Kompliment
mostro (07.10.2007) •••••5
Mit seinen 400 Hektar ist der Friedhof Ohlsdorf Hamburgs größte Grünanlage und nach den meisten Angaben überhaupt der größte Parkfriedhof der Welt - aber das scheint keinen recht zu faszinieren, denn wer beschäftigt sich schon gern mit Tod und letzten Ruhestätten, wenn er nicht der seltenen Spezies der bleichgesichtigen Schwarzgekleideten angehört, die ihre Wohnungen mit Grabkerzen schmücken und dazu einförmige Musik hören.
Mir ist Ohlsdorf immer mehr als lebendiger Park als als Friedhof begegnet, wahrscheinlich, weil es auch geographisch keine Sackgasse darstellt, sondern im Norden Hamburgs eine hervorragende Verkehrsachse von Ost nach West bietet, in der der gemeine Autofahrer zwar schleichen muß, der edle Radfahrer aber ohne Ampel und andere Hindernisse mehrere Kilometer über Hügel durch grüne Baumlandschaften brausen kann - und plötzlich am anderen Ende der Stadt angekommen ist.
Aber auch für Spaziergänger ergeben sich lange Routen durch die verschiedenen Landschaften, bei denen man sich auch prima verirren kann, da viele der unzähligen Wege zwischen den oft pittoresk überwucherten Steinen ähnlich aussehen - und nur selten Wegweiser im Nebel erscheinen (aber auch keine Vampire). Freundlicherweise gibt es alle paar Kilometer auch ein Tor, durch das man das Areal betreten und verlassen kann, so daß der Park von allen Seite zugänglich bleibt.
Vermissen wird man natürlich Gastronomie und Picknickwiesen, so locker sind die Betreiber noch nicht geworden - auch wenn viele Hamburger sicherlich nichts dagegen hätten, das Gelände mehr in die Weltlichkeit einzugliedern - ich jedenfalls würde mich gegebenenfalls über Besucher freuen, die auf meinem Grab herumtanzen oder einen Ochsen grillen...
Zurück zur Gegenwart. Unter den moosig bewachsenen Bäumen wandelt man auch als Lebender sehr lauschig - offiziell listet man hier 450 Laub- und Nadelgehölzarten, die Teiche und Bäche sind von allerlei Wasservögeln belebt - vor allem wenn man den Spaziergang im Osten zum Bramfelder See ausdehnt, hat man eine wunderbare Kombination aus Wald - und Wasserspaziergang. Die Cafés am Friedhofseingang in Ohlsdorf sollte man meiner Meinung nach meiden, da hier viele Begräbnisfeiern ausgerichtet werden, deren gedrückte Stimmung irgendwie in die Farbe von Wänden, Mobiliar und Kellnergesichtern übergegangen zu sein scheint...
Falls es dann doch irgedwann einmal gefragt wird: Auf dem Ohlsdorfer Friedhof kann sich jeder beisetzen lassen, unabhängig von Wohnort und Konfession.
Stichworte
friedhof, grab
Kommentare (2)
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