwand.
Das Wangenrot kehrte in Augustes lieblich' Antlitz zurück, als sie in der Kutsche gen Italien saß und mit Walburga munter Wurststullen zu sich nahm. Angesichts dieser Köstlichkeiten, hinuntergespült mit Apfelwein verschwamm das Gesicht des jungen Barons schon bald in ihrer Erinnerung.

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Richensa

28.12.2007, 19:12

Schreckgeweiteten Auges sah die Schreckensbleiche dem Unhold in's Antlitz. "Oh," war alles, was sie ihrer angstvollen Kehle entringen konnte. Das Korsett schnürte noch viel mehr, hatte die gestrenge Zofe heute doch das Knie gebraucht, um Walburgas Taille in wundersame Kurven zu schnüren. Hätte sie doch nur auf Pastor Jebsen gehört und sich der Mäßigung bei den Wurstbroten gar befleißigt.
Der fremde Lüstling hatte gewisslich schon mehr als Geldbörsen, Obligationen des Ostindienkompanie und juwelenpralle Taschen geraubt. Walburga fiel mit einem tiefen Seufzer in die schwellenden Polster der Kutsche zurück und versank in gnädige Ohnmacht.
Robin Offlocksli riss mit mächtigem Schwunge die Koffer vom Dach des gelben Wagens, auf dessen Höhe der Schwager von Augustes Stiefmutter saß. Kein Wort war bisher gefallen, die wüsten Gesellen waren auch verschwiegen, kamen doch aus sie aus dem tiefsten Kaffee-Sachsenlande.

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Richensa

28.12.2007, 19:44

Auguste seufzte leise im Schlafe, hatte doch der Baron gerade ihre Träume betreten. So tief war der Schlaf, so tief, so tief. Nein, sie wollte nimmermehr erwachen, denn nur hier konnte sie ihm so nahe sein. Leise wehte eine Brise süß klingender Geigen durch ihre zerebralen Cortex, sie hörte sie im Dreivierteltakt locken. Eine leichte Röte überzog ihre Wangen, als sie den Baron im Traume auf sie zutreten sah. Welch' stattliche Erscheinung, welch' lieblich Antlitz, welch' wohl geschnittener Anzug. Er forderte sie zum Tanze auf, sie, Auguste!
Sie knickste, schlug den Blick nieder. Es regnete augustenrote Rosenblätter vom unendlich tiefen Himmelszelte, als er ihre zarte Mitte umfing und sich zu den Klängen des Walzers "An der schönen blauen Unstrut" mit ihre geradezu in's Paradies hineinzudrehen schien.
Ihre zarten Füße bewegten sich im Traum und traten jäh' in's Leere. Ihre Hände suchten den geliebten Baron zu halten, der wieder ihren Blicken entglitt. Tränen traten in die Augustens liebende Augen und rannen die Wangen hinunter.
Hastig erwachte sie und schrie auf, als sie der neuen Situation gewahr ward.

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Richensa

28.12.2007, 19:57

"Ei verbibbscht," keuchte er, als er wieder zu Atem gekommen war. Er winkte seinen vierzig Räubern, ihm aufzuhelfen. "Isch kumm, isch kumm... isch kumm Euch gleich inne Gutsche....!" Wild gestikulierend hüpfte er rotgesichtig um das Pferdegefährt herum.
Auguste hielt angstvoll das Taschentuch vor den Mund, Robin Offlocksli sollte dieses übergewichtige Männlein sein?
"Oh Walburga, wir sind dem Unhold gewisslich eine leichte Beuchte. Was sollen wir bloß tun?"

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Richensa

28.12.2007, 20:39

Die vierzig wackren Mannen erstarrten, so war noch nie einer von ihnen von einer Maid vorgenommen worden. Der Zweite an des Anführers Statt sprang von seinem Rappen, um dem Hauptmann des Schweifs zur Hülfe zu eilen, alleine, dieser wand sich pfeilschnell unter der Mut'gen davon, zu sehr drückte die Schmach seinen fleischesfarbenen Hüfthalter zusammen. Der Statthalter des Offlocksli hob den Unhold schnell auf seine Schecke und versetzte ihr einen kräftigen Tritt mit dem Stiefel, so dass das Ross angstvoll wiehernd davon stob, gefolgt von den vierzig angelnden Sachsen.
Schwer atmend erhob sich schlussendlich auch Walburga, schnell eilte Auguste errötend herbei, um ihrer Freundin Blöße geschwinde mit warmen Tüchern zu bedecken. Endlich war auch der Schwager aus seiner Lethargie erwacht, als der Kutscher ihm einen heftigen Schlag mit dem Kutscherhut versetzte.
"Wackere Walburga," rief er voller Wonne. "Wackre Jungfrau, Ihr habt uns aus großer Not gerettet!"
Walburga setzte zu einer Antwort an, allein Auguste zog sie in die Kutsche, um das Tageskleid der gewaltigen Freundin auf's Beste wieder herzurichten.
Schnell hatte der Kutscher seine Gäule wieder auf den gerade Weg zurück gelenkt und schon wurde die muntre Reise gen Italien fort gesetzt.

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musensohn

28.12.2007, 22:18

(Kommentar aus dem off:) Aber was geschah hinter der Paßhöhe, als das herannahende Gewitter sie zwang, in der verrufenen Herberge zu Brixen ein Obdach zu suchen? Wäre Augustens Rosenkranz nur nicht in der Polsterung der Equipage versunken - ein inbrünstiges Gebet hätte das Unfaßbare vielleicht noch verhindert. GOtt steh uns bei!

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Richensa

28.12.2007, 22:26

Musensohn, du scheinst uns geradezu geküsst zu haben.....

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Richensa

29.12.2007, 17:16

Schon peitschte die eisige Windsbraut durch das enge Tal hinauf, brachte pfeilscharfe Schneeflocken hinan. Der Kutscher zog den schwarzen Hut tiefer, peitschte auf das erschöpfte Pferdegespann ein. Nein, er wollte nicht in dieser Nacht in die Klamm stürzen, er wollte leben, wollte heim zur Mutter seiner acht unterernährten Kinder, wollte mit dem Lohn, den Walburgas Vater ihm in Aussicht gestellt hatte, endlich eine Schenke im Nauener Land eröffnen, dort wo die Luft stets lau von den Ausdünstungen der preußischen Hauptstadt war.
Er verscheuchte den Gedanken an lieblichere Gestade und ward durch den winselnden Sturm bereits der schaukelnden roten Laterne der elenden Herberge zu Brixen gewahr.
Augustens Stiefmutter hatte ihren Schwager wohl nicht umsonst den jungen Damen zum Schutze zur Seite gestellt, dachte er, als er die Equipage mit lautem Peitschenknall um die letzten, schwindelerregenden Kurven lenkte, die noch zwischen dem sicheren Tod durch Erfrieren und dem wärmenden, aber lasterhaften Hause lagen.

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Richensa

29.12.2007, 19:42

Endlich erreichte die Equipage den vermeintlich heimeligen Hof. Leise kräuselte sich weißer Rauch aus dem Schornstein, durch die blitzblank geputzten Fenster konnten die Reisenden ein munteres Feuer im Kamin springen sehen.
Auguste weckte die liebreizende Freundin aus dem sanften Schlummer. "Liebste Walburga," wisperte sie, "unser Nachtlager ist nicht mehr fern. Nach des Tages Mühen werden wir hier heute unsere Häupter betten. Schau' nur, ein freundliches Feuer lädt uns in die Herberge." Endlich hatten ihre Wangen wieder den rosenhaften Schimmer gefunden, der ihr bei den Räubern so unerwartet abhanden gekommen war. Schnell griffen die jungen Damen ihre lieblichen Nadelwerke, die sie in den langen Stunden hoch auf dem gelben Wagen für Bedürftige anfertigten und zogen ihre Hauben fest auf das lockige Haupthaar.
Der Kutscher und der Schwager waren geschwinde vom Kutschbock gesprungen, um Auguste und Walburga beim Entsteigen des Gefährtes behilflich zu sein. Schon hatte der Wirt der Brixener Herberge das mächt'ge Tor aufgestoßen und bat Beide unter katzbuckelnden Dienern in die Halle hinein.
"Oh schau, Walburga," rief Auguste entzückt. "Hier dreht sich ein Schwein auf dem Spieß, es steht der Most auf dem Tisch und frisches Brot ist für uns gerichtet."
Die Mädchen setzten sich mit blitzenden Augen an die lange Tafel, die lang genug für 44 Gäste schien. Ein mit schneeweißer Schürze angetanes Serviermädchen mit Spitzenblüschen und eng geschnürtem Schnürleibchen trat hinzu, und goß den Hungrigen einen schmackhaften lieblichen Rotwein aus Rumänien in die klingenden Gläser.
Schnell waren auf den Teller große Stücken des schmackhaften Spanferkels angehäuft, die Mädchen lächelten leise, als sie den Kutscher und den Schwager herzhaft schmatzen sahen und auch Walburga konnte nicht mehr an sich halten. Beherzt stieß sie die Reiseklappgabel, die sie in ihrem aus Apfelwicklerhaut geklöppelten Reiseklappgabeletui herausgezogen hatte, in das weiche Fleisch und seufzte wollüstig, als der Bratensaft ihr über's Kinn rann.
Von draußen drang plötzlich Hufgeklapper, raue Männerstimmen, die laut nach Wirt, Wirtin und servilen Dienerinnen verlangten.
Walburgas Gabel blieb, ein mächt'ges Stück Eberlende aufgespießt, in der Luft hängen. "Oh Auguste, horche zu! Welch' wildes Rudel, welch' wilde Jagd hat der Sturm durch die Nacht geweht?"
Mit Macht ward das Tor aufgestoßen, Wirt, Wirtin und das propre Serviermädchen wurden von vierzig Gesellen begleitet, die sogleich lauthals nach Speis, Trank und willigem Weibsvolk verlangten.
Walburga und Auguste, schreckensbleich, klammerten sich aneinander, als sie gewahr wurden, wen der Föhn ihnen diese Nacht ein zweites Mal geschickt hatte:
Robin Offlocksli, der angelnde Sachsen-Räuber und seine Spießgesellen quollen wie eine Sturmflut in die Kaschemme von Brixen!

