Bewertung zu St. Marienkirche von igepa

St. Marienkirche, Pastorenstr. 2, 29525 Uelzen

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Benutzerfoto: igepa

igepa

Kompliment igepa (21.10.2007) 5

Heute bin ich getürmt. D. h. ich habe heute die Chance genutzt, den Kirchturm der St. Marien-Kirche zu erklimmen. 84 m ragt er über Uelzen in die Höhe.

Der Eingang in den Turm ist ziemlich niedrig. Ursprünglich konnte man jedoch aufrecht hineingehen. Nur wurde im Laufe der Jahrhunderte der Boden um die Kirche immer weiter angehoben, damit auch immer noch genügend Uelzer Bürger auf dem früher darum herumliegenden Friedhof beerdigt werden konnten (ging halt nur übereinander mit der Zeit). Ursprünglich konnte die Kirche über zwei Stufen aufwärts betreten werden - heute führen 5 Treppenstufen in die Kirche hinab.

Der Kirchturm von St. Marien ist beim großen Bombenangriff auf Uelzen am 16.4.1945 komplett ausgebrannt. Glücklicherweise wurden die Glocken vorher zum Einschmelzen für kriegswichtige Dinge entfernt. Glücklicherweise??? Ja, denn die gesamten Turmdecken und der Glockenstuhl waren aus Holz. Hätten sich die Glocken noch im Turm befunden als es brannte, wären diese irgendwann durch die Kirchendecke geschlagen und hätten das Feuer damit auch in die Kirche eindringen lassen. Alles Schlechte hat also auch sein Gutes.

Zwei der Glocken wurden nach dem Krieg auch auf dem Glockenfriedhof in Hamburg-Harburg wiedergefunden. Diese beiden Schlagglocken haben nun als Dauerleihgabe auch im Turm der Kirche wieder ihren Platz gefunden. Daneben befinden sich noch 5 weitere Glocken im Turm, darunter die zwei Sorgenkinder - die beiden großen Stahlgussglocken. Stahlguss war beliebt, weil einfacher und günstiger herzustellen als "normale" Glocken, hat sich jedoch leider als wenig haltbar erwiesen. Feinste Haarrisse werden durch Feuchtigkeit und Rost zu Problemstellen, die andernorts schon Glocken beim Anschlagen haben in tausend Teile zerspringen lassen. Die beiden Uelzer Stahlgussglocken werden aller Voraussicht nach in den nächsten 5 - 10 Jahren ausgetauscht werden müssen, was mit einem enormen Aufwand und ebenso enormen Kosten verbunden ist (Ausbau sämtlicher Glocken sowie des Stahlglockenstuhls, danach Aufbau eines neuen Glockenstuhls aus Holz und Wiedereinbringen der neuen und alten Glocken - alles klar???). Der Neuaufbau des Glockenstuhls aus Holz ist erforderlich, weil der jetzige Stahlglockenstuhl auf der Stahlbetondecke die Schwingungen der Glocken direkt aufs Mauerwerk überträgt. Auf Dauer dem Turm nicht gerade förderlich. Der Küster berichtete, dass er unten im Turm merkt, wenn oben die Glocken zu schwingen anfangen.

Durch das Ausbrennen im zweiten Weltkrieg wurden die Backsteine des Turmes überbrannt, waren damit nicht mehr so halt- und belastbar und der Turm der Kirche musste stabilisiert werden. Dies geschah durch das Einziehen einer Betondecke, die Stabilisierung mit Metallstangen, die zwischen zwei gegenüberliegenden Seiten im Mauerwerk verankert werden (von außen auch gut zu erkennen - ich wusste vorhin auch noch den richtigen Fachbegriff dafür - Windstangen, glaube ich - wer weiß es besser?) und dem Ziehen eines Betonringes am oberen Ende des Turmes. Das Dach wurde nach einem vorläufigen Provisorium dann 1954 wieder aus Holz und Dachziegeln aufgebaut und bringt durch diesen "leichten" Aufbau nur noch ein Fünftel seines ursprünglichen Gewichtes auf den Turm.

Das Besondere an dem Turm íst die Aufteilung des Verhältnisses Turm zu Spitze von 1:1 (42 m : 42 m). Dadurch wirkt der Turm der St. Marien-Kirche sehr schmal. Normal ist die Aufteilung 2/5 Spitze, 3/5 Turm.

Die Besteigung des Turmes ist nur zu empfehlen, da man gerade bei gutem Wetter eine phänomenale Sicht über Uelzen hat. Und heute war die Sicht sehr gut - siehe auch die Bilder. Aber Achtung - der Weg nach oben ist wirklich sehr eng und besteht aus vielen winzigen Treppenstufen. Wir haben auch gezählt - 196 Stück waren es - und damit ist man nur ganz oben im Turm. Der Dachstuhl kann dann noch über Leitern (manchmal) erklommen werden. Dies war heute leider nicht möglich, da der Küster die erforderliche Herbstinspektion der Leitern und der Turmspitze noch nicht hinter sich gebracht hatte. Da wartet er noch auf schlechtes Regenwetter mit viiiiel Wind, damit er das Turmdach gleich auf etwaige Schäden untersuchen kann.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: von der ersten Ebene des Turmes kann man auch über eine Seitentür in den Dachstuhl über dem gotischen Kirchengewölbe kommen. Sehr interessant diesen mal von oben entdecken zu können und dabei die Mauerung im Fischgrätmuster zu entdecken (alles freihändig und ohne vorherige Schalung - weshalb auch viele gotische Kirchen in Bauphase teileingestürzt sind).