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Richensa

29.12.2007, 21:34

Wirt und Wirtin erschraken in der Tür, an die sie käuflich Ohr gelehnt hatten, die eilfertige Magd ließ das Schenk- und Nachtgeschirr aus zartem Biskuitporzellan mit lautem Getöse fallen.
Alle drei hatten ihre dunklen, aber wohlbezahlten Geschäfte mit dem grausamen Wüterich und seinen Mannen gemacht, gar mancher Reisende war auf's Nimmerwiedersehen in der Herberge von Brixen verschwunden. Ob Mann, ob Frau, ob Kind, ob Greis, niemals wieder vernahm man Kunde von ihnen. Ausgesandte Suchtruppen hatten jeden Stein, jedes Blatt angehoben, den die Verschwundenen einst überschritten zu haben schienen. Bis zu den Sklavenmärkten des Hinteren und Vordern Orients waren sie nicht gelangt, hier jedoch hätten sie die Schatten wiederfinden können. Aber auch in die Harems orientalischer Wüstlinge, auf die Ruderbooten am Titicacasee und knietief in Schlamm der Reisfeldern von Uncle Ben waren die Unglücklichen verkauft worden. Namenloses Herr aus der Herberge von Brixen.
Ohne dieses zu ahnen, tastete Auguste am angstoll bebenden Busen nach dem Rosenkranz, der ihr in vielen bangen, mancherlei endlos dünkenden Stunden der letzte Halt vor dem Gang in's dunkle Nass der endlosen Seen Masurens gedient hatte.
Doch der Rosenkranz, wo war er? Die klammen Finger Augustens tasteten in den wogenden Busen, die heiß geliebten Perlenschnüre waren nicht zu finden.
"Meerstern, ich dich grüße..", sang sie leise, ein Marienlied, welches einst ihre Muhme an ihrem kleinen Bettchen gesungen hatte, wenn das mutterlose Kind zu Bett gebracht worden war.
"Ohooo Ma-ha-riiiiaha hilf," erschallte es ihr zurück, leise gesungen vom Chor der Räuber. Die Räuber sangen?? Auguste schreckte auf.
Walburga sah auf, sah strengen Auges zu den Räubern hinüber. Selbst deren Hauptmann bewegte nun stumm die Lippen, kleine Perlen sauren Schweißen liefen die Stirne hinab.
Das Frankfurter Fräulein sah ihre Stunde gekommen. Hier, das wusste sie nun, würde sie ein gestrenges Regiment einführen, nicht umsonst war ihre Hauslehrerin einstmals Fräulein Adelheid Rottenmeier gewesen. Hier würde sie bleiben, was sollte sie im süßlichen Italien, hier, ja hier wollte sie bleiben. Hier würde sie mit vierzig, nein einundvierzig Gefolgsmannen einen Chor gründen. Ja, einen Chor, der zur Ehre von Frau Musica singen sollte, zur Ehre der heiligen Jungfrau und natürlich ihrer eigenen.
"Du," rief sie zu Robin Offlocksli, der artig katzbuckelte, "komm' her und sei mir zu Diensten, Du und Deine Mannen."
"Och nööö, Frolleinschn, nöö, nuuu, isch hab' heut noch ein gar lusdisch Stelldüschein midd der waggren Sörviererin." - "Still, Gesell!" Walburga hatte schon früher ihren Willen bekommen, und auch heute wollte sie sich nicht mehr mit den Brosamen des reichlichen Mahles zufrieden geben.

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Benutzerfoto: karinsabine

karinsabine

29.12.2007, 22:36

Wie gehts denn nun weiter? Bekommt Auguste noch ihren Baron und wird Walburga die Räuberhauptfrau und bringt ein Jahr später Ronja Räubertochter zur Welt?

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Benutzerfoto: Richensa

Richensa

29.12.2007, 22:37

Auguste sah der Freundin mit stolzem Muthe zu, wie diese die rauen Mannen in ihre Schranken gewiesen hatte, wie sie ihren hochragenden Willen gebrochen hatte.
"Walburga, geliebte Freundin, du," rief Auguste. "Nun können wir endlich, gleich morgen, gen Italien aufbrechen." Freudige Röte überstrahlte wieder Augustens Backen.
"Auguste, du Sternrainette, du Süße," gab Walburga zurück. "Reise du weiter in das Land, in dem die Zitronen, Orangen und die bittere Mandel blühen. Nimm' an meiner Stelle die kecke Serviettenhalterin mit, sie soll sich als Walburga mit Dir zeigen. Die Wechsel, die bei den Banken der Lombarden eingelöst werden können, sollen Euch zum Unterhalte dienen. Dem Robin soll das Weibsbild schnell aus den Augen geschafft werden. Bindet ihr dicke Wäschebündel um, damit sie in meine Kleider passt. Ich werde diese in der nächsten Zeit hier nicht brauchen."
Auguste erbleichte. Wollte Walburga hier ihrem Leben entsagen, für immer und ewig? So wie sie dem Baron hatte entsagen müssen, nachdem die hinterlistige Comtesse das Geheimnis Augustens Erzeuger so schmählich an's Licht gezerrt hatte.
Kaum dämmerte das fahle Licht des nächsten Brixener Herbergsmorgens, brach die schweigsame Reisegesellschaft auf. Walburga begleitete den gelben Wagen bis an die Tore der seltsamen Herberge und winkte Auguste und ihrer neuen Reisegefährtin Margot so lange hinterher, bis diese um die erste wilde Kurve gen Italien verschwunden waren.
Mit einem dumpfen Geräusch schloss sie die Tore und wandte sich entschlossen dem Hause zu. "Robbin, du wilder Geselle, ich komme jetzt zu Di-hiiiir."

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Richensa

29.12.2007, 22:38

Hach, Karin, nu veroood doch nüch all's!

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Benutzerfoto: Richensa

Richensa

29.12.2007, 23:03

So holperte der gelbe Wagen die Landstraßen entlang, immer weiter nach Süden. Schon bald trat die Kette der schweigenden, schneebedeckten Alpen hinter den Horizont zurück, der Wagen näherte sich von Tag zu Tag mehr den Ebenen des breiten Pos.
Die Sonne wärmte die beiden neuen Freundinnen, die sich mit dem Absingen von munteren Liedern die Zeit vertrieben. Margot brachte Auguste die ersten Worte in den Lauten Dantes und Verdis bei, denn schließlich mussten sie demnächst bei den lombardischen Bankern einen guten Eindruck machen, wollten sich doch die Reisewechsel des Frankfurter Geldmannes, Walburgens Vater, einlösen.
Sie übernachteten in kleinen Hotels, die zumeist von älteren englischen Fräuleins geführt wurden und somit konnten die beiden kaum dem Backfischalter entwachsenen Maiden jede Nacht unbesorgt auf gestärktem Leinen die müden Häupter betten.

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Benutzerfoto: musensohn

musensohn

29.12.2007, 23:07

Wie kommt Ihr bloß auf Margot? Margot Foffteyn ist nämlich die dienstälteste Ballettschildkröte aus unserer Operette "Frühling auf Galapagos"!

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Sancho

29.12.2007, 23:17

Also das mit dem Po, das würde ich doch mal abändern, da hat das Vatikan doch was dagegen.

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Benutzerfoto: Sancho

Sancho

29.12.2007, 23:18

der Vatikan, lese ich gerade...

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Richensa

30.12.2007, 15:55

Endlich riss der Kutscher fluchend an dem Gespinst der Zügel, welches die rassigen Rappen im Zaume hielt und schließlich hielt die gelbe Kutsche auf der sonnenüberfluteten Piazza dell Duomo in Cremona an. Auguste und Margot, deren Name an die berühmte Margot Foffteyn erinnerte, setzten sogleich die hübschen Schutenhütchen auf, die sie in den langen Tagen in der Kutsche mit ihren kunstfertigen, flinken Fingern gefertigt hatte. Die grelle italienische Sonne sollte die zarte Haut nicht vor der Zeit welken lassen, das hatten die verschwiegenen masurischen Nonnen Auguste noch vor deren Abfahrt geraten.
"Schwager Georg, seid so gut, und kümmert euch um Herberge und unser Gepäck, wir wollen uns den Dom anschauen, dies' drollig' Ding, wo das Taufbecken draußen vor der Tür steht."
Als die jungen Damen demütig das Haupt neigend vor dem Altar auf die Knie zum Gebete sanken, für ihre Errettung aus den üblen Fängen des rüpelhaften Räubers Robin der Jungfrau Maria dankten, indem sie die Gagatperlen ihrer Rosenkränze leise durch ihre kalten Finger gleiten ließen.
Auf der hinteren Bank saßen derweil zwei englische Gentleman, die ihre "Tour d'Europe" hier in Cremona, der Stadt der Geigen, unterbrochen hatten. Sie sahen mit großem Wohlgefallen die art'gen Jungfrauen dort unter dem Ewigen Licht knien.
"Wohlan, Sir Archibald," hub der jüngere an, "lasst uns ein wenig an den Gestaden des Po wandeln. Hier riecht es zu stark nach Weihrauch, mir schwindelt ein wenig."
Die Herberge, die der wackre Kutscher für die frommen Frauen gefunden hatte, lag am Rande der Stadt. Aus dem Zimmer mit Aussicht hatten sie einen wunderbaren Blick über den Po, der gemächlich in seinem Bett lag. Und zum Ende des Tages sanken Auguste und Margot hochzufrieden in das gemeinsame Bett und schliefen dem neuen Tag entgegen.

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Richensa

30.12.2007, 16:35

"Good'n Morgan, zauberhafte Damen" hub dieses Mal der Ältere von beiden an. "Gestattet, dass wir uns vorstellen?" Auguste wechselte einen Blick mit Margotchen, die mit ihrem hohlsaumgesäumten Batisttaschentüchlein ein Krümelchen von der rosigen wohlausgeruhten Wange tupfte. "Gewiss doch, meine Herren," erwiderte sie.
"Mylady, mein junger Begleiter ist Sir Mortimer Needlework, der Erbe der Needlewerke in Bristol, und meine Wenigkeit ist sein in die Jahre gekommener Oheim, Sir Archibald Fancywork, mütterlicherseits abstammend von der Familie Fruitoftheloom, der schottischen Tuchmachermonopolisten."
Er hielt kurz ein, fast ein wenig erschöpft von dererlei vielen Informationen, die er an die staunenden Damen weiter gegeben hatte. "Gestern sahen wir bereits von ferne die Werke eurer feinen Nadelarbeiten, die gewisslich eure geschwinden Finger vollbrachten, auf euren zarten Häuptern."
Auguste und Margot schauten weiter, staunend, die fremden Engländer an.
Sir Mortimer lächelte gewinnend über den Frühstückstisch und winkte huldvoll die unverheiratete Pensionswirtin heran, ihnen ebenfalls ein nahrhaftes Frühstück zu servieren. "Frau, ich hätte gerne Nierchen, halb durch, englische Würstchen und in süßsäuerlicher Tomatensauce dümpelnde weiße Bohnen. Dazu Toast ohne Rinde und zu starken Tee." Die Italienerin erbleichte, denn für sie hörte sich dieses an, als habe der Fremde sie des Inzests und der Erbsünde beschuldigt, so viele fremde Worte. Mit gemurmelten Beschwörungen aus dem "Handbuch für tätige Exorzisten" und einer heimlich geschlagenen Bekreuzigung verließ sie das Frühstückszimmer.
"Meine lieben Damen," schaltete sich Sir Archibald wieder ein. "Wir möchten Ihnen ein Angebot machen, welches auszuschlagen mich geradezu ein Ding der Unmöglichkeit dünken täte." Margot hüstelte leise, die hastig verschlungenen Brotkrumen hatten ihr das Atmen fast unmöglich gemacht. Gespannt lauschte hingegen Auguste. Sollte sich ihr elend' Los in fremden Landen, so fern vom Baron doch noch aufhellen?
Der Engländer fuhrt fort: "Wir möchten euch eure Musterbücher abkaufen, damit wir in unseren englischen Textilwerken eure wunderbaren Arbeiten in Serie fertigen können. Kleine geschmeidige Kinderhände haben wir genug, deren endlose Arbeitsfähigkeit nicht durch den Schulbesuch eingeschränkt wird. Ihr würdet eine Rente für die Erfindung neuer Schnitt-, Häkel-, Strick- und Stickmuster von uns bekommen."

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Richensa

30.12.2007, 17:53

Die Engländer staunten nicht schlecht, als sie dieses Vorschlags gewahr wurden. Sie sollten der pekuniären Früchte der kleinen Kinderhände Arbeit für Jahre entsagen? Aber wenn der Weg zum Musterbuch des Fräulein Margot nur auf diese Weise gangbar sein würden, nun, sei's drum, die Gentlemen würden ihn gehen müssen.
"Drum, Myladies, so sei es!" Sir Archibald und Sir Mortimer standen ernsten Gesichtes auf. "Wir werden sofort in das Reich unserer mächt'gen Königin aufbrechen, um alles vorzubereiten, so, wie die Damen es wünschen." Margot und Auguste nickten, unfähig ihr Glück zu fassen.
"Aber eine Bitte schlagt uns nicht ab," Sir Mortimer wand sich voller Verlegenheit in seinem steifen Kragen, der mit Hoffmanns Stärke auch den strengen schottischen Winden schildhaft standhalten konnte. "Könnte uns nicht Lady Margot begleiten, vielleicht auch der Kutscher und der Schwager?"
Auguste überlegte kurz. "Und ich soll in diesem fremden Lande alleine bleiben? Ohne Margots Musterbuch, ohne Margots Gesellschaft, ohne Margots wärmende Füße abends? Oh, nein, Mylords, diesem Ansinnen kann ich unmöglich nachgeben. Wo ich schon Walburga an fremden Gestaden zurück ließ, um mit Margot gen Italien zu enteilen, wo die Sonne wärmt, wo der Po in seinem Bette...." "Liebste Freundin," hub die andere wieder an. "Habt keine Angst, ich lasse Euch nicht in der Fremde zurück. Als Ausgleich schicken wir den freundlichen Herren den Kutscher und den Schwager mit, damit die Herren nicht so alleine sind, wenn sie im kalten Engelande die Ankunft meines Musterbuchs in aller geziemenden Sorgfalt vorbereiten."
Auguste klatschte freudig erregt in die feinen Hände, während die Herren einen schnellen Blick tauschten. Woher hatte die flinke Margot gewusst, dass sie ohnehin einen Kutscher und einen Schwager brauchten für ihr verschwiegenes Landhaus in den Cotswold Hills?
Ein eilig herbei gerufener Jesuit, der in allen den dunklen Künsten, aber auch im Aufsetzen von internationalen Verträgen in geheimen Missionen des Vatikans beschlagen war, brachte Papier und Tinte aus den Tiefen der Soutane hervor. Schnell zuckte die geschliffene Feder über das papierne Feld, Paragraphen, Unterpunkte und Unterschriften wurden bereitet.
Bald reisten die vier Herren gen Engeland ab, hoffnungsfroh, denn sie würden das Leben vieler Kinder auf's Beste ändern, fest entschlossen, auch Fräulein Margot dereinst eine Heimstatt bieten zu können. Der Kutscher hatte bitterliche Tränen vergossen, als ihm mitgeteilt wurde, dass er seine vier Rösslein im Land der Zitronen und Orangen würde zurück lassen müssen. Der Schwager hingegen wollte seit vielen Jahren einmal die berühmten Beefeater sehen, von denen ihm die Stiefmutter Augustens einst abends vor dem Schlafengehen erzählt hatte.
Die Damen hingegen zogen sich zum Lustwandeln auf die Flussdeiche des Pos zurück und beschlossen, am nächsten Tage die Eisenbahn nach Florenz zu nehmen, um endlich die Frankfurter Wechsel im Bankhaus der Lombarden einlösen zu können. Sodann würden sie unerkannt gen Milano reisen, um sich dort nach den Butterpreisen zu erkundigen.
Natürlich würden sie auch neue Gewebe, farbenprächtige Stoffe unter den kundigen Fingern fühlen, die sie in Margots Musterbuch zu zeichnen gedachten.