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Kommentare (14) Bedenklicher Inhalt?

Kommentare:

Benutzerfoto: lokalreporter

lokalreporter

21.10.2007, 23:24

als headliner würd ich resümieren: >> gotische kirchen in der bauphase teileingestürzt <<

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Benutzerfoto: igepa

igepa

22.10.2007, 00:19

Ja, und das nicht gerade wenige - vor allem zu Beginn der Gotik in Frankreich. Nachher in der Hochgotik war dann schon bekannter, wieviel Neigung diese spitzen Gewölbe haben dürfen, um nicht in der Bauphase in sich zusammenzufallen.

Aber die Gewölbebesichtigung war ja nicht der wesentliche Teil der Türmung - nur ein kleines Bonbon am Ende.

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Benutzerfoto: mdh

mdh

22.10.2007, 06:40

Die Metallstangen im Turm sind der "Windverband", sie dienen der Aussteifung der Konstruktion.
Interessanter Beitrag!

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Benutzerfoto: lokalreporter

lokalreporter

22.10.2007, 07:27

und weiter: >> diener der aussteifung, der konstruktion! <<

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Benutzerfoto: le_gourmet

le_gourmet

22.10.2007, 07:54

in unsere kirchen liste aufgenommen

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Benutzerfoto: Rolf Bernhard Geißmann

Rolf Bernhard Geißmann

22.10.2007, 14:28

was mich u.a so angesprochen hat, war die Bauweise aus dem roten Backstein dort.
Natürlich auch das "Innenleben", aber den Stein findest Du nicht überall.

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Benutzerfoto: igepa

igepa

22.10.2007, 14:44

Naja, andere Landesteile - andere Baustile. Backsteinbauten sind in Niedersachsen ja schon verbreitet. Auch viele andere Kirchen und Kapellen wurde hier ja so erbaut. Wenn Du noch mal in Uelzen weilst, solltest Du Dir dann vielleicht auch noch mal die Kirche in Oldenstadt (2 km entfernt von Uelzen) ansehen. Die hat oben am Turm noch einen ganz entzückenden Fachwerkaufbau. Auch sehr nett anzusehen. Ich weiß aber nicht, ob man die auch besichtigen kann.

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Benutzerfoto: burkey

burkey

22.10.2007, 15:47

Sehr informativ geschrieben! Lohnt sich wohl doch mal nach Uelzen zu fahren: die Kirche der Hundertwasser Bahnhof

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Benutzerfoto: Rolf Bernhard Geißmann

Rolf Bernhard Geißmann

22.10.2007, 16:13

danke, Ute, schon vorgemerkt und dann habe ich noch eine 1000-Jährige Kirche in der Nähe von Wieren auf meinem Zettel stehen. Suderberg oder ähnlich.

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Benutzerfoto: igepa

igepa

22.10.2007, 16:53

@ burkey: Die teilweise recht schönen Fachwerkhäuser, das Wildgatter zum Spazierengehen, die ansehnliche Innenstadt - gibt schon noch einiges das einen Besuch in Uelzen lohnenswert macht.

Rolf, ja Suderburg - dort in der Nähe ist auch das Museumsdorf Hösseringen. Auch sehr sehr schön zum Spazierengehen, Seele baumeln lassen und gucken/informieren. Außerdem gibt es noch die Klöster in Ebstorf und Medingen (bei Bevensen). Ist auch nicht weit weg von Uelzen. Ich wünsche Dir dann schon mal viel Spaß und viel Zeit für Uelzen und umzu. Oldenstadt ist übrigens der Ursprung von Uelzen - dort fing einmal alles an.

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Benutzerfoto: Nicola

Nicola

23.10.2007, 16:01

Glückvvunsch zum "Beitrag der VVoche"!!! :-)

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Benutzerfoto: Cars10

Cars10

23.10.2007, 20:27

Auch einen herzlichen Glückwunsch zum Beitrag der Woche! Sehr schön geschrieben!
Gruß aus Bruck CarsTen und Elli

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Benutzerfoto: Rolf Bernhard Geißmann

Rolf Bernhard Geißmann

23.10.2007, 20:36

Herzlichen Glückwunsch, super.
Kommst Du mit zur Soester Kirmes? Dann gibt es ein "Bullenauge" extra.

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Benutzerfoto: igepa

igepa

23.10.2007, 20:59

Vielen Dank, Ihr Lieben! Ich bin ganz gerührt.

Rolf, was für ne Kirmes. Das was Nicola mir für den 11.11. angekündigt hat??? Da kann ich nicht - Geburtstagsfeier meiner Kleinsten. Und was ist bitte ein Bullenauge?

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