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Richensa

02.01.2008, 16:06

Währenddessen hatte die kecke Comtesse ihre Chancen genutzt. Dank ihrer tadellosen Tischmanieren und der Verbindungen über ihre Cousine zweiten Grades, die Baronesse von Bevern, hatte sie eine huldvolle Einladung zum Klöppelkreis der greisen Großmutter von Augustens hochverehrtem Baron erhalten. Die alte Dame war dafür bekannt, dass sie sowohl Klöppelkissen als auch Teelöffel trotz des Alters von etwa 85 Jahren immer noch tadellos hielt.
So hatte dann die Comtesse auch rasch dank der Kammerzofe der greisen Baronin erfahren, wann der junge Baron seine geliebte Großmutter zu besuchen gedachte. Die Beverner Baronesse hingegen verstand es, auch ihrer Cousine zweiten Grades, der kecken Comtesse eine Einladung zu den beliebten Gartenfesten der alten Baronin zu verschaffen.
Frisch geschnürt und gemiedert, die Locken frisch mit dem Lockeneisen gedreht und die Wangen durch stetes Kneifen zu jungmädchenhaftes Rosa verfärbt, kamen sie in der offenen Equipage der Bevenerin vorgefahren.
Wohlgekleidete Knaben empfingen sie und führten sie in das Gartenzimmer der alten Dame, welches einen zauberhaften Ausblick auf die weiten des barocken Gartenensembles, welches in allen Tönen des Rosenregenbogens im hellen Sonnenlichte erstrahlte. "Wohlan, ihr Mädchen," hub die Alte an. "Der Butler serviert gleich den Tee, ihr seid zur rechten Zeit bei mir erschienen. Und in einer kleinen Epistel teilt mir mein geliebter Enkelsohn, Baron Bodo, sein Erscheinen mit." Die beiden Durchtriebenen lächelten liebreizend.
Indes kam der englische Butler mit dem Servierwagen in die Veranda gefahren. Kandierte Früchte aus Italien, Butterscones mit Erdbeerkonfitüre, Gurkensandwiches und vielerlei Leckereien waren zu wohlschmeckenden Pyramiden geschichtet. In fast durchsichtigem Biskuitporzellan wurde Tee aus Ceylon von dem schweigsamen, scharzgewandeten Engländer serviert. Als die Comtesse, die Baronesse und die Baronin sich diese Köstlichkeiten gerade munden ließen, meldete der Butler den Langerwarteten.
Kaum war dieses vermeldet, trat der junge Baron bereits ein. Ein herzliches Lächeln erwärmte die Züge der Greisin. "Oh, geliebter Enkelsohn, welche Freude, Euch hierhaben zu können. Ihr versüßt mir den Nachmittag mehr als sämtliche kandierten Früchte auf der silbernen Etagère dort drüben." Sie streckte die dürren in violettfarbiges Sammet und Seide gehüllten Arme nach dem schmucken Manne aus.
Er beugte sich zum Gruße gar galant über die knochige Hand. "Sagt, Großmutter, welche liebreizenden Gäste habt Ihr mir hier verschwiegen?" - "Ach, mein Enkel, dieses sind zwei reizende Mädchen, die mir den Tag heller machen, solange Ihr nicht bei mir seid."
Er lächelte zu den jungen Damen. Die Baronesse von Bevern lächelte herzlich und zeigte dabei ihre elfenbeingelben kräftigen Zähne. Schnell hob sie den Fächer, zu spät, der junge Baron war schon erbleicht ob so viel kräfitigen Beißwerkzeugen. Indess legte die kecke Comtess ihr zartes Haupt etwas schief und lächelte ihr in langen Stunden geübtes, hinreissendstes Lächeln. Dem jungen Baron wurde ganz warm. Oh, welch' zauberhaftes Wesen, dachte er bei sich.
Schnell nahm er sich ein Stückchen Konfekt und versuchte, der Verwirrung seines Herzens Herr zu werden. Seit er Auguste vor so langer Zeit an einem Besuchstag in jenem verschwiegenen Kloster unter den dunklen Tannen Masurens von hinten gesehen hatte, jenem ach' so kurzen Moment, war ihm nie wieder so gewesen.
Er verschluckte sich an dem heißen Tee und ließ sich von seiner Großmutter auf den Rücken klopfen, damit er wieder zu Atem kam.

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Richensa

02.01.2008, 17:57

Während die Wangen der fleißigen Stickerinnen augustenrot über italienischem Gebäck und Kaffee erglühten, bahnte sich im fernen Salon der greisen Baronin eine Verbindung an, die Auguste auf der Stelle wie das weiße Batist der Taschentücher hätte erbleichen lassen.
Die Baronin hatte zu mit der Großtante der Comtesse bei einer Partie Bridge über das Glück des jungen Barons geflüstert. Es wäre eine vorteilhafte Verbindung für beide Familien, wenn die Comtesse und der Baron sich vermählen und in ehelichem Glücke fruchtbar für den Fortbestand sorgen würden. Sie hatten die weißen Köpfe über einem Gläschen stärkenden Sherry zusammen gesteckt und sich alles auf's Vortrefflichste ausgemahlt.
Nun weilten die Familien im weitläufigen Residenzschloss, es sollte Verlobung gefeiert werden. Der Baron hatte dem scheinbar keusch errötenden Comtesschen den Ring seiner Mutter mit sanfter Gewalt über den schwellenden Fingerring gedrückt und sie mit zackig aneinanander knallenden Hacken um ihre Hand gebeten, nicht, ohne vorher den Vater der Braut mit der Vorausfertigung der Übertretungsurkunde beglückt zu haben.
"Oh, gewiss doch, wenn ich darf," hatte sie gehaucht, als er sie nochmals gefragt hatte. "Ja, ja, ja..!"
Die Nacht war herein gebrochen, der Ball zu Ehren der frisch Verlobten war mit einem Feuerwerk zuende gegangen.
In tiefem Schlummer lag das Schloss und seine Bewohner.
Die Comtesse erwachte, weil sie ein dringendes Bedürfnis verspürte. Sie weckte ihre französische Kammerzofe Juliette, die ihr das Töpfchen reichen sollte. Mit Schrecken bemerkte das junge Ding, dass keines der unaussprechlichen Gerätschaften im Zimmer zu finden war.
"Oh, Comtesse, was sollen wir nür tüün?" "Vielleicht haben sie hier schon diese modernen Wasserkastenkabinette," versetzte diese missgelaunt. Die Zofe reichte zitternd einen köstlich bestickten Morgenmantel. "Hier nehmt den italienischen Seidenmantel, Comtesse."
Missgestimmt begab sich die sonst so Kecke auf die Suche. Lange Gänge durchmaß sie auf ihrer Suche, Antichambre um Antichambre, Saal um Saal. Schließlich fand sie doch das, was sie suchte, in einem Kabinett am Ende des Ganges. Ebenso erleichtert wie der mächt'ge Strom am indischen Ozean fühlte sie sich auch, als sie geendet hatte.
Das kesse Comtesschen machte sich auf den langen Rückweg. Saal um Saal durchmaß sie wieder, Antichambre um Antichambre, Gang um Gang.
Schließlich wähnte sie sich wieder vor der Eingangstür zu ihren Gemächern. Just in diesem Momente verlosch durch einen heftigen Windzug die Kerze, die sie in der vor Kälte zitternden Hand hielt. Sie erstarrte wie die Marmorfiguren auf dem langen Gang. Hätte sie besser bei den Nonnen und bei Pater Ralph aufgepasst, hätte sie sich wenigstens merken können, welche Figurine vor ihrer Tür Wache über ihren Schlaf gehalten hatte.
Nun musste sie sich ganz auf ihre sonstige Kessheit verlassen. Leise drückte sie die Klinke herunter und schlüpfte in das dunkle Gemach. Dort stand das große Bett mit dem Baldachin über den Eichenpfosten.
"Nun denn, es ist vollbracht," dachte sie und schlüpfte unter die Bettdecke. Schon wollte sie einschlafen, als sie bemerkte, dass nicht die Zofe Juliette das Bett warm gehalten hatte. War das der Mops Helmut? Sie streckte die kalten Füße aus und erstarrte. Der Mops hatte noch nie so lange Beine sein eigen genannt.
Der Baron war erwacht, als eisige Füße seine Beine entlang fuhren. Welcher Nachtmar narrte ihn da nur? Auch er erstarrte genauso wie die kesse Comtess, als er bemerkte, dass er nicht mehr alleine im Bett war und dieses gewisslich auch nicht sein Diener Gustaf war. "Herrschaft, haben Sie kalte Füße," entfuhr es ihm.
Die Comtesse kreischte kurz, bevor sie aus dem Bett sprang und bereits aus der Tür heraus war.
Auf dem Gang begann sie leise zu kichern. Gewiss war dieses der Herr Verlobte gewesen, nun konnte er nie mehr zurück, denn sie gedachte, diese unschuldige Geschichte morgen tränenüberströmt der Mutter zu berichten. Diese würde gewisslich sofort die Hochzeit arrangieren, damit die Ehre der Tochter gewahrt blieb.
Da sah sie aus dem Zimmer am anderen Ende des Ganges ein Nachtlicht auftauchen, welches die getreue Juliette in den Händen hielt.
"Comtesse, ich 'ab' mir groß' Sorge' gemacht," wisperte die Französin. "Alles ist gut," versetzte die Comtesse mit einem schwer zu deutenden Lächeln.
Glücklicherweise hatte die Comtesse ihr Hochzeitskleid bereits anfertigen lassen und war nun auf's Beste gerüstet.
Und so wurde die Hochzeit schnell und in aller Stille, mit kaum 178 Gästen am nächsten Tag gefeiert.
Hätte Auguste dieses geahnt, allein', das Herz wär' ihr im Leibe zersprungen!

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Richensa

05.01.2008, 16:50

Keuchend und schnaufend fuhr der Zug in den Bahnhof ein.
"Margot, die Koffer und unser Necessaire, das Plaid und der Picknickkorb, die Musterbücher und die Stoffproben" rief Auguste erregt. "Wir müssen allhie' umsteigen."
"Gemach, gemach," versetzte die ruhigere von beiden. Sie zog flink ihren in durchbrochener Häkelarbeit angefertigten Handschuh von der rechten Hand und hob zwei Finger an die zarten Lippen. Ein Pfiff gellte über den Bahnsteig. Erschrocken blickte Auguste zu ihrer Freundin. Hatte diese Fähigkeiten und Kenntnisse, von denen sie, Auguste, noch gar nichts ahnen konnte? Sie hatte allerdings wenig Zeit, über diesen Gedanken nachzugrübeln, denn schon standen zwei kräftige Kofferträger vor dem Waggon.
"Hurtig, Gesellen," hub Margot an. "Wir müssen den Zug nach......." Sie verstummte, denn just in diesem Augenblicke ward sie des Bahnhofsschildes gewahr. Dort, wo "München" hätte stehen sollen, auf dem weißen Grunde, dort stand in großen Lettern "Davos". Wie war das möglich? Kein Schaffner hatte sie wegen ihrer Billetten behelligt, kein Zöllner in ihren weißen, zartgerüschten Unausprechlichen gewühlt.
Die beiden Damen hatten nicht bemerkt, dass sie, als sie in dem vorletzten Waggon Platz genommen hatten, in den Privatzug des Botschafters des Heiligen Stuhls, Monsignore Dionigi Kardinal Giussani gestiegen waren. So waren sie unter dem Schutz der heiligen Mutter Kirche ohne Grenzkontrollen in die Schweiz gelangt.
Davos, sollte dies ein Zeichen sein?
Der Abend brach schon herein, die Sonne senkte ihr gleißend Antlitz auf die Berge um den kleinen Ort. Auguste und Margot ließen sich von einer Lohndroschke in die zauberhafte Fremdenpension "Annerose" bringen, um sich am nächsten Morgen in dem berühmten Luftkurort umzusehen.
"Margot, wir könnten hier unsere feinen Taschentücher mit den Häkelspitzen fertigen und sie mit roten Rosen besticken." "Eine feine Idee, Auguste, dann sieht man nicht die kleinen Bluttröpfchen nicht so schnell, die manche Dame hier hustet."
Zufrieden zogen sie sich in ihr Zimmer zurück und schliefen Arm in Arm ein.

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Richensa

05.01.2008, 17:24

Noch während Auguste mit sich uneins war, was sie nun tun sollte, als ihr gleichzeitig heiß und kalt wurde, als sie noch drohte, in einer tiefen Ohnmacht zu versinken, drehte sich der Baron in ihre Richtung.
Margot hielt der Bebenden ein feines Batisttüchlein, welches mit Veilchenduft getränkt war, an die schweißfeuchte Stirn und zog schnell den kleinen, vanillefarbenen Sonnenschirm herunter, damit Auguste dem Baron kein Schauspiel ihrer Begehrlichkeit bieten konnte. Margot indes schaute über den mit feinem Lochmuster bestickten Rand des Sonnenschutzes hinweg.
"Ei verbibbscht," entfuhr es ihr.
"Margot, was siehst du, Margot, lass mich hier nicht im Ungewissen, Margot, hat er uns gesehen?" Die Fragen sprudelten nur so heraus aus der ungestühm Liebenden.
Die in so kurzer Zeit zur Vertrauten gewordene seufzte leise. "Augustchen, wenn du mir versprichst, tapfer zu sein?" "Was ist denn, liebste Freundin?" "Nu, mich dünkt, dass das nicht seine Schwester ist, die sich auf seinen starken Arm stützt und auch nicht die Mutter und schon gar nicht die Großtante."
Vorsichtig ließ sie den Schirm sinken. Auguste presste das Taschentuch vor den Mund, um nicht laut aufzuschreien. Dort stand, in fliederfarbenes Musselin gehüllt, mit einem schicken Hut angetan, ihre ärgste Feindin. Die, die ihre Familiengeschichte überall herum erzählt hatte, weil sie heimlich die Korrespondenz zwischen der Mutter Oberin und dem Lübecker Marzipanmagnaten, der ihre unglückliche Mutter so sehr geliebt hatte und sich um sie, Auguste, die Tochter kümmerte, gelesen hatte.
Der Baron schaute seine Frau verliebt an, er hatte nicht den namenlosen Schrecken der beiden jungen Frauen nur wenige Schritte von ihm entfernt, bemerkt. "Bodo, Liebster," säuselte die Kecke ihm ins Ohr. "Lass uns in unser schönes Hotel zurück kehren, Tante Gerda wird gleich ihre Anwendungen beendet haben und dann können wir schön lecker Mittach essen." Der Baron erbleichte bei der Vorstellung, schon wieder mit dieser schlecht erzogenen, unglaublich streng riechenden, aber schier unermessliche reichen Tante seiner reizenden Gattin zusammentreffen zu müssen. Aber nun denn, ihr gehörten sieben Kohlezechen zwischen Dortmund und Gelsenkirchen.

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Richensa

05.01.2008, 18:16

Verzagt antwortete Auguste: "Liebste Margot, er ist nun mit meiner ärgsten Feindin verheiratet, die jung ist, eine Natur wie ein masurischer Karpfen, ebenso dumm ist, aber ihn mit einer hinterlist'gen List zu ihrem Ehemann gemacht hat. Sie hat gewonnen. Auf meinem Grabstein wird nur stehen, dass hier Auguste mit geborstenem Herz liegt."
"Nein, eher will ich wieder in die Herberge in Brixen zurück gehen, als dich diesem Schicksal anheim fallen zu lassen."
"Aber was willst du denn machen?" "Lass mich nur," Margot lächelte still vor sich hin. "Wir bleiben hier und lassen uns etwas einfallen. ICH lasse mir etwas einfallen. Fangen wir schon einmal an, die Taschentücher zu fertigen, Liebes."
Auguste wischte die Tränen fort, die bereits auf das zarte Gewebe in ihren Händen getropft waren.
Nach wenigen Tagen bereits hatten sie ihre ersten Kundinnen gewonnen, die die zarten Handarbeiten den beiden fast aus den Händen rissen, kaum dass sie den letzten Faden abgebissen hatten. So lernten sie auch bald die Großfürstin Olga kennen, die hier mit ihrem greisen Ehegatten zur Sommerfrische war. Die Ausdünstungen von St. Petersburg und die vielen Schwangerschaften hatten die muntre Matrone gelangweilt und so waren sie zu dieser Reise aufgebrochen. Die beiden jungen Damen waren von der unkonventionellen Frau zum Tee in ihr Ferienhaus, welches eher ein Schloss war, eingeladen worden.
Während der Samowar leise simmerte, hatte sie ihnen gleich belustigt von ihrem Mann erzählt, der einer jungen Baronin, die wohl seine Tochter hätte sein können, einen unendlich kostbaren Silberbecher mit Edelsteinen geschenkt hatte. "Das dumme Ding," lachte sie. "Sie hat sich gerade einen schmucken Baron geangelt und lässt sich von meinem Vladimir Geschenke machen." Auguste und Margot tauschten wissende Blicke aus. Ihr Butler reichte den Damen auf zarten Porzellantellern hauchfeines Gebäck mit einem Teelöffelchen feinstem Kaviar, garniert mit einer Dillspitze.
Fürstin Olga beugte sich vor. "Man erzählt sich auch, dass ein schwerreicher englischer Tuchindustrieller ihr den Hof macht und ihr einen Tuchballen nach dem nächsten schickt. Wie vulgär, nicht wahr?" Eifrig nickten die Mädchen. "Das hat Baron Bodo von Boddelschwung nicht verdient," stieß Auguste düster hervor.
Margot hatte bereits einen Plan, von dem sie Auguste nichts zu berichten gedachte. Sie wollte der Komtesse eines Taschentücher unterjubeln, in welches zuvor ein Patient der Lungenklinik hineingehustet hatte.
Als Auguste schon lange schlief, dachte Margot noch lange über ihren Plan nach.

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Richensa

05.01.2008, 20:01

"Oh Margot, das kann ich nicht tun. Was würde die liebe Mutter Oberin dazu sagen?" Auguste schüttelte die Locken, die noch unter der Nachthaube verborgen waren. Margot verdrehte die Augen, aber so dass die bleich gewordene Auguste es nicht sehen konnte. Nun gut, dann würde sie eben alleine gehen.
Sie hatte sich den Plan schon zurecht gelegt. Die Großfürstin Olga würde ihre unwissende Komplizin sein, denn die Russin hatte Auguste und Margot wiederum zum Tee geladen. Margot gedachte, sich unter einem Vorwand zu verabschieden und dann.....
Nachdem Auguste sich standhaft geweigert hatte, weiter von Margots Plan zu hören, hatte die ruhige Braunhaarige sich zurückgezogen und sich vorbereitet. Stunde um Stunde hatten sich die Freundinnen wieder über ihre Taschentücher gebeugt und die wunderbarsten Bilder auf das helle Gespinst gestickt.
Schließlich war die Stunde der Einladung herangerückt. Eine prächtige Kutsche mit vier rassigen Rössern hielt vor dem hübschen Hotel und die beiden Damen kamen, hübsch angetan, schnell die wenigen Stufen herunter. Ein Don Kosack hielt ihnen die Equipagentüre auf und nur wenige Augenblicke später brauste das Gefährt hinfort.
"Meine lieben Mädchen, wie schön, dass ihr kommt," die Fürstin lud sie mit einer Handbewegung ein, bei ihr auf dem lang gestreckten Sofa Platz zu nehmen und winkte gleich die Diener mit dem Samowar und den Konfektschalen herbei.
"Liebste Fürstin," sagte Margot, nachdem sie die dritte Tasse Tee getrunken hatte, "ich habe meinen Handarbeitsbeutel vergessen. Gestattet, dass ihn geschwind hole." Als die Fürstin huldvoll ihrer jungen Freundin zunickte, eilte diese behende aus dem reich geschmückten Zimmer und bevor der Kutscher anspannen konnte, war sie verschwunden.
Der Baron Bodo von Boddelschwung und seine Gattin saßen auf dem Südbalkon ihrer Zimmerflucht, die ihnen die Tante Gerda zugewiesen hatte. Bodo starrte gelangweilt auf die Buchstaben in der Zeitung, nach nur wenigen Wochen Ehe mit der Baroness fragte er sich, ob sein restliches Leben so weiter verlaufen würde. Tante Gerade immer dabei? Er runzelte die Stirn, als der Diener seiner Tante Besuch meldete. "Euer Gnaden, hier ist die Taschentuchverkäuferin, die eurer Gattin die Bestellung liefern möchte."
"Oh ja," rief die Baroness. "Ich habe schon den ganzen Tag darauf gewartet, es ist der letzte Schrei, ein Taschentuch von M & A zu haben. Ich will die ganze Kollektion haben!"
Der Baron stand auf und ging in sein Zimmer, um sich ein Schlückchen Whiskey zu gönnen.
Währenddessen glitt Margot durch die Zimmerflucht und begab sich auf den Balkon zur Baroness. Als diese ihrer gewahr wurde, runzelte sie kurz die reizende Stirn, sie hatte das Gefühl, die junge Frau in dem eleganten italienischen Nachmittagskleid schon einmal gesehen zu haben.
"Eure Ehrlaucht, darf ich euch unsere kleine Kollektion zeigen? Wir haben einmal die Serie "Bergblumen" und dann die Serie "Alpenglühen" und schlussendlich "Kühe unserer Heimat". Und damit sie von Anfang an unsere Tüchlein besonders schätzen, haben wir sie mit dem Duft der Abbildungen parfümiert."
Und schon zog sie dasjenige Tüchlein aus dem Stapel, welches sie so vorsichtig versteckt gehalten hatte. Sie hielt es der Baroness hin, die es an sich nahm und daran ausgiebigst schnupperte.
"Sehr schön, ich will alle drei Serien haben. Dieses hier behalte ich gleich hier!" meinte die Baroness mit Bestimmtheit in der der Stimme. Sie sog den Duft ein, noch und nöcher, nicht ahnend, dass der Tod leise in ihr Boudoir getreten war.

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Benutzerfoto: vilmoskörte

vilmoskörte

06.01.2008, 00:32

You find me sprachlos.

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Benutzerfoto: PJebsen

PJebsen

06.01.2008, 00:39

@vilmoskörte: Goes me similar. Diese Qypenovela ist ganz groß!!!

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Benutzerfoto: Richensa

Richensa

06.01.2008, 13:29

Alldiweil saßen die beiden fleißigen Lieschen wieder über ihren Musterbüchern und überlegten, mit welchen Handarbeiten sie weiterhin die Damen in Davos erfreuen konnten. Inzwischen hatten sie drei Stickerinnen angestellt, die in einem hübschen Zimmer am Ende des Ganges saßen und eifrig stichelten. Die Serien "Bergblumen", "Alpenglühen" und "Kühe unserer Heimat" waren seit Tagen ausverkauft, derweil liefen "Geißen unserer Alpen", "Geißenpeter und Heidi" und "Heidi und ihre Verwandten" sehr gut an.
Bald würden Auguste und Margot eine eigene Manufaktur eröffnen können, der sie eine Schule für Mädchen anschließen wollten, denn sie hatten bemerkt, dass ihre Stickerinnen einen bedauerlichen Mangel an Bildung verfügten.
Bodo Baron von Boddelschwung betrachtete wenige Wochen nach dem bedeutungsvollen Einkauf seiner Gattin diese beim Frühstück. Sie sah blass aus, unwohl befand er.
"Liebes," fragte Bodo vorsichtig. "Du wirkst unwohl, ist dir nicht gut?"
"Ach Bodo, ich fühle mich immer so müde, ausgelaugt von den vielen Teeeinladungen bei Tante Gerda." "Könnte Dir eine vertraute Gesellschafterin etwas Aufmunterung bringen?"
"Danke sehr, Tante Gerda reicht mir vollkommen aus," gab sie spitz zurück. Bodo schwieg und verschanzte sich wieder hinter seinem "Davoser Blatt".
Tag und Tag lag die ehemals Kesse, nun blasse Baroness auf den aus einem speziellen Rattanrohr geflochtenen, mit Fellen belegten Liegebetten und hustete, immer wenn sie meinte, dass Bodo es nicht sehen würde, in ihr Taschentüchlein.
Tante Gerda war das Siechtum der jungen Nichte nicht entgangen, hatte sie zwar noch zunächst gehofft, dass die Lustlosigkeit auf einen kommenden Nachkommen hindeuteten. Sie sah ein, dass sich die Nichte einen ordentlichen Lungenarzt konsultieren sollte.
Der Doktor Spengler musste eingeladen werden, um der Nichte die Brust abzuhören.
Schon am nächsten Tag kam der stille Mann schweigend aus dem Boudoir der Baroness zurück in das Teezimmer von Tante Gerda.
"Nun denn, ich fürchte, dass es sehr ernst ist. Die Baroness von Boddelschwung muss sich streng an die Kur halten, am besten für das nächste halbe Jahr hier bleiben." Bodo und Gerda schauten sich erschreckt an. "Um Himmels Willen, Herr Doktor, habe ich ihrem Zustand in'n Schuld," fragte Gerda von Zechstein erschrocken. "Ich weiß nicht genau, wo sich ausgerechnet hier, im Heilklima von Davos ihre reizende Nichte angesteckt haben soll. Wahrscheinlich hatte sie den Keim der heimtückischen Krankheit schon in sich, als sie hierher kam." Bodo hingegen dachte an die Nacht, als sie mit ihren eiskalten Füßen in sein Bett gekommen war. Sollte sie sich damals das todbringende Lungenleiden erschlichen haben? Wo war sie überhaupt her gekommen? Hatte sie in jener Nacht noch andere Betten als das ihrige besucht? Was hatte ihn eigentlich dazu gebracht, diese Frau so schnell und ohne ausreichendes Wissen über ihren Leumund eingeholt zu haben, zu heiraten.
Ihm schwindelte, als er über die Möglichkeit nachdachte, eine Andere geehelicht zu haben, eine die ihm durch ihre Zartheit an jenem einen Nachmittag in dem stillen masurischen Kloster aufgefallen und die vor nur wenigen Wochen hier unvermutet auf dem Markte wieder in seine Gedanken getreten war. Auguste... er hatte sie seitdem nicht mehr gesehen, wusste aber über Tante Gerda, dass sie hier inzwischen ein kleines Gewerbe mit angeschlossener Mädchenschule betreute. Ob er sie doch mit der Aufgabe als Gesellschafterin seiner Gattin betrauen konnte? Ihre stille Einfachheit musste der Baroness doch einfach guttun. "Und mir auch," fügte er nach einer Weile in Gedanken hinzu.

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Richensa

06.01.2008, 14:32

Und als Todesengel besuchte sie Auguste, die stets ein Läpplein mit Essig bei sich führte, um sich zu schützen, winkte ihr liebevoll zu und beugte sich, wenn Auguste die Zeit nutzte, kurz ins heimlich Gemach, den Abtritt, zu verschwinden, über die Kranke, reichte ihr lächelnd noch ein Tüchlein mit frischen Keimen, ohne dass irgendjemand sonst von dem perfiden Plan ahnte.
Alle Macht der Medizin schien wirkungslos, so dass der Baron, die sorgenvolle Tante und alle weiteren Bekannten die Suite der Baroness mieden wie der Teufel das Weihwasser. Nur der getreue Doktor, seine schweigenden Krankenschwestern mit den großen Hauben, die aussahen wie mächtige Schwingen des Todes und Auguste verweilten am Bett der einst so Lebenslustigen, die nicht mit Gemeinheiten sparte.
Eines Morgens begab sich der Doktor nach der Visite zum Baron, um ihn davon zu überzeugen, dass es das Beste wäre, wenn man die Kranke noch weiter ins Gebirge hinauf brächte, dorthin, wo die Geißen lustig umher sprangen, wo die Senner die Milch zu Käse verzauberten und die Herzen der weiblichen Reisenden aus der ganzen Welt in der Sonne schmelzen ließen. "Meint Ihr wirklich, Herr Doktor, dass meine Gattin den Anstrengungen der Reise gewachsen sein wird?" fragte Bodo vorsichtig. "Gewiss doch, Durchlaucht, sie hat einen zähen Willen und wir haben hier jede Menge Trageesel, die noch jeden auf den Berg gebracht haben," erwiderte der Mediziner freundlich. "Und manchen in tiefe Gletscherspalten, das kostet aber extra," fügte er in Gedanken hinzu.
"Nun gut, dann will ich alles veranlassen, auch eine Menge Esel braucht es, damit meine Gattin alles zu ihrer Bequemlichkeit mit sich führen kann."
Der Arzt verabschiedete sich schnell, er hatte noch viele reiche Patienten zu behandeln, außerdem gedachte er, endlich die neuen Skieer auszuprobieren.
Währenddessen trat der Baron in das Zimmer der Siechenden und sah, dass sie schlief. Er ahnte nicht, dass sie von einem kleinen Disput mit Auguste sehr erschöpft war, denn sie hatte Auguste gestanden, dass sie, die ehemals kecke Comtess gewesen war, die das Geheimnis Augustens Herkunft in ihrer Schule, dem stillen masurischen Kloster ausposaunt hatte. Auguste war fast ebenso blass geworden wie die Baroness siechenbleich war als sie deren Worte vernahm. "Ich weiß es längst, Ihr habt mich unendlich gekränkt, denn meine Mutter war ein unschuldig' Mägdelein, als der greise Bischof sie so unziemlich bedrängte und ihr im Beichtstuhle ihre Jungfräulichkeit raubte und sie an jenem kalten Dienstag zur Mutter machte. Meine Mutter wäre vor Kummer beinahe in die kalten Wasser der Trave gegangen, hätte sie nicht der Marzipanmagnat aus Lübeck gerettet und mein Leben gleich mit." Die Baroness war noch blasser als bleich geworden und hatte gemurmelt: "Wäre sie nur.." Auguste hatte schmerzvoll aufgeschrieen und war weinend an ihrem Handarbeit zusammen gesunken. Heiße Tränen tropften auf den angefangenen Pulswärmer, den sie in ihrer Lieblingsfarbe "augustenwangenrot" gerade für zwei Waisenkinder strickte, die sie und Margot in ihrem kleinen Haushalte aufgenommen hatten.
Dieses konnte Bodo von Boddelschwing nicht ahnen. "Auguste, liebes Mädchen, ihr tut meiner Gattin offensichtlich so gut, dass sie in eurer Gegenwart selig eingeschlummert ist. Ich möchte Euch einen Vorschlag unterbreiten: der Lungenarzt hat mir geraten, meine Gattin noch weiter in's Hochgebirge zu schicken, auf einer Karawane leichtfüßige Esel wird ihr alles, was sie braucht in eine Almhütte gebracht. Ich wollte Euch nun bitten, mit ihr zu reisen und für sie zu sorgen. Ich werde, sooft es mir meine Angelegenheiten erlauben, zu Euch, Auguste, kommen und Euch auch etwas an Annehmlichkeiten bieten. Wollt Ihr, liebe Auguste also?"
Auguste ließ verschämt ihr Strickzeug in den Schoß sinken und lächelte so leise, dass der Baron schon fürchtete, man könne das metallene Klirren der zu Boden fallenden Stecknadel bis hinüber zum Rauchsalon vernehmen, wo Tante Gerda neben einer Tasse Tee auch noch eine Reihe kubanischer Zigarren verkostete.
Er hob das Niedergefallene auf und reichte es ihr. Die kleine Berührung seines rechten Zeigefinger elektrisierte sie so, dass sie über und über errötete. Nach einer kleinen Stille sagte sie: "Oh gewiss, wenn ich darf." Der Baron stand unvermittelt auf und verließ das stille Gemach, in welchem es so nach Essig roch.
Schon am nächsten Tag begannen die Vorbereitungen für die Reise. Esel um Esel wurde mit Kisten und Kästen beladen. Schließlich stand eine kleine Kutsche, welche die Sieche und ihre Gesellschafterin bis zur Baumgrenze in's Gebirge bringen sollte. Hinter der Kutsche liefen zwei sanfte Eselinnen her, auf die die Beiden umsteigen sollten, sobald die Kutsche dem steilen Wege nicht mehr gewachsen sein würde.
So begann der Tag in Davos. Auguste brauchte nicht viel, sie gedachte nur ein neues Musterbuch und ihre Buntstifte mitzunehmen, sowie frisches Weißzeug für jeden Tag der Woche.
Als sie am Ende des Tages vollkommen erschöpft in der Sennhütte ankamen, die für die nächste Zeit ihr Zuhause sein sollte, waren ein wärmender Eintopf aus Almkräutern und Milch schon bereitet. Die Baroness, leichenblass, wurde schnell in das Heubett gebracht, welches so weich wie der Busen von Mutter Natur war. Auguste indessen schaute in den unendlichen Sternenhimmel und dachte bei sich: "Er ist so unendlich wie des Barons Augen tief sind. So blauschwarz, so..." Selbst ihre Gedanken verstummten, nur ein warmes Pochen fuhr ihr in die Glieder.

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RegineH

08.01.2008, 12:25

Janz grosses Damenkino!

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Benutzerfoto: BerndB

BerndB

08.01.2008, 14:48

Ein Zwischenruf vom Oberrang: WANN??? und WIE??

Verirrt sich Robin Offlocksli mit seinen sächsischen Anglern auch noch einmal in die Geschichte???

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Benutzerfoto: BerndB

BerndB

08.01.2008, 14:49

Ein Zwischenruf vom Oberrang: WANN??? und WIE??

Verirrt sich Robin Offlocksli mit seinen sächsischen Anglern auch noch einmal in die Geschichte???

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Benutzerfoto: BerndB

BerndB

08.01.2008, 14:49

??? Mit Echo?

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Richensa

12.01.2008, 21:31

Lang, sehr lang war der Zug, welcher der teuren Verblichenen auf einem ihrer letzten Wege folgte. Der Baron hatte wieder alle Esel gemietet, deren er habhaft werden konnte. So wurden die vielen Kisten und Kästchen, die mühevoll nur wenige Tage vorher auf den Gipfel geschafft worden waren, wieder nach Davos geschafft. Die ehemals so Kesse war totenbleich, totenstarr und totenstill, als sie in einer grob gewirkten Leinenhülle von zwei stummen Trägern ins Tal gebracht wurde.
Als Tante Gerda der Prozession gewahr ward, brach sie laut weinend zusammen, von ihrem Kammerdiener nur mühsam gehalten und auf ein zerbrechlich wirkendes Sofa geschafft. "Oh du gutes Kind, oh, ich versprach Deinen Eltern, gut für Dich zu sorgen, während wir mit deinem guten Ehemann umherreisen. Was soll ich ihnen nur sagen?"
Der Baron, der gute, hatte nur wenig geschlafen, zuviel musste noch für ein angemessenes Begräbnis gerichtet werden. Viele Ellen schwarzen Stoffes für die Trauerkleidung der Rösser, die seiner Gattin Sarg in einem offenen Landauer zu ihrer letzten Ruhestätte im Kirchlein des Ortes kutschieren sollten.
Zum Glück hatte aber auch hier die getreue Margot auf's Beste vorgesorgt: dank der guten Verbindungen zu den englischen Tuchmüllern waren schon seit Wochen Ballen um Ballen, unauffällig in braunem Packpapier geschlagen, mit der Bahn über Rotterdam nach Davos geliefert worden. Nun war Margot die einzige, die diese prächtige Leichenschau ausstatten konnte. Auguste hatte sich ein paar Tage von dem Schock erholen müssen, dass ausgerechnet sie, die kaum einer Fliege etwas zuleide tun konnte, ihre Rivalin im Heubette hatte entdecken müssen.
Tante Gerda hatte sich dank der aufopfernden Pflege ihres Dieners Gustav schnell wieder gefangen und beaufsichtigte nun die Vorbereitungen.
Und so konnte sich Menschenalter später niemand erinnern, in Davos jemals so einen wunderschönen und geschmackvollen Trauerzug gesehen zu haben. Der Baron hatte ein Herz aus weißen Lilien, welches er mit kummervoller Miene hinter dem schwarzen Gefährt hinterhertrug, Tante Gerda ging, auf ihren Ebenholzstock mit dem silvernen Knauf und auf Gustav gestützt, neben ihm und trug ihre Trauer mit grimmiger Miene durch das Alpendörfchen. Fast alle Kurgäste gaben sich ein Stelldichein in der kleinen Herz-Jesu-Kirche und in so manches Taschentuch, welches von Margots und Augustens flinken Fingern prächtig bestickt worden war, wurde hinter vorgehaltener Hand leise hineingehustet an jenem so sonnenklaren Tag.
Als der schwere Sarg mit den Messingbeschlägen in das feuchte, viereckige Loch auf dem Kirchhof hinunter gelassen wurde, fielen sich der Baron und die ältere, kinderlose Verwandte leise schneuzend in die Arme, jeder des Anderen Stütze an jenem Tag inmitten der Schweizer Berge.
Auguste und Margot standen hinter der Kirchhofhecke und beobachteten das Trauerspiel, jede in ihre eigenen Gedanken versunken.
Am nächsten Tag klingelte die Türglocke, zu einer Stunde, in der sich offizielle Besuche nicht ziemten. Aber Auguste und Margot waren schon seit Stunden mit dem Herrichten der Frühstücke für ihre Waisenkinder beschäftigt. Die Köchin, die sich brummend angeschickt hatte, den Besuch vorzulassen, kam mit hochrotem Kopf wieder. "Fräulein Auguste, dort sind zwei Herren, die das Fräulein Margot sprechen wollen." Margot erbleichte und wandte sich ab. Hatte sie alle Taschentüchlein, die mit dem verräterischen Sputum vieler verschiedener Kranken benetzt waren, wirklich alle in ihrem Kamin verbrannt? Ob dieses schon Versicherungsdetektive waren oder gar welche von Scotland Yard?
Auguste band sich schnell die Schürze ab und winkte der Freundin, es ihr gleich zu tun. "Berta, geleite die Herren in die gute Stube, wir kommen sofort hinterher."
Wieder vor sich hin brummend, ging die stämmige Spandauerin aus der Küche.
"Nun denn, dann wollen wir einmal sehen, wer uns zu dieser Stunde besucht, liebe Margot."

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Richensa

12.01.2008, 22:47

Als sie schließlich die beiden Waggons, die sie aus dem Gewinn der schwarzen Stoffe für die Hingeschiedene hatten mieten können, mit all' ihrem Gepäck, mit den Kindern, der drallen Spandauerin und vielen Spezereien beladen hatten, gingen sie noch einmal durch das nun stille Haus in Davos, welches sie nie wieder sehen sollten.
Schon hatten sie den kleinen Garten betreten, in dem die Waisenkinder das erste Mal fröhlich gesungen hatten, als sie das Geräusch von sich nähernden Schritten, forsch und ohne zu zögern, im Haus hörten. Sie schauten sich an und harrten des Besuchers.
Der Baron, noch in seiner Trauerkleidung, war in das nun so stille Rund getreten und zu den beiden jungen Frauen getreten. "Wie ich höre, beabsichtigen Sie, uns zu verlassen?"
"Ja, eure Durchlaucht, wir haben ein Angebot aus England, welches wir unmöglich ablehnen können." "Aber meine Damen, Ihr habt soviel für mich getan, bleibt doch bitte."
Margot schüttelte langsam den Kopf. "Nein, Eure Anteilnahme ehrt euch, aber wir müssen fahren. Die Kinder können nur mit unserer Hilfe ein ordentliches Englisch lernen... Sir!"
Er blickte zu Auguste. "Und Ihr? Auguste, bleibt bei mir und leistet mir Gesellschaft in dieser dunklen Zeit. Ich kann Euch auch bezahlen." Ungeschickt griff er in die Seitentasche des Gehrocks und zog ein Bündel italienischer Banknoten hervor.
"Aber das schickt sich doch nun wirklich nicht, dass ich euch in die Gesellschaft begleite, Eure Durchlaucht. Was sollen denn die Leute denken, so kurz nach dem Hinscheiden Eurer reizenden Gemahlin?" Der Baron dachte kurz nach und nickte dann entschieden.
"Ich werde noch einige Tage hier bleiben und dann ebenfalls abreisen. Tante Gerda wird in die liebliche Gegend ihrer Kohlegruben zurück kehren, sie will die Streikenden endlich in ihre Schranken weisen. Ich hingegen könnte Euch nachreisen und dann vielleicht Euch ein getreuer Begleiter sein." Als er Augustes hingerissenen Blick sah und Margots erschreckten, drehte er sich abrupt auf dem Absatz herum und verließ gehetzten Schrittes den Ort, an dem er mitunter abends, ohne das Wissen seiner Frau und deren Tante, vorbei geschlichen war und in den erleuchteten Fenster das traute Beisammensein der beiden Frauen gesehen hatte, ihrem glockenhellen Stimmen gelauscht hatte, die den Waisenkindern Geschichten vorgelesen und mit ihnen das Abendgebet gesprochen hatten.

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Richensa

13.01.2008, 20:32

Kaum hatten ihre zierlichen Füße auf englischen Boden betreten, traten die beiden Gentleman aus der Tuchbranche auf sie zu. "Dear Ladies, wir freuen uns unendlich, Sie endlich im schönen Britannien begrüßen zu dürfen." Lord Needlework verbeugte sich elegant vor Margot und Auguste, die noch etwas bleichgrünlich von der ungewohnten Seereise im Gesicht waren. "Dort hinten warten schon die Kutschgefährte, die Euch und Eure Waisenkinder weiter befördern werden. Wenn Ihr es wünscht, fahren wir mit Euch und lassen uns die Fahrt durch vieles Erzählen nicht lang werden."
Unterdessen hatten sich die Kinder gruppiert und huben an, "God save the Queen" zu Ehren der Regentin über das Commonwealth und Indien zu singen. Die beiden Herren stellten sich aufrecht dazu und sangen leise lächelnd mit.
So begann die Zeit in Großbritannien auf's Beste für die Weitgereisten. Auch die kleinen Geschenke, die Auguste während der Fahrt noch rasch fertig gestellt hatte, erfreuten die beiden Herren.
Und wie sie versprochen hatten, waren die Herren ihren Versprechungen gehalten, die englischen Tuchmacherkinder waren in adrette Schuluniformen gekleidet und konnten gar schon das kleine Einmaleins fehlerfrei rezitieren. Schnell hatten sich auch die schweizerischen Waisenkinder an die Uniformen und den Linksverkehr gewöhnt. Und so hatten Auguste und Margot Zeit, mit Lord Needlework und Lord Fancywork die Musterbücher zu studieren. Einzig Berta murrte über diese fremdartige Sitte, rohe Gurken zwischen weiße Brotscheiben zu stecken und nachmittags, wenn in der Schweiz höchstens der Käse für das Raclette vorgewärmt wurde, diese zu braunem Wasser zu verspeisen. Außerdem fühlte sie sich immer merkwürdig gebläht, wenn sie davon naschte.
Baron Bodo von Boddelschwingh hatte eine schwere Zeit, nachdem die bunte Schar aus Davos abgereist war. Tante Gerda weilte inzwischen, zu seiner großen Erleichterung, wieder im Ruhrgebiet und hatte ihm aber zugesagt, der Baroness Besitztümer durch einige großzügige Überweisungen zu erweitern. Dennoch langweilte sich der Baron und beschloss, nicht ohne von Zeit zu Zeit einen angestrengten Blick auf das kleine Visitenkärtchen zu werfen, welches ihm Auguste verschämt zugesteckt hatte. Er würde nach Engeland reisen, ins Land der schönen Pferde und der langnasigen Frauen.

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Richensa

13.01.2008, 21:29

Die Monate flogen nur so dahin, alle Waisenkinder sprachen inzwischen die Sprache ihres Gastlandes vollkommen fließend und wurden von der getreuen Berta jeden Abend in die kleinen Betten gebracht, wie Schneewittchen die sieben Zwerge versorgt hatte.
Auguste und Margot hatten einen Teil der Saison in London verbracht, wo ihre zierlichen Handarbeiten auch wie im Fluge die Auslagen der feinen Geschäfte eroberten. Keine Dame, kein Herr der Gesellschaft, die sich nicht mit den zart gesäumten Kostbarkeiten den Nase schneuzte oder ihr Laudanumfläschchen damit vor allzu neugierigen Augen verbargen.
Sogar die Queen, so sagte man, habe sich einige der Spezereien bringen lassen und versuchte, die feinen Muster nachzuhäkeln. Ihre Familie wurde stets mit kleinen Geschenken, die die Monarchin selbst herzustellen pflegte, bedacht. Leider waren sie bei weitem nicht so wunderbar wie die Früchte Margottens und Augustens Finger.
Bodo von Boddelschwingh war inzwischen auch in der Stadt der mächtigen Matrone angelangt. Er war im Hotel Berkshire abgestiegen und hatte sich vom Erbe seiner so unvermutet Dahingeschiedenen eine schöne Zimmerflucht gemietet und pflegte sich gerne am Kartentisch und beim Pferderennen zu zerstreuen, leider nicht sehr erfolgreich.

Als er eines Morgens mit roten Augen vom Spieltisch des Lord of Chesterwick